Gabriele Rauch organisiert Spendentransporte in die Ukraine. Hier trifft sie in Kalusch auf ein Paket, das sie in Lahr gepackt hat. Foto: Köhler

Eine Delegation aus Lahr hat die befreundete Stadt Kalusch in der Ukraine besucht. Die Teilnehmer konnten sich überzeugen: Spenden kommen an, wo sie gebraucht werden.

Ein Lagerraum im Zentrum von Kalusch. Pappkartons stapeln sich an den Wänden. Die ukrainische Flagge weist darauf hin, dass es Hilfsgüter für die Menschen im Kriegsland sind. Ansonsten sieht man... das Logo der Lahrer Firma Nestler? „Diese Kartons habe ich gepackt“, klärt Gabriele Rauch auf. Sie zeigt der Lahrer Delegation stolz den Ort, von dem aus die Spendengüter aus Lahr weiterverteilt werden.

 

Es handelt sich um einen Kulturverein, den engagierte Frauen aus Kalusch gegründet haben. Sie sind Filmregisseure, Lehrer oder Schriftsteller und haben sich zum Ziel gesetzt, auch oder gerade in Kriegszeiten die ukrainische Kultur zu bewahren. Parallel sind sie Partner des Lahrer Vereins „Gemeinsam Europa“, der inzwischen seit fast vier Jahren Hilfstransporte nach Kalusch organisiert. Rauch ist eine zentrale Stütze: Sie nimmt auf dem alten Postareal in Lahr Sach- und Geldspenden entgegen, packt Hilfsgüter in Kisten und kauft mit dem Geld die Dinge ein, die gerade am dringendsten benötigt werden. Dazu steht sie in ständigem Kontakt mit den Menschen in Kalusch. „Aktuell brauchen sie Wintersachen, Medizin und Verbandszeug“, berichtet Rauch.

Verbandsmaterial erreicht Soldaten an der Front

Teilweise werden die Güter in Kalusch erneut sortiert und verpackt und in Stabilisierungsstützpunkte nahe der Front geschickt. So kommen sie den Soldaten im Krieg direkt zugute. „Wir schicken nichts ins Blaue. Wir wissen immer, wo die Hilfsgüter hingehen werden“, sagt die 69-Jährige. Das wird der Delegation beim Anblick der in Lahr gepackten Kisten vor Ort erst so richtig bewusst.

Bei der ersten Reise nach Kalusch im Dezember 2024 kamen parallel Hilfstransporte mit Solarpaneelen und -leuchten sowie Batteriespeicher an. Heute, 14 Monate später, sind diese bereits im Einsatz. Die Delegation besucht eine Poliklinik, die Photovoltaikmodule auf Garagendächern angebracht hat. Viel bekommen die Lahrer davon nicht zu sehen – eine Schneeschicht bedeckt die Module –, doch der Direktor der Poliklinik erklärt, dass an sonnigen Tagen etwa 25 bis 30 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. „Es ist eine große Hilfe.“ Auch die Batteriespeicher nutzt die Klinik. Sie sind wichtig, um auch in den Zeiten Strom zu haben, in denen er aufgrund der fragilen Infrastruktur abgeschaltet wird.

Die solarbetriebenen Straßenleuchten sind an anderer Stelle im Einsatz: Beim Besuch einer der größten Schulen in Kalusch erkennen die Lahrer eine Laterne wieder. Die Direktorin erklärt: „Wenn die Schüler im Winter nach Hause gehen, ist es oft dunkel. Der Weg in Richtung Straße war bislang nicht beleuchtet.“ Nun ist er es – und die Schüler können mit einem sichereren Gefühl nach Hause gehen.

Weitere Spenden sind für das laufende Jahr geplant

Möglich war die Spende über die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit des Entwicklungsministeriums. Lahr war in ein Förderprogramm gekommen – und hat dies dieses Jahr wieder geschafft. Weitere Hilfsgüter werden kommen, kündigte OB Markus Ibert an.

