Das Künstlerpaar Thomas und Iris Gerlinger bei seinem Auftritt in der Remigiuskirche. Foto: Kosowska-Németh

Das Künstlerpaar Thomas und Iris Gerlinger machte bei seiner Frühjahrs-Konzertreise durch Baden-Württemberg in der Remigiuskirche in Altensteigdorf Halt. Sie beeindruckten das Publikum durch ihre musikalische Friedensbotschaft.

Seit einigen Tagen radelt das Künstlerpaar Thomas und Iris Gerlinger mit der Geige, Bratsche und Zelt im Gepäck durch Baden-Württemberg. Auf ihrer Frühjahrs-Konzertreise in Rahmen des Bundesprogramms „Neustart Kultur“ legen die Musiker mehrere Kilometer bei jedem Wetter auf ihrem Tandem zurück, um an jeweiliger Zielstation einen Kammerabend als Duo Tomaris zu geben.

Auf dem Weg von Schömberg bis nach Freiburg und weiter nach Oberschwaben machten sie Halt in Altensteigdorf und beeindruckten das Publikum mit einem etwa einstündigen, tief bewegenden Konzert in der Remigiuskirche.

Aus instrumentalen Werken und gesprochenen Worten entstand eine Antikriegs-Hommage an vergangenes und gegenwärtiges Leid der Abermillionen von Kriegsopfern. Sehr suggestiv und ergreifend, aber auch hoffnungsvoll wirkte das dreiteilige Stück „Lamento“ mit aussagekräftigen Untertiteln „Dolor“, „Apokalypse“ und „Katharsis“ von der zeitgenössischen Komponistin Tamara Ibragimova. Wie der Violinist und Moderator Gerlinger anmerkte, sei diese Trauermusik wie „ein Blick in die Zukunft, in eine menschlichere Welt“.

Auch Musikwerke jüdischer Tonkünstler

Das Programm enthielt auch etliche, zum Teil nicht vollendete Musikwerke der jüdischen Tonkünstler Zikmund Schul und Dick Kattenburg sowie eine Auswahl der unter die Haut gehenden Lyrik der Dichterin und Kinderkrankenschwester Ilse Weber. Keiner von ihnen überlebte die Shoah. Die Ausdruckskraft des künstlerischen Erbes erschüttert die menschliche Seele und enthüllt das Ausmaß des Widerstandes gegen Verachtung, Leid und Vernichtung.

Zu der verfemten (entarteten) Kunst zählte zu der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte auch die Musik von Bohuslav Martinů (1890 bis 1959). Seine „Drei Madrigale“ seien dem Duo „ans Herz gewachsen“ und zeugten vom interpretatorischen Erfindungsgeist und Vielseitigkeit der künstlerischen Werkstatt.

Assoziationen zum Ukraine-Krieg hervorgerufen

In allen ihrer Darbietungen präsentierte das Tonkünstler-Paar Gerlinger ein hohes Niveau im instrumental-technischen und emotionalen Sinne, wobei das Klangvolumen des Duos stellenweise an die Klangintensität eines Streichquartetts erinnerte.

Reich war auch die Palette der Stimmungen von durchdringenden Schmerz im leisesten piano bis zu ausgelassener Vitalität oder Ausbrüchen wütender Verbissenheit.

Das Konzert beeindruckte zutiefst die Anwesenden und stimmte sie nachdenklich, da die Musik und Texte nicht nur Assoziationen mit dem Weltkrieg sowie dem Krieg in der Ukraine hervorriefen, sondern die Wissensgier unter den Zuhörern erweckten. Nachdem die Künstler alle Fragen ausführlich beantworteten, bot ihnen die Pfarrerin Dorothea Jung ein Obdach für eine Nacht. Am nächsten Morgen zog das Duo Tomaris mit seiner Friedensbotschaft weiter.