Dunja Wally freut sich, dass ihre neue Geschäftsidee so gut angenommen wird. Foto: Kratt

Mit ihrem eigenen Schwarzwald-Kaufladen mit Antik-Café hat sich Dunja Wally einen Traum erfüllt. Seit rund zwei Monaten lebt sie diesen auf einer kleinen Ladenfläche Auf Rinelen – und zwar sehr erfolgreich.

VS-Schwenningen - Schon der Blick in die Schaufenster des Ladengeschäfts, wo zuvor ein Friseursalon beheimatet war, macht deutlich: Hier erwartet den Kunden etwas Außergewöhnliches – mit viel Liebe zum Detail, zum Schwarzwald und für Dekosachen von anno dazumal.

 

Eine kleine, eigene Verkaufswelt

Und wer den Laden Auf Rinelen betritt, der taucht sofort ein in eine kleine Verkaufswelt, die es bereits früher schon hätte geben können: Hier wird die Ware in Körben, auf Tischen und in Regalen einzeln und nicht zu überladen präsentiert, hier kann sich der Kunde sofort einen Eindruck über das Verkaufssortiment machen. Schwarzwälder Vesperbrettle, selbstgenähte Weckletaschen oder T-Shirts mit Schwarzwald-Motiv – alles von kleinen Gewerben und Manufakturen aus der Region – stechen sofort ins Auge, dahinter ein großer Kühlschrank mit verschiedenen frischen Lebensmitteln. Und auch an der Theke sind die Backwaren rund um Weckle, Croissants, kleine Guglhupfs oder selbst gemachte Strudeln liebevoll in Körben und Vitrinen angeordnet.

Antik-Café mit lauter Hinguckern

Der größte Hingucker aber ist die gemütliche Ecke auf der linken Seite mit lauter altehrwürdigen, verschnörkelten Tischen, Sesseln und Stühlen mit Stoff- oder gar Lederpolstern, einer großen antiken Holz-Standuhr sowie Bauernschränken mit Kaffee-Service von anno dazumal. Zudem verzierte Vasen, wohin das Auge reicht.

Alle Möbel und Accessoires seien aus ihrem eigenen Bestand und selber restauriert worden, wie die Initiatorin nicht ohne Stolz erzählt. Mit ihrem Schwarzwald-Kaufladen und Antik-Café hat sich Dunja Wally einen Traum erfüllt, wie sie sagt. Viele Wochen hat sie im Geschäft mithilfe ihres Partners gewerkelt, was das Zeug hält und es in Eigenregie eingerichtet. Seit Juni ist es nun offen – und es brummt. "Ich habe das Gefühl, dass es gut angenommen wird", sagt Wally, die unter anderem 15 Jahre als professionelle Fotografin in Baden-Württemberg unterwegs war, etwas bescheiden. Mehrmals täglich bekomme sie zu hören, welch qualitativ hochwertige Ware sie verkaufe. Kritik habe es bisher eigentlich noch nie gegeben. Wichtig sei jetzt, dass sich die Geschäftsidee noch weiter in der Region herumspricht und die Leute hier regelmäßig zum Einkaufen und Einkehren hinkommen.

Konzept spricht ältere und ökologisch eingestellte Menschen an

Herumgesprochen hat es sich auf jeden Fall unter den Bürgern des Stadtteils Rinelen. Viele kämen hierher, die den kurzen Weg bevorzugen. Das seien oft ältere Menschen, die froh seien, wieder einen kleinen Nahversorger in ihrer Nähe zu haben. Damit würden sie auch ein Stück Selbstständigkeit wieder erlangen. Es kommen aber auch jüngere Familien, die den ökologischen und nachhaltigen Gedanken unterstützten und viel Wert auf Regionalität legten. Und regionale Produkte, die gibt es bei Dunja Wally zuhauf: verschiedene Wurstwaren von umliegenden Bauernhöfen, so auch Eier aus der Freilandhaltung vom Hummelhof oder Nudeln aus verschiedensten Getreidesorten aus schwäbischem Anbau, auch glutenfrei. Und gerne würde die Inhaberin noch mehr Produkte aus der Region anbieten, etwa Zucker oder Mehl. Wallys eigener Gedanke dahinter: die Bauern in der Region zu unterstützen und den einen oder anderen Kunden, der die Produkte noch nicht schätzt, zum Umdenken zu bewegen.

Zweimal in der Woche ist Strudel-Nachmittag

Den regionalen Gedanken unterstützen möchte die Obereschacherin auch mit ihren Backwaren. Dabei beruft sie sich auf ihre Wurzeln, die sie in Österreich hat. Denn die Rohlinge für ihre Brötchen, die sie jeden Morgen frisch backt, bezieht sie aus Österreich. Auch frische Croissants oder verschiedene Brotsorten gibt es bei Dunja Wally für vor Ort im Café oder für den Frühstückstisch daheim. Den Einfluss ihrer Heimat merkt der Kunde auch bei den unterschiedlichen Strudelsorten, die sie mittwochs und freitags, den beiden Café-Nachmittagen, im Angebot hat. "Dafür verfolge ich eher das Strudel- als das Kuchenkonzept", meint die Hobby-Bäckerin, deren Eltern als Spitzenköche und in der Gastronomie tätig waren.

Eine Lebenskrise gibt den Ausschlag

Hat sie von ihnen das Händchen und die Idee für dieses bislang erfolgreiche Geschäftskonzept? Grund und Motivation sei eigentlich etwas ganz anderes gewesen, wie Dunja Wally erzählt. Nämlich eine Lebenskrise. Sie habe in einer führenden Position gearbeitet, wurde krank und habe "alles hingeschmissen". Ihr Ziel daraufhin: "Ich wollte etwas machen, was mir Freude bereitet und was Sinn macht", beschreibt sie. "Dann habe ich niedergeschrieben, wie ich es machen würde." Herausgekommen sei dabei genau dieses Geschäftskonzept. Das sei bereits vor zwei Jahren gewesen. Die leere Ladenfläche Auf Rinelen sei dann irgendwann im richtigen Moment gekommen.

Café soll ein Treffpunkt und Wohlfühlort sein

Hier kann die Schwarzwald-Liebhaberin ihre neu gewonnene Energie und Kreativität nun völlig ungezwungen und befreit umsetzen. Wichtig sind ihr dabei auch die Kontakte mit den Kunden sowie gelebte Werte, die scheinbar verloren gegangen sind. Die Themen Regionalität, Nachhaltigkeit und Qualität werden bei Dunja Wally durch einen weiteren Faktor ergänzt. Das Café nämlich soll als Treffpunkt und Wohlfühlort für die Gäste fungieren. Handys etwa sind nicht erlaubt, "weil sie stören." Wirken die Möbel auf den ersten Blick zwar außergewöhnlich, soll das Gesamtbild des Antik-Cafés eher eines sein: schlicht und einfach – "mit einfachen Backwaren, wie früher eben".

Info: Die Öffnungszeiten

Der Schwarzwald-Kaufladen und das Antik-Café-Wally, Auf Rinelen 19, sind Dienstag und Donnerstag von 8 bis 14 Uhr, Mittwoch und Freitag von 8 bis 13 Uhr sowie 15 bis 18 Uhr sowie Samstag von 8 bis 11 Uhr geöffnet. Das Antik-Café mit seinen frischen Backwaren ist dabei stets ab 9 Uhr offen.