Schon auf dem Weg in die Ukraine sind neun Benzin-Generatoren und fünf „Power Stations“. Diese Spende hat Ibert zusammen mit E-Werk-Chef Bernhard Palm organisiert. Einen Tag vor der Ankunft der Lahrer in Kalusch hatten die Russen die Energieinfrastruktur angegriffen – und erheblich beschädigt. Ibert: „Als wir vor Ort waren, ist die Stromversorgung innerhalb mehrerer Minuten mehrfach zusammengebrochen. Für uns war das erschreckend – für die Menschen dort ist es Alltag.“

Energiehilfe im Wert von 10.000 Euro

Aus diesem Grund habe er Palm um Hilfe gebeten. Der zögerte nicht lange: „Wir waren gleich Feuer und Flamme.“ Am Dienstag – sechs Tage nach der Rückkehr – wurde die Energiehilfe im Wert von 10 000 Euro startklar gemacht. Innerhalb einer Woche hat das E-Werk aus dem eigenen Bestand die neun voll funktionstüchtigen Generatoren sowie die „Power Stations“, sozusagen überdimensionierte alltägliche Power Banks, organisiert.

In die Ukraine gebracht werden sie zusammen mit dem neuen Hilfstransport von „Gemeinsam Europa“. Gabriele Rauch freute sich am Dienstag über die Unterstützung – und die Tatsache, dass sich noch ein weiterer Fahrer gefunden hat. Doch Kalusch und die gesamte Ukraine benötigen noch viel mehr Unterstützung, erläuterte Rauch. Ibert appellierte daher: „Spenden Sie weiter. Es kommt wirklich an!“

Eindrücke der Delegationsmitglieder von der Reise nach Kalusch

Klaus Dorner (KFW):
 „Trotz Krieg, Flucht, Stromausfällen und enormer Belastung funktioniert die Verwaltung in Kalusch – modern, digital und erstaunlich effizient. Das ist eine bewundernswerte Leistung.“

Roland Hirsch (SPD):
„Die Reise nach Kalusch war beeindruckend, aber auch bedrückend. Der Krieg war allgegenwärtig und immer spürbar. Unser Besuch hat eines deutlich gemacht: dass die Ukrainerinnen und Ukrainer auch Europa verteidigen und unsere Unterstützung, auch in unserem eigenen Interesse, zwingend und unerlässlich ist. Die Partnerschaft der Stadt Lahr mit Kalusch ist deshalb auf einem guten und richtigen Weg und sollte weiter ausgebaut werden.“

Frank Himmelsbach (Grüne):
„Was ich in Kalusch gesehen habe, können wir uns hier in Lahr kaum vorstellen. Es ist kein lokales Problem, sondern ein Angriff auf unsere europäischen Werte – und auf Menschen, die dringend unsere Solidarität brauchen.“

Joachim Volk (FDP):
„Die Reise nach Kalusch war für mich so beeindruckend, dass ich nach besten Kräften die Solidarität mit der Ukraine unterstützen werde. Es ist berührend zu erleben, wie die Bevölkerung ihr Land verteidigt.“

Gabriele Rauch (Gemeinsam Europa):
„Jeder Besuch in Kalusch bestätigt mir die Notwendigkeit unserer Hilfe. Der Bedarf an Unterstützung sowohl durch Hilfsgüter als auch durch unsere Solidarität nimmt nicht ab, im Gegenteil!“

Ulrike Derndinger (Badische Zeitung):
„Mit eigenen Augen zu sehen, wie die Menschen in Kalusch leben und mit den Folgen des Kriegs zu kämpfen haben, war ein tiefgreifendes und berührendes Erlebnis. Freundschaft und Gastlichkeit und Humor standen im Mittelpunkt – und der Mut der Menschen ist beeindruckend.“

Stefan Breitner (Stadtverwaltung):
„Die Eindrücke sind schwer in Worte zu fassen. Der Krieg ist leider Alltag in Kalusch und nur 25 Stunden Zugfahrt von Lahr entfernt. Der Kampf der Ukraine ist auch ein europäischer Kampf.“