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Dunningen Nach dem Abitur was Handfestes

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Foto: Schönfelder Foto: Schwarzwälder Bote

Caroline Müller ist ein Exot – die einzige Ausbau-Managerin im Landkreis Rottweil. Ausbau-Managerin, was ist das denn? Genau da, so Müller, beginnt das Problem.

Dunningen. Seit Anfang des Monats arbeitet sie im Stuckateur-Betrieb von Wolfgang Mauch in Dunningen und ist täglich auf irgendeiner Baustelle im Einsatz. Nun, die 18-jährige Herrenzimmernerin ist "erblich vorbelastet". Der Vater hat eine Flaschnerei, der Onkel ebenfalls einen Stuckateur-Betrieb. Dass es nach dem Abitur etwas Handfestes sein sollte, das war ihr schon früh klar. Also suchte sie eine Ausbildung, in der sie Handwerk und Managementwissen verbinden kann.

Die Recherche gestaltete sich nicht ganz einfach, denn Ausbau-Management ist eine Sparte, die bisher nur wenige kennen. Es gibt sie seit 2015 zwar in mehreren Berufen, aber für Caroline war klar, dass sie Stuckateur werden will.

"Der Beruf ist unglaublich vielseitig, man kann so viele verschiedene Dinge machen", sagt sie begeistert. Was sie besonders schätzt, ist die praktische Arbeit, und dass "man abends sieht, was man geschafft hat". Sie hat sich umgesehen, welche Betriebe möglichst viel bieten und welche einen Ausbau-Manager brauchen könnten. Und stieß auf das Unternehmen von Wolfgang Mauch.

Und so sieht ihre Ausbildung aus: In einem Betrieb absolvieren die angehenden Ausbau-Manager eine vollwertige Ausbildung zum Gesellen und Meister. Zusätzlich lernen sie im Blockstudium am beruflichen Schulzentrum Leonberg und dem Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade in Rutesheim Management-Themen kennen, die sie auf Führungsaufgaben im Handwerk vorbereiten. So stehen Strategie, Unternehmensführung, Angebots- und Vertragsgestaltung, Arbeitsvorbereitung, Marketing und Vertrieb auf dem Stundenplan. Projektmanagement und Projektarbeit runden die Ausbildung ab.

Mit einem Praktikum stellten sowohl Caroline Müller als auch Wolfgang Mauch fest, dass es "passt". "Wir bilden schon immer aus", so Mauch, "und wollen uns in Zukunft neu formieren." Da passe eine solche "Allzweckwaffe" gut ins Bild.

Caroline Müller wollte in einem mittelständischen Betrieb arbeiten. Der enge Kontakt zu Kollegen und Kunden und ein breites Spektrum an Tätigkeiten waren ihr wichtig. Nach dem Praktikum haben die beiden relativ zügig den Ausbildungsvertrag unterschrieben.

Wolfgang Mauch ist voll des Lobes über die neue Mitarbeiterin. "Von den Fertigkeiten her hat sie sicher nicht bei Null angefangen. Sie schaut nach Arbeit und ist mit dem Kopf dabei", so der Chef. Auch die Kollegen geben Mauch positive Rückmeldungen über Caroline. Jeder nehme sie gern auf die Baustelle mit, bestätigt Mauch.

Ziel sei es, dass sie irgendwann Projekte von der Planung über den Ablauf bis zum Personal- und Materialeinsatz von Anfang bis Ende leitend begleitet. Mauch bildet also eine zukünftige Führungskraft aus. Deshalb ist auch der Meister anvisiert.

Die Klassenkameradinnen finden es übrigens "super", was sie macht, und dass sie die weitere Ausbildung nach dem Abitur mit ihrer Vorliebe fürs Handwerkliche verbindet. Schade findet Caroline Müller, dass beim Besuch der Berufsberater am Gymnasium geradezu vom Handwerk abgeraten und damit der Weg ins Studium vorgezeichnet werde. Das handwerkliche Arbeiten werde eher als mögliches Hobby abgetan. So sei mancher im Studium und im Beruf unglücklich, weil ihm etwas fehle, zeigt sie sich überzeugt. Überhaupt sei unter den Firmen, die sich am Gymnasium vorgestellt hätten, nicht ein einziger Handwerksbetrieb gewesen, kritisiert Mauch.

Er gibt indessen zu, dass sich die Innung vom Berufsbild des Ausbau-Managers durchaus verspreche, Familienbetriebe zu erhalten und bei der Nachfolge zu helfen.

In der Klasse in Leonberg seien von 22 Auszubildenden immerhin schon vier junge Frauen. Caroline Müller lächelt selbstbewusst: "Die Mädels kommen noch." Aber der Beruf sei gleichermaßen für Männer und Frauen geeignet. Und Wolfgang Mauch merkt an, dass eine Führungskraft, die den Beruf von der Pike auf gelernt hat, über größere Autorität auf der Baustelle verfüge, als ein Architekt oder Bauingenieur, der nur die Hochschule kenne.

Und, die Berufswahl vielleicht schon mal angezweifelt? Caroline Müller hat da eine kurze Antwort: "Nö!"

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