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Dunningen Nächstes Jahr wird auf Sicht gefahren

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Foto: Schönfelder Foto: Schwarzwälder Bote

Alljährlich stellen Forstamtsleiter Frank Kapahnke und Revierförster Bernd Unglaube den Fortsbetriebsplan 2021 im Dunninger Gemeinderat vor. Am Montag geriet er fast zum Waldschadensbericht.

Dunningen. Schön war das Jahr eigentlich nur für den Borkenkäfer, während es den Forstleuten die Falten auf die Stirn trieb.

Die Nachrichten, die er überbringen müsse, seien keine guten, räumte der Forstamtschef ein. Auch der Blick ins nächste Jahr sei geprägt von Unwägbarkeiten.

Stürme, Käfer, Trockenheit und Corona – ein solches Jahr wie 2020 habe er noch nicht erlebt, so Kapahnke. Und die Preise seien im Keller. Im Augenblick seien nicht mehr als 45 Euro pro Festmeter zu erlösen. Da gab es schon ganz andere Zeiten. Augenblicklich herrsche ein Überangebot an Holz in ganz Mitteleuropa. Auch die Preise für Schadholz seien "stark gedrückt".

Die Reviere seien das ganze Jahr damit beschäftigt gewesen, Schadholz aufzuarbeiten. Das riesige Nasslager an der B 462, wo in Spitzenzeiten rund 6500 Festmeter lagen, allerdings auch aus anderen Gemeinden, soll dennoch bis Anfang nächsten Jahres abgeräumt sein. Kapahnke sprach mit Blick auf die Gesamtlage von einer "extremen Marktstörung".

Damit werde auch das geplante Betriebsergebnis aus dem Gemeindewald nicht zu erreichen sein, sagte er. Der Wald werde für 2020 voraussichtlich ein Minus von 150 000 Euro einfahren.

Und damit nicht genug: Auch über dem kommenden Jahr schweben viele Fragezeichen. Man habe als Planungsgröße jene 12 500 Festmeter angesetzt, die in der zehnjährigen Forsteinrichtung vorgesehen sind. Aber dies seien Planzahlen, in der Praxis werde man beim Einschlag "auf Sicht" fahren.

Die Einnahmen aus dem Holzverkauf sinken, die Kosten bleiben, denn der Wald will gepflegt und erschlossen sein. Zwar rechnet das Forstamt im kommenden Jahr mit Holzerlösen in Höhe von rund 560 000 Euro, so dass mit weiteren Posten Gesamteinnahmen von rund 605 000 entstehen, aber dem stehen Kosten von rund 733 000 Euro gegenüber. Damit entsteht planerisch im Jahr 2021 unter dem Strich ein Defizit von 127 000 Euro.

Die größten Posten sind hier der Aufwand für die Holzernte (rund 176 000 Euro), Verwaltung (rund 146 000 Euro), Wegebau (rund 44 000 Euro) und der Lohn der "gemeindeeigenen" Waldarbeiter (rund 292 000 Euro). Auch für den Schutz vor Wildschwein und Borkenkäfer sind 28 000 und 15 000 Euro eingeplant.

Wie gesagt, soweit der Plan. Wie die Zahlen im kommenden Jahr wirklich aussehen, das werde die Marktlage bestimmen. Kapahnke verwies darauf, dass die Gemeinde Dunningen mit ihrem Wald schon viele bessere Jahre gehabt habe. "Irgendwann werden sie auch wieder kommen", tröstete er.

Vom Plan zur Praxis: Dafür ist Revierleiter Bernd Unglaube zuständig, seit dem 1. Januar für ganz Dunningen verantwortlich. Auch für ihn war es erst recht ein ungewöhnliches Jahr. Bereits nach den Stürmen im Februar sei die Planung Makulatur gewesen, eröffnete Unglaube seinen Sachvortrag. Und die Schwierigkeiten rissen nicht ab. Die Holzernte gestaltete sich durch die große Menge Schadholz schwierig. Ein Großteil der Ernte sei nur noch als Brennholz zu gebrauchen gewesen. Man habe sogar die Preise herabsetzen müssen. Nicht ein einziges Mal habe er einen sogenannten Vollernter einsetzen können.

Der Schwerpunkt der Neuanpflanzungen werde auf Laubhölzern wie Eichen, Roteichen, Nussbäumen oder Kirschen liegen. Bei Holzernte-Maßnahmen werde er sich eng mit dem Holzverkäufer im Landratsamt absprechen, kündigte Unglaube an, um auf eine wechselnde Nachfrage flexibel zu reagieren.

Bürgermeister Peter Schumacher dankte den beiden Forstleuten für die, trotz aller Widrigkeiten, sehr gute Zusammenarbeit sowie den Jägern und den Waldarbeitern. Zudem betonte er, dass es sich wieder bewährt habe, im Gegensatz zu anderen Gemeinden eine eigene Waldarbeiter-Rotte zu unterhalten.

Der Gemeinderat nahm den Forstwirtschaftsplan 2021 einstimmig an. Die Zahlen werden in den Haushalt eingearbeitet.

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