Tobias Raidt vertritt die Interessen der Gastronomiebetriebe in Rottenburg. Foto: Raidt

Fehlendes Personal, gestiegene Kosten und eine Zurückhaltung der Gäste – Alles Probleme mit der die Gastronomie zurzeit kämpft. Der Vorsitzende der Kreisstelle Tübingen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), Herbert Rösch und sein Vorstandskollege Tobias Raidt, schildern ein besorgniserregendes Bild aus der Region.

Seit 2020 haben bundesweit etwa 48 000 Betriebe geschlossen und 6100 einen Insolvenzantrag gestellt. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Auch rund um Rottenburg steigen die Herausforderungen der Gastronomie.

 

Die Umsätze im ersten Halbjahr 2024 seien im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres leicht gesunken, während die Kosten und die Mehrwertsteuer deutlich gestiegen sind, erklärt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) der Kreisstelle Tübingen, Herbert Rösch, auf Anfrage unserer Redaktion.

Anpassung mit neuen Angeboten

„Generell kann ich sagen, dass die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe im ersten Halbjahr nicht gut ist“, erklärt Rösch. Auch sein Vorstandskollege Tobias Raidt vom Raidts Esslokal & Menüservice aus Rottenburg sieht die herausfordernde Lage. Er vertritt die Interessen der Gastronomiebetriebe in Rottenburg.

„Etliche Betriebe haben in Rottenburg zusätzliche Schließtage eingeführt und/oder die Betriebszeiten an geöffneten Tagen zum Teil deutlich eingeschränkt. Gäste gehen selektiver aus – vor allem der Mittagstisch wird in manchen Betrieben kaum mehr nachgefragt, so dass auch hier mehr Schließzeiten in der Luft liegen“, so Raidt.

Er selbst steht mit seinem Betrieb vor den Herausforderungen. „Wir haben unser Lokal im Sommer 2022 geschlossen und lange überlegt ob, und in welcher Art wir weitermachen sollen.“ Wegen der Entscheidung der Regierung, die Mehrwertsteuer nach vorübergehender Senkung auf sieben Prozent wieder auf 19 Prozent zu erhöhen, habe er den Fokus auf Abholung und Lieferung gelegt und sein Lokal als Selbstbedienungslokal mit Onlinbestellmöglichkeit umgestellt. „Die Öffnungszeiten haben wir ebenfalls reduziert. Aus Vor-Corona-Zeiten sieben Tage à 13 Stunden wurden nun fünf Tage à 7 Stunden. Ohne unser zweites Standbein, einen Essen-auf-Rädern-Service für Haushalte, Kitas und Betriebe würde sich der Restaurantbetrieb allerdings nicht rechnen.“

Die WTG-Leiterin Christina Gsell betont im Gespräch mit unserer Redaktion, dass genau diese neuen Angebote wichtig für Betriebe seien, um sich an die Herausforderungen anzupassen. „Die Betriebe kämpfen mit den gestiegenen Kosten, es ist wichtig, dass die Bevölkerung sich nicht zurückzieht und die Betriebe mitträgt und unterstützt.“

Die Corona Nachwirkungen

Auch die Nachwirkungen von Corona fordern viele Betriebe noch heraus. Für Rottenburg stellt Raidt klar: „Die Auswirkungen der Coronamaßnahmen sind vor allem in zwei Bereichen noch deutlich zu spüren. Auf dem Personalmarkt sind nahezu keine qualifizierten Mitarbeiter mehr zu finden, so dass Kollegen sich gezwungen sehen, ihr Angebot zeitlich und im Umfang immer mehr einzuschränken.“

Ein krasses Beispiel sei hier der Montag, an welchem in Rottenburg mittlerweile viele Betriebe geschlossen haben. „Die Innenstadt wirkt an vielen Montagabenden dadurch wie ausgestorben“, so Raidt.

Das zweite Problem seien die Rückforderungen von damals gewährten Corona-Hilfszahlungen, welche nun noch zusätzlich zu den massiv gestiegenen sonstigen Kosten aufgebracht werden müssten. Dies bringe viele Betriebe an den Rand der Zahlungsfähigkeit.

Das sieht auch Rösch als großes Problem: „Alle sind damals davon ausgegangen, dass dies ‚nicht-rückzahlbare‘ Zuschüsse sind. Jetzt scheint es aber so, dass viele zurückzahlen müssen.“ Laut ihm sei daher mit einer Welle von Betriebsschließungen im zweiten Halbjahr 2024 zu rechnen.

Die günstigeren Gerichte werden bestellt

Auch das Konsumverhalten der Gäste hat sich verändert. „Derzeit sind die Gäste mit Umsätzen sehr zurückhaltend und bestellen günstigere Gerichte und ein Getränk weniger. Der Durchschnittsbon pro Gast ist gesunken“, so Rösch.

In Bezug auf das Personal berichtet Rösch: „Personell sind wir wieder irgendwo bei 90 Prozent.“ Doch dies sei auch abhängig davon, wo sich die Betriebe befänden. In Tübingen sei es leichter als in den ländlichen Gemeinden. Tobias Raidt verdeutlicht: „Das Personal fehlt flächendeckend.“

Insgesamt betont Rösch: „Es bleibt abzuwarten, wie die Betriebe mit den finanziellen Belastungen und dem veränderten Konsumverhalten der Gäste umgehen werden.“

DEHOGA

Die Aufgaben:
Der DEHOGA bietet seinen Mitgliedern umfangreiche Unterstützung in allen Bereichen an. Zum Beispiel im Rahmen von Umfragen und Einladungen zu Informationsveranstaltungen, „um auch – aber nicht nur – politische Themenfelder zu bearbeiten“, erklärt Raidt.