Eine Großrazzia gegen mutmaßliche Schleuser und Steuerhinterzieher hat für Aufsehen gesorgt. Wo im Zollernalbkreis durchsucht wurde, wie viele Festnahmen es insgesamt gab – ein Überblick.
Es ist später Donnerstagabend: Mehrere Zivilfahrzeuge des Zolls stehen vor der Balinger Stadtkirche. Von den Einsatzkräften erst mal keine Spur.
Später wird bekannt: Eine Großrazzia läuft zeitgleich in Berlin sowie in Baden-Württemberg und – schwerpunktmäßig – auch im Zollernalbkreis. Die Razzia richtet sich gegen mutmaßliche Schleuser und Steuerhinterzieher.
„Im Zollernalbkreisist ein Restaurant betroffen“
Am nächsten Tag ist klar: „Im Zolleralbkreis war Balingen betroffen“, wie die zuständige Staatsanwaltschaft Baden-Baden unserer Redaktion auf Anfrage berichtet.
„Es gab insgesamt vier Festnahmen“, erklärt die Sprecherin. 13 Betriebe seien im Zusammenhang mit der Razzia durchsucht worden. „Im Zollernalbkreis ist ein Restaurant betroffen“, heißt es. Weitere Details konnte die Sprecherin nicht nennen. Jedoch: Festnahmen gab es in Balingen in diesem Verfahren nicht, so die Staatsanwaltschaft.
Wie viele Einsatzkräfte in Balingen vor Ort waren, das war vom Zoll am Freitag indes nicht zu erfahren.
Durchsuchungen unter anderem in der Ortenau und im Kreis Calw
Insgesamt wurden im Südwesten und in Berlin 40 Durchsuchungsbeschlüsse, vier Haftbefehle und fünf Vermögensarreste über einen Gesamtbetrag von mehr als einer halben Million Euro umgesetzt. Das erklären Staatsanwaltschaft Baden-Baden, Hauptzollamt Lörrach, Bundespolizeiinspektion Offenburg und Finanzamt Freiburg-Land per Pressemitteilung am Freitagmittag. Schon zuvor hatten sie in der Ermittlungsgruppe „Aceton“ zusammengearbeitet.
Neben dem Zollernalbkreis wurde den Angaben zufolge im Stadtkreis Baden-Baden, dem Ortenaukreis, in den Landkreisen Calw, Böblingen und Lörrach sowie im Enzkreis und im Stadtgebiet Berlin Objekte durchsucht. Es gebe elf Verdächtige. Rund 600 Einsatzkräfte des Zolls, der Bundespolizei, des Finanzamts und weiterer Behörden waren im Einsatz.
Gastronomie und Kosmetikbranche im Visier der Ermittler
Beschuldigt werden laut Mitteilung Unternehmer „der Gastronomie sowie der Kosmetikbranche, welche im Verdacht des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländerinnen und Ausländern, der Ausbeutung von Arbeitskräften, des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt sowie der banden- und gewerbsmäßigen Steuerhinterziehung stehen“.
Erst im vergangenen September hatte es eine bundesweite Razzia gegeben, die ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt hatte. Damals waren Zollfahnder gegen Schwarzarbeit in der Gastronomie ausgerückt. Mehrere Tausend Einsatzkräfte waren beauftragt, Gaststätten und Hotelbetriebe zu prüfen.