Affoltergraben: Nabu, Gemeinde und Landwirte ziehen an einem Strang / Das kleine Paradies hat ein Leck

In diesen Teichen fließt nicht nur Wasser, sondern auch Herzblut und Schweiß. Und doch, Roland Fischinger ist der Stolz anzumerken. Am Dunninger Affoltergraben soll bald ein üppiger Lebensraum entstehen, nicht nur für Lurche und Libellen.

Dunningen. An diesem kalten Märznachmittag zieht es wie Hechtsuppe am Affoltergraben. Das Wasser schlägt im stürmischen Wind kleine Wellen und plätschert über die niedrige Kante. Blühendes Leben kann man sich jetzt allerdings noch nicht so richtig vorstellen.

Roland Fischinger, Vorsitzender des Nabu Dunningen, findet, dass die Modellierung gut gelungen ist. Zusammen mit Anton Rohrer und dessen Bagger hat er Mitte Februar drei Teiche mit Zu- und Abfluss angelegt. Im Moment herrscht Hochwasser, aber das wird sich im Sommer ändern.

Die Böschungen sind noch zurechtzuschieben, aber ansonsten kann man schon gut erkennen, wie die Kinderstube für Frösche, Erdkröten und Molche einmal aussehen soll. An den Böschungen werden im Frühjahr noch Blumensamen speziell für Feuchtwiesen gesät.

Als Ausgleich für eine Baumaßnahme wird die mit angrenzenden Wiesen rund fünf Hektar große Fläche seit 15 Jahren extensiv bewirtschaftet. Der Nabu Dunningen übernahm die Betreuung.

Schließlich stellte sich die Frage einer weiteren Aufwertung durch die Anlage von zwei bis drei Laichgewässern. Roland Fischinger holte die Gemeinde mit ins Boot und Bürgermeister Peter Schumacher sah die Chance, Ökopunkte zu generieren. Schumacher ist ein großer Verfechter davon, Ausgleichsmaßnahmen auf der eigenen Gemarkung durchzuführen, statt, wie andere Kommunen, irgendwo Ökopunkte "wie in einem Supermarkt" zu kaufen.

Die Maßnahme wurde mit der Naturschutzbehörde abgestimmt, die Gemeinde übernahm die Kosten.

Fischinger beschreibt das Gebiet als ideal für Offenlandarten wie Feldlerche, Braun- und Schwarzkehlchen sowie Rohrammer. Auch den Neuntöter hat er schon öfter gesehen.

Insgeheim wünscht er sich, dass sogar der Kiebitz zurückkehren könnte, der vor zehn Jahren das letzte Mal in Dunningen gebrütet hat. Feuchtwiesen seien heutzutage selten, so Fischinger, sie wurden und werden normalerweise drainiert, also trockengelegt, um sie wirtschaftlich nutzen zu können. Deswegen ist dieses Stück am Affoltergraben so wertvoll.

All dies wäre allerdings ohne die Aufgeschlossenheit einiger Landwirte nicht möglich, die die Pflege der Ökoflächen übernehmen. In der Regel werden die Flächen im Rahmen von Pflegeverträgen zweimal im Jahr gemäht. Auch hier übernimmt die Gemeinde die Kosten. "Die Zusammenarbeit zwischen Nabu und Landwirten funktioniert", sagt Roland Fischinger. Oft keine Selbstverständlichkeit.

Fast scheint es so, als ob sich die Existenz eines neuen Laichgewässers unter Fröschen und Molchen herumspricht, denn mitunter sind schon im ersten Jahr Neubürger da.

Eines ist jedenfalls sicher, auf der ausgedehnten Feuchtwiese fahren keine Autos, und so sind die Erdkröten auch nicht in Gefahr, auf ihren Wanderungen überfahren zu werden.

Roland Fischinger geht davon aus, dass die Laichgewässer weitere Tier- und Pflanzenarten anlocken werden. Selbst ein Fuchs oder Dachs hat sich oberhalb, wo es trockener ist, eine Höhle eingerichtet. Neben Vögeln und Amphibien rechnet er auch mit wasserliebenden Insekten wie Libellen. Denn, so der Naturschützer: "Laichgewässer und Nassbereiche stellen eine wichtige Bereicherung unserer Kulturlandschaft dar."

Allerdings, ein Problem hat das kleine Paradies vor der Dunninger Haustür noch: Es leckt. Ein Teil des Wassers aus den umliegenden Gräben versickert einfach. Schumacher und Fischinger haben noch nicht heraus, wohin es verschwindet, und wo sie den "Stopfen" in den Abfluss stecken müssen. Aber Fischinger hat schon Anhaltspunkte.

Frösche und Kröten sollen ja nicht plötzlich auf dem Trockenen sitzen.

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