Fast sechs Stunden brauchte der Spezialtransport für die 15 Kilometer lange Strecke vom Umladeplatz in Neuenbürg bis auf den Kälbling. Die Logistik dahinter ist extrem aufwendig. Und in den kommenden Tagen wird es erneut zu Verkehrsbehinderungen kommen.
Ein spektakulärer Anblick bot sich am Dienstagmorgen in Höfen und Calmbach. Das erste von insgesamt sechs Rotorblättern wurde an diesem Tag vom Umladeplatz beim Neuenbürger Freibad zum Windpark auf dem Kälbling transportiert.
Kurz vor 9 Uhr geht es los. Manuel Deistler und „Copilot“ Ralph Teyssler übernehmen die Fernsteuerung des zwölfachsigen Selbstfahrers, auf den das 81 Meter lange und 23 Tonnen schwere Rotorblatt gespannt worden ist.
Engstelle Die Rotorblätter wurden zunächst mit dem Schwertransporter von Cuxhaven nach Neuenbürg transportiert. „Hier ist dann die Engstelle, wo es nicht mehr mit der 92-Meter-Transportlänge auf dem Lkw weiter geht“, erklärt Deistler. Deshalb musste an dieser Stelle auf den Selbstfahrer umgeladen werden. Dort kann das Rotorblatt auch gedreht und aufgestellt werden, um auch enge Kurven passieren zu können.
Extrem aufwendig
Logistik Die Logistik hinter diesem Transport ist extrem aufwendig. Nur wegen der engen 180-Grad-Kurve auf der B 296 zwischen Calmbach und Oberreichenbach ist der Selbstfahrer nötig, erzählt Miriam Teige, Pressesprecherin bei der EnBW. Diese nämlich schaffen die herkömmlichen Schwertransporter nicht, deshalb muss der Selbstfahrer her. Ein Vorabkommando entfernt Schilder, Warnbaken und Ähnliches, gleich mehrere Fahrzeuge sind unterwegs und sperren Kreuzungen ab oder regeln den Verkehr so, dass zumindest ab und zu wieder Bewegung in die teils langen Staus kommt. Leider sei es nicht gelungen, einen Umladeplatz in Calmbach zu finden, erläutert EnBW-Projektleiter Alexander Vogel.
Da diese „Selbstfahrer“ nicht nachts unterwegs sein dürfen, bleibt nichts anderes übrig, als das Rotorblatt eben tagsüber zu transportieren. Und das mit maximal acht bist zehn Kilometern pro Stunde. Das hat eben den Nachteil, dass auf der Bundesstraße viel Verkehr herrscht. Ein Vorteil ist allerdings, dass die Bevölkerung regen Anteil am Geschehen nehmen kann. Und das machen die Bürger ausgiebig.
Nadelöhr Das zeigt sich bereits in Höfen, als der Transport mit dem Kreisverkehr ein erstes Nadelöhr passieren muss. Hier sind viele Höfener gekommen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Gegen 10.20 Uhr ist dieses erste Hindernis dann geschafft und die Fahrt geht weiter in Richtung Calmbach – nachdem erst einmal wieder viele Autos passieren durften und sich der lange Rückstau zwischen Höfen und Calmbach aufgelöst hat.
Schüler und Kindergartenkinder dabei
Schaulustige Gegen 11.10 Uhr erreicht der Transport dann Calmbach – und hier warten noch deutlich mehr Schaulustige, einschließlich vieler Schüler der Fünf-Täler-Schule und die Kinder des evangelischen Kindergartens. „Schnell, der Transport kommt!“, rufen die Erzieherinnen, damit auch ja kein Kind das Spektakel verpasst.
Schwierig bei den Ortsdurchfahrten ist, dass das Rotorblatt bei Stromleitungen ganz abgesenkt, in Kurven oder am Kreisverkehr dagegen aufgerichtet und sogar über Häuser geschwenkt werden muss. Aber die „Piloten“ Deistler und Teyssler haben seit 2014 Erfahrung aus rund 700 solcher Transporte mit dieser speziellen Technik und meistern auch diese Herausforderungen unter den staunenden Augen der Calmbacher.
Herausforderung Nachdem auch der Schwenk an der Calmbacher Tankstelle auf die B 296 gelingt, ist das Schlimmste geschafft. Sollte man meinen. Doch es wartet noch eine große Herausforderung – eben jene besagte 180-Grad-Kurve.
Und die stellt die Piloten vor eine Herausforderung. „Zwei Kiefern haben Probleme gemacht in der Haarnadelkurve“, sagt Deistler zum Bad Wildbader Forstbereichsleiter Andreas Wacker, als der Transport mit reichlich Verzögerung endlich an der Abzweigung in den Wald kommt.
Fast sechs Stunden unterwegs
Nun ist es aber wirklich fast geschafft – die Fahrt durch den Wald verläuft ohne größere Probleme. Auch eine eigens vorgehaltene Zugmaschine wird nicht benötigt, Deistler schafft mit seinem Selbstfahrer die letzte größere Steigung mit bis zu zwölf Prozent.
Um 14.31 Uhr erreicht das erste Rotorblatt dann die Baustelle – also fast sechs Stunden später. Dort wird es dann von zwei schon bereitstehenden Kranen abgeladen, damit sich der Selbstfahrer wieder auf den etwa 15 Kilometer langen Rückweg nach Neuenbürg machen kann.
Am Mittwoch steht dann der nächste Transport an. Da die Strecke und die Knackpunkte nun bekannt sind, könnte es dann schneller gehen. Zumal auch die zwei störenden Bäume in der Haarnadelkurve dann schon nicht mehr da sein werden.
Weitere Transporte folgen in den kommenden Tagen
Auch in den kommenden Tagen müssen sich die Autofahrer auf der B 294 und der B 296 in Geduld üben. Denn am Dienstag wurde der erste Transport geschafft – fünf weitere stehen also noch aus. Zwei weitere Rotorblätter sind bereits angeliefert, die anderen drei sollen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ankommen.
Geplant ist, an jedem Tag ein weiteres Windrad an seinen Bestimmungsort zu transportieren. Bis Freitag und am kommenden Montag auf jeden Fall. Eventuell soll auch am Samstag ein Rotorblatt transportiert werden. Falls das nicht klappen sollte, steht der letzte dieser Transporte dann am Dienstag auf dem Plan.
Weitere Komponenten wie Maschinenhaus, Turmteile, Naben und Triebstränge werden außerdem mit herkömmlichen Schwertransporten nachts in der Zeit von 22 bis 6 Uhr zum Windpark auf dem Kälbling transportiert.