Hinter diesem Gitter beginnt das Grundstück, um das sich die Debatte dreht. Foto: Fritsch

Kleines Vorhaben, große Diskussion: Der Gemeinderat ebnete zwar jüngst mehrheitlich einem geplanten Bauvorhaben in der Straße "Grüner Weg" in Heumaden den Weg. Teile des Gremiums sprechen sich jedoch vehement dagegen aus. Sie stellen die Grundsatzfrage: Wiegt das Interesse einer Privatperson höher als der Naturschutz?

Calw-Heumaden - Es ist eine lange Geschichte, die das in Heumaden gelegene Flurstück 2000 in den städtischen Gremien hat. Seit Jahren ist es immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Der Grund: Privatleute möchten auf dem 9200 Quadratmeter großen Grundstück zwei Wohnhäuser bauen. Bei einem davon handelt es sich um ein nicht ganz kleines, möchte man sagen. Zu Anfang sahen die Pläne laut Sitzungsvorlage ein 40 mal 20 Meter großes Haus samt Atelier und Pool im Obergeschoss vor.

Inzwischen ist ein deutlich kleineres Gebäude in Planung, zuzüglich des zweiten. Der Pool ist vom Tisch und das Gebäude soll inklusive Garagen Maße von 20 mal 22 Meter aufweisen.

Was noch fehlte, um den Bau grundsätzlich zu ermöglichen, war eine Anpassung des Vorhaben- und Erschließungsplans. Dieser Änderung stimmte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu – allerdings nicht gerade einmütig.

Das Hauptproblem, darüber echauffieren sich insbesondere die Mitglieder der Neuen Liste Calw, ist der hohe Flächenverbrauch. Und damit einhergehend auch der Verbrauch einer in diesem Bereich vorliegenden "ökologisch hochwertigen Fläche", wie es in einem Antrag der Fraktion heißt, den diese bereits im Bau- und Umweltausschuss eingebracht hatte.

Die Bauherren hatten sich zwar von Beginn an dazu verpflichtet, entsprechende Ausgleichsmaßnahmen in Sachen Natur vorzunehmen. Das reicht der Fraktion aber nicht.

Konkret möchte die Neue Liste, dass das westliche Gebäude rund 14 Meter nach Osten, also in Richtung der restlichen Bebauung, "verschoben" wird. Damit soll einer befürchteten "Abwertung, Vernichtung und Beeinträchtigung" der dort "ausgewiesenen Biotope und ökologischen Rückzugsflächen" entgegengetreten werden. Geschehe dies nicht, so steht im Antrag zu lesen, "würde der Stadt Calw und deren Bürgern ein nicht unerheblicher Nachteil entstehen". Zudem drohe "ein Image- und Ansehensverlust, der weit über die Stadtgrenzen hinaus eine negative Wirkung entfalten könnte".

Verschiebung des Baus um 14 oder sechs Meter

Hermann Seyfried (Neue Liste Calw) hatte im Bau- und Umweltausschuss bekräftigt, dass es nicht um die Verhinderung eines Bauvorhabens gehe, sondern um eine angemessene Berücksichtigung des Natur- und Artenschutzes.

Der Bezirksbeirat Heumaden hatte indes in seiner jüngsten Sitzung bereits ebenfalls vorgeschlagen, das Haus nach Osten rücken zu lassen – allerdings nur sechs Meter weit. Darüber hinaus solle die Zufahrtsstraße wasserdurchlässig angelegt werden – damit weniger Fläche versiegelt wird. Ein Kompromiss, der Seyfried nicht weit genug ging.

Unter anderem Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) als auch Dieter Kömpf (Freie Wähler) plädierten allerdings dafür, sich am Vorschlag des Bezirksbeirats zu orientieren. Der Antrag der Neuen Liste wurde letztlich bei nur zwei Stimmen dafür abgelehnt. Mit einer Gegenstimme befürworteten die Räte stattdessen, der Empfehlung des Heumadener Gremiums zu folgen.

Beendet war das Thema damit aber noch immer nicht. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats setzte sich die Debatte fort. "Ist ein Ökotop nicht bedeutender als Privatinteressen?", fragte Ratskollege Erhard Hofmann (Die Linke) dabei in die Runde. Seyfried sprang ihm bei und unterstrich nochmals seine Ansicht: "Es geht nicht um eine Verhinderungspolitik, sondern um öffentliches Interesse und Biodiversität", hielt er fest. Er könne nicht nachvollziehen, warum solche Vorlagen überhaupt auf den Tisch kommen. "Wir richten uns nicht nach unseren eigenen Beschlüssen." Damit spielte er unter anderem darauf an, dass Calw seit Kurzem "Kommune für biologische Vielfalt" ist (wir berichteten).

Oberbürgermeister Florian Kling betonte, dass er die Argumente nachvollziehen könne. Aber das Ganze sei eine sehr alte Geschichte – und der Flächennutzungsplan erlaube dieses Vorhaben eben. Innerhalb der Grenzen eines Flächennutzungsplans zu bauen, tue keinem weh.

Der Gemeinderat entschied sich mit vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen dafür, den Vorhaben- und Erschließungsplan "Grüner Weg, Flurstück 2000" als Satzung zu beschließen. Heißt: Dem Bauvorhaben wurde der Weg geebnet. War’s das jetzt? Wohl kaum, wie Seyfried nach der Sitzung durchblicken ließ: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen."

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