Prognosen aus Berlin/Brandenburg zufolge haben es die Eichhörnchen zunehmend schwer. Vor allem der Klimawandel soll das bewirken. Doch wie geht es den Schwarzwälder Hörnchen? Sind sie bedroht? Die Experten sind sich hierbei einig.
Dramatische Szenarien schildert die Eichhörnchenhilfe Berlin/Brandenburg. Der Klimawandel und auch die Gartenpflege, wie etwa Rasenmäherroboter, würden den Tieren immer weiter zusetzen. Die Vorsitzende Tanya Lenn spricht hierbei sogar von einem „langsamen Beginn des Aussterbens“. Doch wie dramatisch ist die Situation in unserer Region? Müssen auch wir um unsere Puschelschwänze bangen?
„Wir haben kein Eichhörnchenproblem“, ist das erste was Nackartal-Ranger Harald Dold in einem Gespräch mit unserer Redaktion klarstellt. „Die einzigen Eichhörnchen, die ich tot sehe, sind im Straßenverkehr.“
In seinem Garten hingegen seien seit Jahren Eichhörnchen da. Und auch bei seiner Arbeit mit dem Ranger-Jeep sehe er immer wieder welche. Wenn er es zu den Vorjahren vergleichen müsste, seien es immer genug Tiere – sei es dunkelbraun oder rot – in den Wäldern unterwegs.
Dold: „Wir haben genügend Wasser“
Auch Lambert Straub vom Nabu Horb geht von einem stabilen Bestand aus – auch wenn es keine konkreten Zahlen gebe. Aber: Beim Spazieren am Waldrand und im Wald können des Öfteren Eichhörnchen beobachtet werden, so Straub.
Die größten Probleme in Berlin/Brandenburg sind laut der Eichhörnchenhilfe der Wassermangel und die Trockenheit, ausgelöst durch den Klimawandel. Diesen Wassermangel sieht Harald Dold in unserer Region aber nicht. „Es gibt überall intakte Mischwälder. Wasser sammelt sich in Hohlräumen und Senkungen“, so der Ranger. Außerdem gebe es Quellrinnsale und auch den Neckar. „Wir haben genügend Wasser“, ist er sich sicher.
Haselnussstrauch und Walnussbäume helfen
Er selbst stelle zusätzlich immer einen flachen Wasserbehälter nach draußen, zu dem täglich die Eichhörnchen und auch andere Tiere zum Trinken kommen. Auch Futter, wie Haselnüsse und Walnüsse, finden die Tiere in seinem Garten. Einmal natürlich durch einen großen Haselnussstrauch und zwei Walnussbäume, und auch durch seine Zufütterung in einem Eichhörnchen-Haus, berichtet der Tierliebhaber. Zufüttern würde er besonders im Winter und im Herbst.
„Es ist ein schöner Anblick, wenn sie durch den Garten hüpfen und buddeln mit keiner großen Furchtdistanz, weil sie wissen: ’Hier passiert mir nichts’“, freut sich Dold. Faszinierend sei auch, dass sie ihre vergrabenen Nüsse tatsächlich wieder finden würden – außer der Eichelhäher gräbt sie zuerst aus, so der Ranger und lacht.
Waldbrände können Jungtieren schaden
Straub hingegen sieht in der Trockenheit auch eine Nahrungsknappheit. Ebenso steige die Gefahr von Waldbränden, die vor allem Jungtiere bedrohen können. Daher sei das größte Problem die Reduzierung und Verschlechterung der Lebensräume. „Der Mensch ist generell wie beim Klimawandel auch hauptverantwortlich für das Artensterben in der Welt“, ist er sich sicher.
Energieparks beeinträchtigen Ökosystem
Nur einmal habe er ein Eichhörnchen aufgepäppelt. Kinder hatten das Jungtier vor seinem Kobel entdeckt und es zu ihm gebracht. Das sei ganz schön zeitintensiv, verrät er. Das schlimmste sei, dass man danach nicht wisse, ob das Tier in der Wildnis überlebt, so Dold. Deswegen sei er auch eigentlich kein Fan des Aufpäppelns, verrät er unserer Redaktion gegenüber. „Ich bin zwar ein Natur- und Artenliebhaber, aber es geht auch um den Schutz des Ökosystems.“
„Wir machen unser ganzes Ökosystem eh kaputt. Energie- und Solarparks beeinträchtigen das Ökosystem massiv. Der Klimawandel ist dabei nur ein kleiner Teil“, sagt der Ranger. Dieser Meinung ist auch Straub vom Nabu: „Der Mensch muss gegenüber der Natur wieder mehr Demut und Respekt haben. Das sinnlose Zerstören von Wäldern für die Produktion von vermeintlich ’grüner Energie’ – sei es Pellets oder Windkraft – zeigt, dass wir immer noch nicht begriffen haben, was auf dem Spiel steht. Eine Windkraftanlage ist eine Industrieanlage und die gehört nicht in Wälder. Dass eine Gemeinde leere Kassen hat, ist dafür keine Rechtfertigung. Denn so kann man auch die Abholzung des Amazonas rechtfertigen. Viele Gemeinden sind dort viel ärmer als wir.“
Tipps für Gartenfreunde
Naturbelassene Gärten
Die Experten empfehlen zur Förderung der Eichhörnchen einen naturnahen Garten. Schön sei es auch, wenn es einen Haselnussstrauch oder Walnussbäume hätte, die den Tieren Futter spenden. Außerdem sollten Wasserfässer mit einem Deckel versehen werden, damit sie für Jungtiere oder auch andere Tierarten keine Gefahr darstellen, berichtet Lambert Straub vom Nabu in Horb.
Trinken und Futter
Eine Zufütterung sei zwar nicht nötig, aber durchaus eine Hilfe für die Tiere, erklärt Neckartal-Ranger Harald Dold unserer Redaktion. Besonders Walnüsse und Haselnüsse seien gut geeignet. Allerdings sei das auch etwas kostspielig, gibt er zu. Was bereits hilft sind Pflanzenuntersetzer mit Wasser. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Wasser – wegen Keimen und Salmonellen – auch regelmäßig ausgetauscht werde, so der Tierliebhaber.