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Dunningen Sex-Podcast soll Hilfestellung geben

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Ein Podcast der etwas anderen Art wird aus Dunningen gesendet. (Symbolfoto) Foto: pixabay

Dunningen - Der 26-jährige Dunninger Alexander Seifried hat einen ungewöhnlichen Job: Als Sex-Coach und mit seinem Podcast "Sexercise" will er die Menschen dabei unterstützen, sich in ihrem Sexualleben besser zu fühlen. Wie der Sex-Coach auf diese ausgefallene Idee kam, was das mit seiner ersten großen Liebe zu tun hat und warum eine Operation sein Sexualleben veränderte, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

"Wissen Sie eigentlich, was Ihr Sohn da im Internet macht?" Diese Frage hat Alex Seifrieds Mutter wohl schon einige Male gehört. "Meist können die Leute das Wort ›Sex‹ aber dann nicht einmal aussprechen", weiß der Dunninger. Es ist eben doch für viele noch ein Tabu-Thema: das Sexualleben. Umso größer sind die Hemmungen, Fragen zu diesem Thema zu stellen. Dafür gibt es keinen Grund, findet Alex Seifried. Er hat selbst schon jede Menge erlebt, obgleich er nur zwei Sexualpartnerinnen hatte.

Alles begann mit seiner ersten Freundin. Damals war der Dunninger 19 Jahre alt. Als er beim Liebesspiel mit seiner Freundin Schmerzen verspürte, die immer schlimmer wurden, war ihm klar: Das kann nicht normal sein. Er suchte einen Urologen auf. "Allein das war schon sehr unangenehm." Die Diagnose: ein verkürztes Vorhautbändchen. Eine Operation war die einzige Option – mit anschließender Sex-Pause, bis alles verheilt ist. "Wer sich an seine erste Freundin erinnert, der wird wissen, dass man im ersten Jahr eigentlich kaum die Finger voneinander lassen kann. So konnten wir aber einfach nur viel reden."

Absolute Offenheit

Generell ist Seifried ein sehr offener Typ, nennt die Dinge gern beim Namen. Dass er das Wissen, das er sich in dieser Zeit und den folgenden Jahren angeeignet hat, weitergeben wollte, war nur die logische Konsequenz. "Als ich zu Hause auf ein Mikrofon gestoßen bin, dachte ich: So ein Podcast macht nicht viel Aufwand und ist vielleicht genau das Richtige." Gesagt, getan: Im Juni 2019 startete der Dunninger "Sexercise". Er sprach über verschiedene Themen und ließ eigene Erfahrungen einfließen. "Es lief sehr langsam an. Ich hatte keine zehn Klicks pro Woche", erinnert er sich.

Doch der Podcast entwickelte sich weiter, und die Klickzahlen stiegen. Inzwischen ist "Sexercise" auf drei Säulen aufgebaut. In Seifrieds Solo-Programm gibt er seine Sichtweise zu einem bestimmten Thema wieder und erzählt, wie ein "Liebesleben in Schön" aussehen kann. Zudem gibt es Interviews mit Experten, die aus jahrzehntelanger Erfahrung sprechen, zu hören. "Die brauche ich auch. Schließlich kann ich nichts über Sex in einer langjährigen Ehe sagen, weil ich das eben noch nicht erlebt habe."

Und dann ist da noch das Format "Frag für ’nen Freund", bei dem anonym gestellte Fragen beantwortet werden. Letzteres gibt es erst seit drei Monaten. Mittlerweile hat "Sexercise" schon 100 Folgen und Seifried deutschlandweit rund 2000 Fans. "Die beliebtesten Themen sind meist die, mit denen man gar nicht rechnet", meint er. Beispielsweise ist die meist gehörte Folge die zum Thema Vaginismus, also einer Verkrampfung des Beckenbodens der Frau beim Liebesspiel. Während manche Themen gesundheitlicher Natur sind, geht Seifried andere philosophisch an, etwa die des Vorspiels, dessen Ziel ja Sex ist. Da es aber kein Ziel geben müsse, sei auch der Begriff Vorspiel irreführend.

Überhaupt will der 26-Jährige mit dem Klischee eines "normalen Ablaufs beim Sex" aufräumen. "So etwas gibt es nicht. Sex kann auf viele verschiedene Arten ablaufen." Das Thema ist Alex Seifried so wichtig, dass er es zu seinem Hauptjob gemacht hat.

Zwar verdient der passionierte Musiker und Fitnessstudio-Gänger mit seinem Podcast nichts, dafür aber mit seiner Tätigkeit als Sex-Coach, die er seit Mai ausführt. Er berät in virtuellen Meetings per Videotelefonie. Zuvor war er drei Jahre lang selbstständig im Bereich Marketing. "Aber das hier ist wirklich mein Herzensprojekt."

"Das Ziel ist größer als ich"

Sein ungewöhnlicher Job rufe ganz unterschiedliche Reaktionen hervor, meint der Dunninger. Manche sprächen ihn gar nicht darauf an, andere feierten ihn. Dass sich das alles einmal so entwickeln würde, hätte Alex Seifried selbst nicht gedacht. "Aber ich habe einfach gesehen, dass das Ziel größer ist als ich. Ich unterstütze Menschen dabei, sich in ihrem Sexualleben besser zu fühlen."

Eines der wichtigsten Themen überhaupt: Kommunikation. "Auch die Frage, wie man sich beim Sex richtig fallen lassen kann, hat sich als Schwerpunktthema herauskristallisiert", erzählt der 26-Jährige. "Ich habe gemerkt, dass der Podcast viele Leute abholt. Jeder findet da etwas, mit dem er sich identifizieren kann." Manches sei einfach informativ, anderes wieder äußerst unterhaltsam. Und immer wieder kommt auch diese eine Frage auf: Wie er mit 26 Jahren und "nur" zwei Partnerinnen dazu kommt, einer beispielsweise 40-jährigen Frau zu erzählen, wie es geht.

"Jeder hat einen Bereich, in dem er schlechte Erfahrungen macht, daraus lernt und dann besonders viel darüber weiß. Bei mir sind das Partnerschaft und Sex. Außerdem führt der Großteil meiner Klienten keine polyamore Beziehung, mit der ich mich nicht auskenne, sondern eine ganz ›normale‹ Partnerschaft so wie ich."

Wenn man mit schmerzlichen Erfahrungen aus der Pubertät komme, traue man sich oft nicht, besonders empfindliche Themen anzusprechen. Gerade da sei man umso dankbarer, wenn sich jemand ein Herz nehme und die Dinge offen anspreche. "Und wenn man es erlaubt, kann ich dieser jemand sein."

Der Podcast wird auf allen gängigen Portalen ausgestrahlt. Wo genau, verrät Seifried auf seiner Website.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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