Otto Käppeler eröffnet die Feierstunde des Heimat- und Kulturvereins zum 200-jährigen Bestehen der Schillerlinde. Foto: Rudolf

Geburtstag: Der Tierarzt Otto Käppeler wird am Sonntag 90 Jahre alt / Helfer der Bauern und politischer Akteur

Im Schwarzwald 1931 geboren, sein Vater war Rektor der Berneckschule in Schramberg, im oberschwäbischen Hundersingen a.d. Donau, wo die Familie während der Kriegs- und Nachkriegsjahre lebte, aufgewachsen und in Dunningen 1961 sesshaft geworden.

Dunningen. Die Rede ist von Tierarzt Otto Käppeler, der am Sonntag seinen 90. Geburtstag feiern darf. Seine Entscheidung, als junger Arzt mit Wilhelm Hermle, der seit 1957 eine Großtierpraxis betrieb, zusammenzuarbeiten, war ein Glücksfall für das damals noch stark landwirtschaftlich geprägte Dunningen. Glücksfall auch dadurch, dass sich Käppeler mit seiner Frau Margrit, die er als junger Arzt auf seinen Lehr- und Wanderjahren in der Schweiz kennengelernt hatte, sofort aktiv in das Leben der Dorfgemeinschaft integrierte. Käppeler brachte viel "Kultur-Kapital" mit.

Zunächst aber galt es, die Pferde, Kühe und Schweine der rund 60 Viehhaltungen allein in Dunningen-Ort zu behandeln. Bedingt durch seinen Beruf wurde er schnell mit der Bauernschaft in allen drei Ortsteilen bekannt, es entstanden persönliche Bindungen. Die Kundschaft schätzte seine freundliche, kompetente, bescheidene und aufrechte Art. So wurde er weit über seine tierärztlich Tätigkeit hinaus bald zum Ratgeber "seiner" Bauern, manchmal sogar zum Seelenarzt.

Gemeinde von der Landwirtschaft geprägt

Die beiden Ärzte Hermle und Käppeler arbeiteten kollegial und freundschaftlich zusammen, der Kreis der Kundschaft reichte weit über Dunningen hinaus. Im Laufe der Jahre veränderte sich die tierärztliche Praxis allerdings stark. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft setzte ein. Die Zahl der bäuerlichen Betriebe nahm beständig ab. Die künstliche Besamung wurde eingeführt, in den größer werdenden Betrieben traten neue Infektionskrankheiten und Fruchtbarkeitsprobleme auf, und so erweiterte man die Praxis zur einer Klein-, Großtier- und Pferdepraxis.

1980 schied sein Freund und Kompagnon aus, mit seinem Nachfolger Erich Fohsz führte Käppeler die Praxis weiter, bis er 1996 nach 35 aufopferungsvollen Jahren in den Ruhestand treten konnte und Sohn Markus das Werk seines Vaters weiterführte.

Von Anfang an interessierte sich Otto Käppeler für die dörfliche Gemeinschaft und setzte sich für das Wohl seiner Mitbürger ein. All seine ehrenamtlichen Aktivitäten aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, so dass hier vier wichtige Aspekte näher beleuchtet werden sollen: seinen Einsatz für Sitte und Brauchtum, die Aktivitäten im kommunalpolitischen Bereich, sein Bemühen um den Erhalt der Erinnerung an die Geschichte der drei Dörfer und sein Unterstützung für die Kunst und Kultur.

Schon bald wurde 1964 zusammen mit einigen Landwirten ein Ortsbauernverein unter seinem Vorsitz. gegründete. Dieser vertrat dann die Interessen seiner Mitglieder, setzte sich für die Erhaltung der Dunninger Trachten ein und von Margrit Käppeler wurde eine Volkstanzgruppe ins Leben gerufen, die zunächst großen Anklang fand.

Beim Erntedankfest wurde feierlich zusammen mit der Pfarrgemeinde gefeiert, ein mit Pferden gezogener Erntewagen war eine Attraktion.

Politisch fühlte sich Käppeler den christlich-liberalen Werten verpflichtet, war Mitbegründer der CDU-Ortsgruppe und führte diese einige Jahre als Vorsitzender und verlieh ihm im Kreistag eine Stimme. Als in den Jahren 1986 bis 88 ein Heimatmuseum eingerichtet und ein Heimat- und Kulturverein ins Leben gerufen wurde, war er mit Rat und Tat zur Stelle und wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Ganz besonders hervorzuheben sind seine kleinen populärwissenschaftlichen Beiträge im Jahrbuch "Brücke". Sie beschreiben hauptsächlich Ereignisse und alltägliche Dinge aus dem Leben der bäuerlichen Welt. Hier schildert Käppeler, wie es der Gemeinde Dunningen gelang, dass drei Viehmärkte pro Jahr abgehalten werden durften. Im Juni 1878 wurde der Markt mit sage und schreibe 498 Rindviecher aller Art beschickt.

Nicht zuletzt ist Otto Käppeler auch ein Kunstfreund. Immer wieder hat er einen Beitrag geleistet, wenn es darum ging, ein Kunstwerk zu restaurieren oder neu zu errichten. So hat er es sich nicht nehmen lassen, bei der Restaurierung der Heilig-Kreuz-Kapelle die von dem Rottweiler Künstler Tobias Kammerer geschaffenen Glasfenster zu finanzieren. Auch das Denkmal des Industriellen Carl Härdtner im Garten des Seniorenheimes Am Adlerbrunnen und die Anbringung einer Gedenktafel für den Bildhauer Landolin Ohnmacht fanden seine Unterstützung. Die Gemeinde Dunningen ehrte Käppeler schließlich mit der Bürgermedaille.

Wo der Windsteifer bläst

Das Ehepaar Käppeler hat wesentlichen Anteil daran, dass unsere Heimat ein Platz ist, an dem man gerne lebt und arbeitet. Die Bürger der drei Ortsteile und viele in der "Landschaft vor dem Wald", so nannten die Herren von Zimmern diesen uralten Kulturraum, werden ihm zu seinem 90. Geburtstag alles Gute wünschen, dass er weiterhin in geistiger Frische und körperlicher Bewegtheit wandern kann in einer Landschaft, in der, wie er es ausdrückt, "der Wind steifer bläst, die Winter kälter sind und der Frühling oft mit dem Sommer zusammenfällt".