Rektorin Katharina Hirt und Konrektor Mario Munding zeigen die Montags-Ration an Testkits: Sie werden kistenweise angeliefert. Alle Schüler werden zweimal pro Woche getestet. Foto: Schönfelder

Maske auf, Maske ab, Präsenzunterricht und Homeschooling, Wechselbetrieb und Prüfungsvorbereitung, Chatten, Testen und Kontakt zu allen Schülern halten. Und alle paar Tage gibt’s eine neue Verordnung, was erlaubt ist – und was nicht.

Dunningen - Kaum eine Institution steht mehr für das Auf und Ab der Pandemie als die Schulen, in diesem Falle die Dunninger Eschachschule. Diese hat einen großen Einzugsbereich und zahlreiche Schüler. Das macht die Sache kompliziert.

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Rektorin Katharina Hirt und Konrektor Mario Munding wirken im Pressegespräch recht entspannt, dabei haben sie schon einiges hinter sich. "Wir wünschen uns nichts mehr als ganz normalen Präsenzunterricht", stellt Hirt gleich zu Anfang fest, aber die Normalität in der Schule ist (noch) eine Scheinnormalität.

Das fängt bereits mit der Stundenplangestaltung an. Ein Puzzle mit 1000 Teilen, nennt es Mario Munding. Der Stundenplan für die Abschlussschüler wird zuerst erstellt. Sie sind im Präsenzunterricht. Ihr Stundenplan sollte kompakt sein. Schon deswegen, weil viele Fahrschüler sind, die natürlich ihren Bus bekommen müssen.

Dem muss der Stundenplan der "Home-Schüler" angepasst werden, Stunden werden verlegt und verschieben sich. Dabei sollen möglichst wenig Schüler auf dem Schulgelände sein. Die Quadratur des Kreises ist dagegen ein Kinderspiel. "Normalerweise haben wir pro Schuljahr vier bis fünf Perioden, in denen der Stundenplan angepasst wird. In diesem Schuljahr sind wir aktuell bei Periode 22", macht Munding das Problem deutlich. Und wenn dann alles passe, komme die nächste Verordnung, die alles wieder über den Haufen werfe.

Schwer festzustellen, wenn Schüler zurückbleiben

Und bei all dem sollen die Verantwortlichen auch noch Inzidenzen und aktuelle Verordnungen im Auge behalten. "Bürgermeister Schumacher hält uns oft auf dem Laufenden, bevor wir es über die offiziellen Kanäle erfahren", so Hirt. Hier bewähre sich der kurze Draht ins Rathaus.

Das Home-Schooling klappe wegen der guten technischen Ausstattung ganz gut, werfe aber auch ganz anders gelagerte Probleme auf. Zwar habe man Zugriff auf die Schüler, es sei allerdings schwer festzustellen, wann ein Schüler den Anschluss verliert oder mit den Gedanken ganz woanders ist. Die Eltern seien in der Regel berufstätig und könnten die Schüler nicht unterstützen. Und wie soll ein Schüler dem Unterricht folgen, wenn der Bruder gerade den Laptop hat oder die Kamera fehlt?

Zum Glück gebe es die "Coaching"-Gespräche mit den Schülern, in denen man nachhaken könne, wie der Schüler zurechtkommt und wo Unsicherheiten wachsen, so Munding. Die vorbereiteten "Lernbrücken" in den Ferien werden übrigens gut angenommen. Eltern und Schüler seien sich der Gefahr von möglichen Defiziten durchaus bewusst.

Er macht aber auch auf einen anderen Aspekt aufmerksam. Mancher Schüler habe durch die langen Home-Schooling-Phasen das "Lernen in der Gemeinschaft verlernt", denn es gehe an der Schule auch um das Zusammenleben in der Gesellschaft, die Vermittlung sozialer Fähigkeiten wie das Einhalten von Regeln, so Munding. Und dies funktioniere nur im direkten Kontakt mit den Mitschülern und einer festen Tagesstruktur. Konflikte zu bearbeiten und zu lösen, das funktioniere am Bildschirm schlecht. Aber Konflikte gehörten eben zum Leben. Mancher Schüler müsse dies ganz neu einüben.

Lüfter wenig sinnvoll?

Im Augenblick ist Präsenzunterricht. Und der bringt eine Menge Regeln mit sich. Im Klassenzimmer, auf dem Hof und an der Bushaltestelle muss die Maske nicht getragen werden, auf dem Flur, beim Toilettengang und beim Raumwechsel aber schon.

Dennoch wird jeder Schüler zweimal in der Woche getestet. Ein erheblicher logistischer Aufwand. Die Tests gelten 60 Stunden lang, Tests aus einem Testzentrum dagegen nur 24 Stunden. "Wir haben hier eine Art De-Luxe-Variante", nennt es Katharina Hirt.

Schnell kommt im Gespräch die Rede auch auf die "Lüfter-Kontroverse". Die Schule habe sechs Geräte angeschafft und setze sie bei den Klassenarbeiten ein. "Damals war tiefster Winter, und wir wollten nicht, dass die Schüler dabei im Kalten sitzen", so Hirt. Die Schule flächendeckend damit auszurüsten, hält Hirt für wenig sinnvoll, "zumal die Wirksamkeit der Geräte wissenschaftlich nicht gesichert ist", ergänzt Munding.

Wie stehen die beiden dazu, die Schüler zu impfen? Hirt wehrt ab: "Das ist die Entscheidung der Eltern. Wir fragen auch nicht nach." Es werde aber mit Sicherheit keine 5i geben (i für geimpft) und keine 5ni (nicht geimpft).

Besonders betroffen von der Pandemie sind die Abschlussschüler. Nicht nur, dass die Vorbereitung extrem schwierig war, der Schulabschluss und die Feier sind einer der Höhepunkte in einem Schülerleben. Zwar darf jeder Schüler nur zwei Personen mitbringen und am Eingang muss man sich anmelden, aber Katharina Hirt verspricht: "Es wird eine schöne Feier."

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