Der Siegerentwurf (hier als Modell) punktet mit einer ungewöhnlichen Gebäudeform. Ob er letztendlich zum Zuge kommt, ist noch nicht endgültig entschieden.Foto: Schönfelder Foto: Schwarzwälder Bote

Kindergarten: Ergebnisse des Architektenwettbewerbs vorgestellt / Kreative Lösungen trotz strikter Vorgaben

Der Sieger ist ein schmuckes, aber funktionales Gebäude, das ein Trapez andeutet, der Zweite trumpft mit einem unregelmäßigen Faltdach auf, der Dritte setzt auf einen kompakten Baukörper: Ein Ziel, drei unterschiedliche Lösungen.

Dunningen. Das Verfahren ist aufwendig, die Beteiligung war über Erwarten groß, die Auswahl der besten Entwürfe ein hartes Stück Arbeit. Der geplante Kindergarten in Seedorf soll städtebauliche Akzente in der Ortsmitte setzen, aber auch zweckmäßig und modern sein.

Die knifflige Aufgabe rief geradezu nach einem Wettbewerb, der europaweit ausgelobt wurde. Fast 70 Architekturbüros wollten sich der Herausforderung stellen, 59 wurden zugelassen, von denen schließlich 20 ausgelost wurden, konkrete Entwürfe einzureichen.

Sie hatten Anfang Oktober vergangenen Jahres die nötigen Unterlagen erhalten, um planen zu können. Mitte Dezember lief die Frist aus, in der die Pläne reifen konnten und bis Januar sollte der "Kindergarten zum Anfassen" entstehen, ein Modell, in dem der Entwurf visualisiert wird.

Am 28. Januar trat die Jury zusammen, bestehend aus Fachrichtern, allesamt Architekten, und Sachrichtern, also Vertretern des Kindergartens, Gemeinderäten, Bürgermeister Peter Schumacher und Bauamtsleiterin Karola Heinz, um die eingereichten Entwürfe zu bewerten und in eine Reihenfolge zu bringen.

Wie Heinz auf Nachfrage bestätigt, alles andere als eine leichte Aufgabe. Elf Stunden habe die Jury getagt, so Bürgermeister Peter Schumacher im Rückblick. Die eingereichten Entwürfe zeigten ein sehr hohes Niveau, bestätigte Karola Heinz in der Gemeinderatssitzung am Montag, in der die drei besten Entwürfe vorgestellt wurden.

Am Ende standen dann der erste, zweite und dritte Preis sowie zwei Anerkennungen, die alle noch bis zum Ende dieser Woche in der Turn- und Festhalle in Seedorf ausgestellt sind, damit sich die Bürger selbst ein Bild von den Entwürfen machen können.

Zur Gemeinderatssitzung waren übrigens viele Interessierte, wohl hauptsächlich Mütter, gekommen und lauschten den Erläuterungen der Bauamtsleiterin.

Die Jury hatte in ihrer Beurteilung besonderen Wert auf bestimmte Kriterien gelegt. So sollte der Entwurf eine markante optische "Adresse" in Richtung der Ortsdurchfahrt senden. Gruppen- und Funktionsräume sollten sinnvoll getrennt sein. Auch die Frage der Zu- und Anfahrt sollte gelöst werden. Sicherheitsaspekte für Kinder und Eltern sollten in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Gern gesehen wurde auch ein sinnvoller Anschluss zwischen Gebäude und Außengelände.

Es ist der Kreativität der Architekten zu verdanken, dass trotz dieser rigiden Vorgaben durchaus unterschiedliche Lösungen gefunden wurden.

Der Sieger, ein Entwurf der MGF Architekten GmbH mit Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitektur, punkte mit der ungewöhnlichen Form eines winkelförmigen, sich nach Südwesten öffnenden Baukörpers mit guter Besonnung und einem gut gestalteten Vorplatz. Im Inneren überzeuge die klare und gut strukturierte Grundrissgestaltung, meint die Jury. Die Krippe liege konsequent im Erdgeschoss, während der Kindergarten im Obergeschoss untergebracht sei. Die Funktionsräume seien in einer sogenannten Spange an das Gebäude angefügt.

Den zweiten Preis erhielt ein Entwurf des Architekturbüros Kubus360 mit Dreigrün Gross + Partner. Hier gelinge, so die Jury, durch einen kompakten, länglich-rechteckigen Baukörper eine klare städtebauliche Setzung. Das Gebäude sei durch ein unregelmäßiges Faltdach geprägt, das ihm eine spielerische Komponente gebe.

Leider gelinge keine eindeutige Adressbildung. Innen gefiel der Jury die klare Strukturierung. Der tiefe Zuschnitt der Gruppenräume lasse allerdings eine schlechte Belichtung befürchten. Krippe und Kindergarten sind eindeutig getrennt. Gut gefiel den Juroren der großzügige Freiraum nach Süden.

Den dritten Preis heimste ein Entwurf von Simon Freie Architekten mit Landschaftsarchitekt Ralph Wölffing-Selig ein. Hier wurde das wohltuende Ensemble mit der benachbarten Grundschule als besonders positiv bewertet. In dem L-förmigen Baukörper sind die Gruppenräume im langen Schenkel und die Funktionsräume im kurzen Schenkel untergebracht. Der Kopf des langen Schenkels schließe selbstbewusst die Baulücke in der Freudenstädter Straße, lobt die Jury. Der Bau zeige Präsenz in der Ortsmitte. Dem Architekten gelinge ein klar organisierter Raumplan, der auf der Idee des Grundmoduls beruhe, und damit eine flexible Programmierung des Kitalebens zulasse. Außerdem fand die vorgeschlagene Hybridbauweise Gefallen.

Die Gemeinde werde jetzt mit den Architekten des ersten und zweiten Preises in die Details gehen, kündigte Bürgermeister Peter Schumacher am Ende des Tagesordnungspunktes an. Welcher Entwurf letztendlich verfolgt wird, entscheidet am Ende der Gemeinderat.

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