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Es gibt zwar immer mehr von ihnen, doch Jägerinnen sind in einer traditionell von Männern dominierten Welt noch eine Seltenheit. Dunja Zimmermann gehört darüber hinaus zu der Hand voll Frauen in Baden-Württemberg, die einer Jägervereinigung mit mehr als 500 Jägerinnen und Jägern vorsteht.

Villingen-Schwenningen - Bevor sie zur Jagd kam, ist Dunja Zimmermann auf den Hund gekommen. Das Tier, das sie sich aus dem Tierheim geholt hatte, entpuppte sich als ausgebildeter Jagdhund, der, hoffnungslos unterfordert, ihr damals "die Bude zerlegt hat", erzählt die 51-Jährige und lacht bei der Erinnerung an die kuriosen Anfänge ihres heutigen Hobbys. In ihrer damaligen Not wandte sie sich an eine Hundetrainerin, die sie in die Jagdhundegruppe der Jägervereinigung Schwarzwald-Baar weiterleitete.

"Grünes Abitur" abgelegt

Weil ohnehin von Kindesbeinen an naturverbunden, fand Dunja Zimmermann schnell Gefallen an der Arbeit, und um für ihrem Hund der ideale Partner zu sein, legte sie vor elf Jahren die Jagdprüfung ab. Das Erlangen des Jagdscheins, auch "grünes Abitur" genannt, ist kein Spaziergang. Nicht nur der Mensch wird auf Herz, Nieren und Gesinnung geprüft, sondern auch sein Wissen über Jagdregeln und -gesetze sowie über Flora und Fauna des Waldes. Letzteres ist Dunja Zimmermann ein besonderes Anliegen, wohl wissend, dass Tierschützer gerne geringschätzig auf die Jäger blicken, die Tiere töten.

Wie war das "erste Mal"?

Gut kann Dunja Zimmermann sich an ihr "erstes Mal" erinnern. Sie traf ein Reh, es war sofort tot. "In dem Moment geht einem viel durch den Kopf", erzählt sie. Die Spannung, Neugier und Nervosität zuvor weicht einer Ehrfurcht und der Erleichterung. Ehrfurcht – das Wort verwendet Dunja Zimmermann im Gespräch häufig. Ohne Respekt vor jedem Tier sei man kein guter Jäger, sagt sie. Und das Erlegen sei auch längst nicht die einzige Aufgabe.

Dunja Zimmermanns Schwerpunkt – vor allem als Vorsitzende der Kreisjägervereinigung, zu der sie 2019 als erste Frau gewählt wurde – ist ein gesunder und artenreicher Tierbestand und der Naturschutz generell. Gerade hat sie Landrat Sven Hinterseh ihr neuestes Projekt vorgestellt: die Kitzrettung. Denn die Bambis ducken sich tief in hohe Wiesen und werden vom mähenden Bauern häufig übersehen. Eine Drohne soll helfen, die Kleinen rechtzeitig zu entdecken. "Das ist mir eine Herzenssache", sagt Dunja Zimmermann.

Genauso inbrünstig kümmert sie sich um das seit 30 Jahren existente Projekt des Deutschen Jagdverbandes "Lernort Natur". Als Jugendobfrau des Kreisverbandes geht sie seit vielen Jahren mit Kindern aus Kitas und Schulen in die Wälder und bringt ihnen mit viel Fantasie die Tiere des Waldes näher, baut Insektenhotels, liest Spuren und rettet Kröten.

Dunja Zimmermann ist in Villingen geboren und aufgewachsen, besuchte die Karl-Brachat-Realschule und lernte nach der mittleren Reife bei der Stadtverwaltung den Beruf der Verwaltungsfachangestellten. Es folgte ein bunter beruflicher Lebenslauf mit Erfahrungen in der Stadtbibliothek, in der Verwaltung der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden und in der Gemeindeverwaltung von Furtwangen. Auch im Kreisamt für Baurecht und Naturschutz war sie schon tätig.

Ihr Mann ist Koch

Heute arbeitet die Kreisjägermeisterin mit Wohnsitz in Tannheim und Mutter von zwei erwachsenen Töchtern beim Zweckverband Breitband und hat ihren Arbeitsplatz in der Donaueschinger Zweigstelle des Landratsamtes. Ihr Mann ist Koch und Inhaber der Firma Tellerrand-Catering. Sein Rehfleisch vom Grill mit einem frischen Salat liebt Dunja Zimmermann besonders.

Die wachsende Nachfrage nach heimischem Wild, "kernig und ohne Fett", und in Corona-Zeiten die Tatsache, dass mehr Menschen zu Hause kochen, spüren auch die Jäger, sagt Dunja Zimmermann. "Reh, Hirsch und Wildschwein werden nicht mehr nur an Weihnachten gegessen", bemerkt sie.

"Wir sind Naturschützer", sagt Dunja Zimmermann. Die Stille auf dem Hochsitz, dabei die Zusammenhänge in der Natur zu beobachten und den Wald als "Ort zum Durchatmen" zu erleben, auch einmal eine Wildwiese als Nahrungsquelle für Schmetterlinge und Bienen anzulegen oder die Aufnahmen von Wildkameras durchsehen und schließlich die Kameradschaft unter den Jägern – all das genießt die Jägerin.

Das Auerhuhn erleben

Das ultimative Erlebnis, eine Nacht im Wald zu verbringen, um das Auerhuhn zu "verhören", steht allerdings noch auf ihrer Liste der Walderlebnisse, die jeder Jäger einmal mitgemacht haben muss. Als Verantwortliche ist Dunja Zimmermann zudem stets um ein Miteinander von Politik, Forst, Waldbesitzern, Landwirten, Jägern und Waldbesuchern bemüht. Keine leichte Aufgabe, man denke an aktuelle Themen wie die Steuer für Jagdhunde oder die Einschränkungen für den Rothirsch.

Von der Bevölkerung als Nutzer des Waldes wünscht sie sich Rücksicht auf die Pflanzen- und Tierwelt: Hunde anleinen, Müll wieder mitnehmen und Wanderwege nicht verlassen – "das ist auch Naturschutz".