Die neuen Sicherheitsvorschriften haben das Ziel, Manipulationen bei Ausweisdokumenten zu verhindern. Die Nutzung der digitalen Bilder verzögert sich jedoch auch in Villingen-Schwenningen aus verschiedenen Gründen.
Viele Fotostudios sind gerüstet, die Kunden erhalten ihr digitales Lichtbild, doch die Behörden haben mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eigentlich sollte ab dem 1. Mai die Beantragung von Personalausweisen und Reisepässen nur noch mit digital eingereichten oder direkt im Amt aufgenommenen Fotos möglich sein. Bundesweit gibt es Probleme – auch in Villingen-Schwenningen kann das Bürgeramt die mit einem sogenannten Data-Matrix-Code in einer Fotocloud hinterlegten Aufnahmen nicht abrufen.
„Wir sind startklar“, stellt Thomas Herzog-Singer vom Fachgeschäft Foto-Singer fest. Pass- und Bewerbungsbilder seien ein wichtiges Standbein, so habe er sich mit seiner Frau Luitgard Singer sofort mit dem Ende 2020 erlassenen Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass-, Ausweis- und ausländerrechtlichem Dokumentarwesen und der notwendigen Ausstattung auseinandergesetzt und Fortbildungen besucht.
Für solche offiziellen Dokumente seien seit dem 1. Mai nur noch direkt in den Ämtern oder bei zertifizierten Fotografen oder Anbietern wie Drogeriemärkten aufgenommene und auf einem gesicherten elektronischen Weg übermittelte Bilder zulässig. Ziel sei es, elektronische Manipulationen zu verhindern, zum Beispiel das Morphing, bei dem aus mehreren Porträtaufnahmen ein Bild entsteht, das so die Gesichtszüge verschiedener Personen zeigt.
Ausgedient haben nicht nur Automaten, sondern auch mit dem Smartphone gemachte Aufnahmen. „40 Prozent der Passbilder stammen bisher aus solchen Quellen“, schätzt Herzog-Singer. Dem schiebt das neue Gesetz einen Riegel vor.
Hohe Sicherheitsanforderungen
Welche hohen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen sind, haben er und seine Frau seit vier Jahren immer wieder erfahren. Ein ums andere Mal habe das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Vorschriften korrigiert und neue Schritte eingeführt. Um all diese Hürden zu meistern, hätten sich viele Fachhändler der Ringfoto-Gruppe in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, sich mit der Systemumstellung befasst und über die entsprechende Software informiert.
Da seien einige Bedingungen zu erfüllen gewesen, so auch die Registrierung beim BSI, zudem habe er in Geräte und Computerprogramme investiert, erklärt Herzog-Singer. Mit diesen könne er jetzt die vorgeschriebenen Fotos für Reisepässe, Personalausweise, Aufenthaltstitel und Visa für alle Länder der Welt anfertigen.
Code für sechs Monate gespeichert
Viele Kunden haben tatsächlich gleich am 2. Mai eine digitale Aufnahme von sich machen lassen. Für den Fotografen gilt es, sich mit seinem Ausweis und der PIN am System zu verifizieren, bevor er eine Auswahl biometrischer Bilder anfertigt. Ein Bild ausgesucht, lädt die Software es in die Fotocloud hoch und erzeugt einen Code, der für sechs Monate gespeichert ist. Anhand eines Ausdrucks können die Behörden diesen auslesen.
Eigentlich. Bisher funktioniert dies jedoch in vielen Städten nicht, weder das Hochladen aus der Cloud noch die Nutzung eigener Lichtbildaufnahmegeräte funktioniert. Die Stadt Villingen-Schwenningen hat zehn zertifizierte Aufnahmegeräte von der Bundesdruckerei GmbH bestellt, teilt Patrick Ganter von der Pressestelle der Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen auf Anfrage unserer Redaktion mit. Bislang wurde jedoch nur eines geliefert, das im Bürgerservicezentrum Villingen steht. Die Lieferung weiterer Geräte für das Servicezentrum in Schwenningen und die Ortsverwaltungen verzögert sich aufgrund von erheblichen Problemen bei der Auftragsabwicklung seitens der Bundesdruckerei.
Aufnahmegeräte stehen bereit
Das Aufnahmegerät in Villingen steht bereit und die technischen Voraussetzungen, um den QR-Code von Fotodienstleistern auszulesen, sind sowohl in den Bürgerservicezentren Villingen und Schwenningen als auch in den Ortsverwaltungen geschaffen. Allerdings besteht seit dem 2. Mai eine technische Störung, die den Abruf der Bilder aus der Fotocloud sowie die Nutzung der Lichtbildaufnahmegeräte nicht möglich macht, erklärt Ganter.
„Bislang haben wir keine Information erhalten, dass die Störung behoben ist, sodass momentan keine konkrete Einschätzung darüber abgegeben werden kann, wie lange sie noch andauern wird.“
Allerdings gibt Ganter auch Entwarnung für alle, die für die Urlaubssaison dringend einen Ausweis benötigen. Bis zur Behebung der Störung und der vollständigen Ausstattung mit den Lichtbildaufnahmegeräten werden Papierpassbilder als Übergangsregelung noch bis zum 31. Juli akzeptiert. „Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass es in der bevorstehenden Ferienzeit keine Beeinträchtigungen geben wird“, heißt es seitens der Stadt.
Profis geben Tipps
Für viele Fotografen wie Thomas Herzog-Singer gehört die Ausgabe von Papierbildern zusätzlich zum Code ohnehin zum Service. So wirbt er dafür, für Passbilder weiterhin in aller Ruhe in ein Fotostudio zu gehen, sich Tipps vom Profi zu holen und gemeinsam mit ihm aus einer Auswahl eine passende Aufnahme auszusuchen.