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Dunningen Sind dabei, den Anschluss zu verlieren

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Herbert Keller ist Unternehmer und Kons­trukteur aus Leidenschaft. Foto: Schönfelder Foto: Schwarzwälder Bote

Herbert Keller macht sich Sorgen, um die Firmen der Region, um den Standort Deutschland. Vom viel zitierten Fachkräftemangel ist er direkt betroffen. "Die kleinen Firmen trifft es am härtesten", so Keller. Da müsse sich nach seiner Auffassung Grundsätzliches ändern.

Dunningen. Vor rund zwei Jahren hat er seine Firma Keller Werkzeugbau von Zimmern-Stetten in das Gewerbegebiet Kirchöhren-Nord in Dunningen verlegt. Neben dem Werkzeugbau hat sich sein Unternehmen, das seit 30 Jahren besteht, auf die Erodiertechnik und Spannsysteme spezialisiert. Ein typischer Nischenanbieter, könnte man sagen.

Was Keller macht, macht er richtig. Das galt schon für seine Karriere als Radrennfahrer. Dort stand der passionierte Sportler vor dem Sprung in eine Profi-Karriere. Als daraus doch nichts wurde, wurde ihm auch klar, dass er seinen Job als Maschineneinrichter nicht sein Leben lang machen wollte. Der Beruf wurde immer mehr zur Routine. Er stand an einem zweifachen Scheideweg. "Ich bin regelrecht in ein Loch gefallen", sagt er rückblickend.

Schließlich lernte er vor 30 Jahren die CNC-Technik kennen, die damals noch in den Kinderschuhen steckte. Aber das war die Zukunft. Das wurde ihm schnell klar. Er habe die Programme teilweise sogar selbst geschrieben. "Das hat Spaß gemacht", da wollte er weitermachen.

Der Schritt in die Selbstständigkeit war so gesehen ein logischer. "Damals hab’ ich noch gedacht, wenn’s nicht läuft, hör’ ich wieder auf", schmunzelt er. Aber Unternehmer zu werden, ist eine Einbahnstraße. Es gibt kaum einen Weg zurück.

Die Werkzeuge, die er herstellt, fertigt kaum jemand. Die Anforderungen der Kunden sind hoch. Er konstruiert die Stücke oft selbst, das ist seine Leidenschaft. "Natürlich habe ich auch schon Murks gebaut, aber bisher habe ich für jedes Problem eine Lösung gefunden", sagt er nicht ohne Stolz. Unter anderem das hat ihn zum "A-Lieferanten" namhafter Firmen gemacht.

Nur die kleinen Firmen böten die nötige Flexibilität, in kurzer Zeit gangbare Lösungen zu finden, so Keller, und der übermächtigen Konkurrenz aus Asien etwas entgegenzusetzen. Dabei kommt ihm auch zugute, dass er sein Metier quasi an der Werkbank gelernt hat. Keller merkt schnell, ob etwas funktioniert oder nicht.

Aber gerade das fehle dem Nachwuchs heutzutage. Er bekomme einfach keine Fachkräfte, vielen Auszubildenden fehlten die notwendigen Grundlagen. Die Ausbildung sei beendet, und doch seien die Absolventen in der Praxis wenig brauchbar. "Das Fundament muss da sein", fordert Keller, aber das fehle immer häufiger. "In der Ausbildung läuft viel falsch", ist der 61-Jährige überzeugt. Die Industrie- und Handelskammer müsse sich Gedanken machen, wie der wachsende Vorsprung anderer Länder aufgeholt werden könne, indem die Ausbildung der Fachkräfte modernisiert werde.

Das fange schon bei den Ausbildern an. "Die Entwicklung der Technik geht an denen oft vorbei", aber man müsse auch als Ausbilder bereit sein, jeden Tag etwas Neues zu lernen, denn jeder Tag bringe neue Herausforderungen. "Es geht um die Zukunft des Standorts", so Keller. Und um die ist es, so der Unternehmer, nicht gut bestellt. "Wir sind dabei, den Anschluss zu verlieren", zeigt er sich überzeugt. Die Verantwortlichen hätten viel zu lange geschlafen. In seinem kleinen Betrieb kann er selbst nicht ausbilden, dazu fehlt ihm die Zeit. Dafür muss er allerdings eine Abgabe zahlen. Das findet er in Ordnung, denn das Problem lasse sich nur gemeinsam lösen.

Er selbst wird noch einige Jahre arbeiten und kann sich im Moment noch gar nicht vorstellen aufzuhören. Noch produziert und konstruiert er mit Herzblut. Er schmunzelt: "Dereinst sollen sie mich aus meiner Werkhalle raustragen."

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