Der Schulentwicklungsplan 2026 bis 2030 zeigt, dass die beruflichen Schulen im Schwarzwald-Baar-Kreis vor Herausforderungen stehen.
Wie Andreas Meßmer, Sachgebietsleiter Schulen und Bildung im Landratsamt, berichtete, gibt es bereits Prognosen für die Schülerzahlen bis zum Jahr 2041.
An den beruflichen Schulen in Baden-Württemberg – zu denen auch die beruflichen Gymnasien gehören - rechnet man demnach mit einem leichten Anstieg bis 2030/31, einem kleinen vorübergehenden Rückgang und dann ab dem Schuljahr 2037/38 mit einem länger anhaltenden Rückgang.
„Aktuell sehen wir keinen Grund, direkt zu korrigieren, alles in allem sieht es nach Stabilität aus“, so Meßmer. Das Regierungspräsidium greift ein, wenn bei Bildungsgängen die Mindestschülerzahl unterschritten wird.
Was weg ist, kommt nicht wieder
So gibt es beispielsweise am Berufskolleg Technik an manchen Standorten schwache Schülerzahlen, aber auch an Berufsschulstandorten für Ausbildungsberufe wie Glaser (Donaueschingen) oder Metallberufe (Furtwangen).
Möglich sind als Gegenmaßnahme die Zusammenlegung einzelner Schulklassen. Es kann jedoch so weit kommen, dass Bildungsgänge aufgehoben werden – „das ist uns nicht recht, weil wir wollen, dass unser Bildungsangebot flächendeckend ist“, so Andreas Meßmer.
Antje Hirth vom Regierungspräsidium (RP) gab zu bedenken, dass es bei 350 Ausbildungsberufen nicht leicht sei, überall Berufsschulen anzubieten. Zuletzt hatte das RP Freiburg die Ausbildung für Floristen nach Villingen vergeben, dem nun einzigen Standort in Südbaden, dafür wurde die Ausbildung zur Hauswirtschafterin in den Ortenaukreis verlegt.
Dass die Zahl der Auszubildenden in der Region um 7,2 Prozent zurückgegangen ist, wirke sich, wie Wolf-Dieter Bauer von der Industrie- und Handelskammer feststellte, auch auf die Schulen aus. „Ausbildungsberufe, die aus einer Region weg sind, kommen in der Regel nicht wieder, weil sie von den Unternehmen nicht mehr angeboten werden“, wusste er.
Bedeutung der Schulen unterstrichen
Unternehmen wünschten, dass Wohn- und Schulort nahe beieinander sind. Wenn die Robert-Gerwig-Schule in Furtwangen nicht wäre, könnten viele Unternehmen dort nicht ausbilden.
Landrat Sven Hinterseh und sein Sachgebiet Bildung machten sich für eine dezentrale berufliche Bildungslandschaft stark, sofern dies wirtschaftlich vertretbar ist. Andreas Meßmer sagte: „Wir sollten das Bestmögliche für unsere Kinder und Jugendlichen tun, gute Bildung kommt den Kindern zugute und der Gesellschaft.“
Als ein Ziel des Landkreises wird Chancengerechtigkeit formuliert. Andreas Meßmer betonte: „Seit Jahren lautet unser Motto: „Kein Kind darf verloren gehen.
Martin Zwosta, der geschäftsführende Schulleiter der beruflichen Schulen im Kreis sprach von einer Herausforderung, welche die veränderte Schülerschaft mit sich bringe: sprachliche und soziale Schwierigkeiten müssen gelöst werden, der Donaueschinger Schulleiter sprach von einer zunehmenden Heterogenität und Diversität der Schülerschaft.
Für die CDU begrüßte Markus Keller (Blumberg) die dezentrale Struktur der beruflichen und sonderpädagogischen Bildungseinrichtungen,
Walter Klumpp (Tuningen) sagte: „Wir haben das Gefühl, dass hier sehr genau und gut gearbeitet wird“, Schulentwicklung sei eines der wichtigsten Themen im Landkreis.
Kreistag fordert eine Priorisierung ein
Nicola Schurr (Villingen) unterstützte das Festhalten an der Dezentralisierung „solange wir das können“, sah aber bei den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren schwerwiegende Entwicklungen und Michael Steiger (Villingen) von der FDP erklärte: „Unternehmer sind froh, wenn Azubis einen kurzen Weg in die Schule haben und dort gut untergebracht sind“.
Der Bildungs- und Sozialausschuss nahm den Schulentwicklungsplan zustimmend zur Kenntnis, forderte von der Kreisverwaltung aber noch eine Priorisierung der geplanten Investitionen im Zeitraum 2026 bis 2030 vor.
Diese Liste wird erst Ende des Jahres fertig, sodass der Kreistag im November nochmal über den Schulentwicklungsplan debattiert.
Die Schulen
Kreis als Träger
Als Schulträger kommt der Kreis für Kosten der beruflichen Schulen in Villingen, Schwenningen, Donaueschingen und Furtwangen sowie für die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) auf, früher auch Sonderschulen genannt. Für beide Schularten zahlt der Landkreis Hausmeister, Schulsekretärinnen, Schulsozialarbeiter und Betreuungskräfte, stellt die Gebäude und zahlt Strom, Heizung, Lehrmaterial und Tablets. Das Land übernimmt die Besoldung der Lehrer und die Bereitstellung der Bildungspläne. Rund 9400 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit den Unterricht an zehn beruflichen Schulen und vier SBBZ. Darüber hinaus betreibt der Landkreis das Internat der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Villingen und ist Träger von zwei Schulkindergärten in Villingen-Schwenningen und Donaueschingen-Aufen.
Maßnahmen
Einige Sanierungen laufen noch, beispielsweise an der Gewerbeschule in Donaueschingen. Die frisch sanierte Alleensporthalle in Schwenningen ist gerade wieder in Betrieb gegangen, die Sporthalle der Gewerbeschule Donaueschingen kann ab Mai wieder genutzt werden. Sanierungen und Erweiterungen sind nun zudem unter anderem an der Christy-Brown-Schule in Villingen oder an der Albert-Schweitzer-Schule in Villingen geplant.