Grüner Sprit, sogenannte E-Fuels, könnten den Pkw-Bestand sofort grüner machen. Porsche wird aber von Brüssel und Berlin aufgehalten, kommentiert Markus Grabitz.
Stuttgart - Porsche beweist Pioniergeist. Als einziger Hersteller weltweit haben die Zuffenhausener begriffen, welche Chancen in synthetischen Kraftstoffen stecken. Wenn die Anlagen mit Strom aus erneuerbaren Quellen gefahren werden, ist der CO2-Fußabdruck der E-Fuels gleich null.
E-Fuels nicht nur für Sportwagen? Unwahrscheinlich.
Die Technologie hätte das Potenzial, endlich auch den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen durch die Bestandsflotte von derzeit rund einer Milliarde Fahrzeuge weltweit radikal zu senken. Um die noch hohen Produktionskosten je Liter herunterzubringen, bedarf es aber idealer, also stürmischer oder sonniger Standorte und großer Produktionsmengen.
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Mit der Fabrik in Chiles Süden macht sich Porsche mit Siemens daran, zu beweisen, dass es sehr wohl funktioniert. Die Mengen, die Porsche mit seinen Partnern schon 2026 produzieren will, sind beachtlich. Gleichwohl erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass E-Fuels über ein Nischendasein als Treibstoff für Sportwagen hinauskommen.
Ökobilanz von E-Fuels kann so grün ausfallen wie bei Elektromotoren
In Europa sind E-Fuels im Verkehr allenfalls in der Schifffahrt und im Luftverkehr politisch erwünscht. Brüssel und Berlin tun alles, um zu verhindern, dass E-Fuels im Pkw-Bestand eine entscheidende Rolle zum Abbau der Emissionen beitragen . Die Politik setzt darauf, dass E-Mobilität die Probleme löst. Sie hat dafür die regulatorischen Stellschrauben angezogen: Ladestrom wird privilegiert, E-Fuels werden diskriminiert . Bei den Flottengrenzwerten setzt Brüssel allein auf batterieelektrische Lösungen . Bei den Energiesteuern sollen E-Fuels nur dann verschont bleiben, wenn Schiffe und Flugzeuge tanken.
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Die Ökobilanz von E-Fuels kann genauso grün ausfallen wie bei batterieelektrischen Fahrzeugen. Anders als bei der E-Mobilität muss die Infrastruktur nicht erst aufgebaut werden. Das Tankstellennetz kann genutzt werden. Und dennoch ist Chancengleichheit politisch nicht gewollt. Da die EU die Hersteller faktisch bis 2035 zum Ausstieg aus dem Verbrenner zwingen will, bleibt den E-Fuels nicht mehr viel Zeit, um die Welt von ihren Qualitäten zu überzeugen.