Angela und Hans-Joachim Walitschek fühlen sich in dem von Herbert Hirche entworfenen Haus in Ebhausen wohl. In dem Haus haben sie möglichst viel belassen, wie beispielsweise auch die Einbauwand im Hintergrund. Das Foto rechts zeigt den künftigen "Herbert-Hirche-Weg". Fotos: Schweikardt Foto: Schwarzwälder-Bote

Der Designer und Architekt Herbert Hirche hat in Ebhausen auch Möbel-Entwürfe fertigen lassen

Von Daniela Schweikardt

Ebhausen. In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden: Herbert Hirche. Der in Görlitz gebürtige Möbel- und Produktdesigner ist sicher nicht jedem ein Begriff, für Freunde der Bauhaus-Architektur aber schon. In Ebhausen steht heute noch eines seiner Häuser.

Nach einer Tischlerlehre studierte Hirche am Bauhaus in Dessau und in Berlin. Nach dem zweiten Weltkrieg war er Hauptreferent für das Planungsamt für den Wiederaufbau der Stadt Berlin und wurde anschließend als Professor an die Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee berufen. Es folgte ein kurzes Intermezzo in Mannheim bis er schließlich von 1952 bis 1977 als Professor für Innenarchitektur und Möbelbau an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart seine Erfüllung fand. Er war Mitglied des Deutschen Werkbundes und über zehn Jahre Präsident des Verbandes deutscher Industriedesigner.

Herbert Hirche war kontinuierlich auch als freischaffender Architekt, Designer und Ausstellungsgestalter tätig, er entwarf Möbel im Stil der Bauhaus-Lehre, die funktional sein sollten und gilt in diesem Zusammenhang als Entdecker der Schrank- und Trennsysteme. Solche Einbauwände wollen auch gebaut werden und da kam der Kontakt mit dem Ebhauser Schreiner und Möbelfabrikanten Christian Holzäpfel zustande. Bereits Holzäpfels Vater hatte eine Schreinerei und fertigte Möbel, allerdings im typischen Schwarzwälder Stil. Das war nicht die Welt von Christian Holzäpfel, er wollte schlichte, funktionelle Möbel und so passten Hirche und Holzäpfel bestens zusammen.

Im Jahr 1961 ließ sich Christian Holzäpfel dann sein Wohnhaus in Ebhausen auf der Grundlage der Pläne von Herbert Hirche bauen. Eines der beiden Wohnhäuser, die komplett von Hirche geplant wurden, steht also in Ebhausen. Auf einem gut 2000 Quadratmeter großen Grundstück in der Hanglage zwischen dem Breiten Weg und der Schulstraße fügte sich das für die Region bis dahin sehr untypische Gebäude dennoch gut ein.

Bauhaustypisch die kubische Grundform, die verschiedene Räume sind vielfach durch Schiebetüren zu trennen, die großen Fensterfronten sorgen für viel Transparenz und einen herrlichen Ausblick auf den Stuhlberg. Heute wohnen Angela und Hans-Joachim Walitschek in dem Bauhaus-Bungalow in Ebhausen – beide sind echte Bauhaus-Fans. "Es war Liebe auf den ersten Blick", schwärmen die beiden Wahl-Ebhauser, die für ihr Traumhaus die Verdoppelung der Anfahrtswege zu den Arbeitsstätten gerne in Kauf genommen haben.

Nach ihrem beruflich bedingten Wohnortwechsel aus Bayern in die Region Stuttgart wohnten sie zunächst in Herrenberg bis sie auf die Verkaufsannonce dieses Hauses stießen und ihr Glück kaum fassen konnten. "Es ist einfach schön hier, eigentlich mitten im Ort und trotzdem wie auf einer Insel", beschreibt Angela Walitschek ihre Gefühle. 250 Quadratmeter Wohnfläche stehen ihnen zur Verfügung, das eine oder andere von Hirche entworfene Möbelstück steht darin. Sonst ist alles noch wie im Originalzustand aus 1961, lediglich die Einbauschränke ließen Walitscheks neu lackieren und einen zusätzlichen Schwedenofen einbauen. "Das Haus war in einem super Zustand, alles toll gepflegt und im Schuss gehalten."

Etwas unbefriedigend war lediglich die formale Anschrift: sie lautet Breiter Weg, obwohl die Zufahrt über die Schulstraße erfolgt. Deshalb wollten Angela und Hans-Joachim Walitschek das Nützliche mit dem Gewünschten verbinden und stellten bei der Gemeinde Ebhausen den Antrag, dass ihre Stichstraße zwischen den Gebäuden Schulstraße 15 und 17 künftig "Heinrich-Hirche-Weg" heißt und dies ihre neue Anschrift wird. Damit ist künftig nicht nur für alle Besucher der Familie Walitschek die Anreise verdeutlicht, sondern auch die Besonderheit, dass hier in Ebhausen eines der beiden Häuser von Heinrich Hirche steht, gewürdigt.

Der Gemeinderat Ebhausen hat dem neuen Straßennamen bereits zugestimmt und auch das Schild mit der Aufschrift "Heinrich-Hirche-Weg" wurde schon bestellt.

Bleibt zu hoffen, dass es noch rechtzeitig im 100. Geburtsjahr des Architekten und Designers geliefert und montiert wird.

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