Im Juli will der Kreistag entscheiden, ob die geriatrische Klinik in Horb geschlossen oder privatisiert wird. Jetzt sagen die Ärzte der Klinik, warum beides schlecht für Bürger und Kreiskasse ist.
Egal, ob die geriatrische Klinik in Horb bei der KLF bleibt, ob sie privatisiert oder geschlossen wird. Es drohen dramatische Folgen für Patienten. Und für die Kreiskasse. Das befürchten David Lindemann, Oberarzt der Klinik, und Bernhard Vollmer, angestellter Facharzt der Reha.
Martina Sillmann von der Frauenliste war die erste im Kreistag, die vor einem „Scheinsparen“ gewarnt hatte. Ihr Argument: Falls die geriatrische Klinik Horb geschlossen wird, laufen die Kosten beim Landkreis auf. Das gilt für Rentner in Grundsicherung. Sillmann: „Wenn die nicht in der geriatrischen Reha behandelt werden, sondern gleich in die Pflege kommen, trägt das der Landkreis über die Sozialausgaben.“
Sehr intensive medizinische und pflegerische Arbeit in der Reha
David Lindemann, Chefarzt der geriatrischen Reha Horb: „Wir leisten eine sehr intensive medizinische und pflegerische Arbeit. Man darf nicht vergessen: Ohne Häuser wie unseres liegen die Patienten im Zweifel länger im Krankenhaus Freudenstadt. Wenn die statt zehn Tage 15 Tage liegen müssen, sorgt das dort durch die Fallpauschalen für Defizite.“
Kreisrat Wolfgang Kronenbitter (Freie Wähler): „Die geriatrische Klinik in Horb leistet eine sehr intensive pflegerische Reha-Medizin. Der Erhalt dieser Form wäre die beste Lösung. Private Reha-Kliniken – gerade im Landkreis – nehmen solche Patienten gar nicht. Deshalb ist ein privater Betreiber für Horb nur die zweitbeste Lösung. Die schlechteste Lösung ist die Schließung in Horb.“
Nehmen private Reha-Kliniken nur „leichte“ Patienten? Ein medizinischer Mitarbeiter der geriatrischen Reha in Horb sagt dieser Redaktion: „Der Zauberwald soll nur Patienten nehmen, die selbst laufen können und sich selbst die Medikamente holen können. In Horb dagegen werden Schlaganfall-Patienten mit schwersten Behinderungen behandelt.“ Chefarzt Lindemann: „Viele Häuser im ganzen Land lassen bei uns nach Plätzen nachfragen. Offenbar werden diese Patienten von privaten Rehas wohl nicht genommen.“
SPD-Kreisfraktionschef Gerhard Gaiser hatte das wie folgt eingeschätzt: „Wir haben gehört, dass zwei Drittel aller Patienten der geriatrischen Reha in Horb von außerhalb kommen. Von Stuttgart, Böblingen oder vom Bodensee. Und der Landkreis Freudenstadt muss die Defizite bezahlen.“
Reha-Arzt Vollmer: „Patienten mit hohem Pflegegrad haben sonst keine Chance“ Horbs Reha-Arzt Bernhard Vollmer ist bitter enttäuscht, dass er im Kreistag nicht reden durfte. Er sagt: „Die Horber ist eine der wenigen geriatrischen Rehas, die bewusst auch schwierig zu pflegende Patienten aufnimmt und behandelt. Das sind Patienten mit einem so hohen Pflegegrad, die sonst nirgendwo eine Chance haben. Das wollte ich dem Kreisrat klar machen, damit ihnen bewusst ist, was die geriatrische Reha Horb in der jetzigen Form ausmacht.“
Die Stadt Horb wurde vorab nicht informiert
Diese Diskussion fand im Kreistag nicht statt. Aber wahrscheinlich demnächst im Gemeinderat Horb. OB Peter Rosenberger (CDU, auch Kreisrat): „Wir als Stadt wurden von der Beschlussvorlage des Kreistags – wie viele andere – überrascht. Horb wurde nicht einbezogen. Das Thema wird bei uns im nächsten Gemeinderat besprochen.“
Erinnert sich der Landrat noch an seine Worte? Viele Horber wie Ursula Nagel, die als Zuhörer im Kreistag waren, hatten noch die Worte von Landrat Klaus Michael-Rückert (CDU) und Kreisratsmitgliedern von vor über zehn Jahren im Ohr: Die Akut-Klinik Horb müsse aus Kostengründen geschlossen werden.
Damit sich der Landkreis mit seiner Trägerschaft für das Krankenhaus Freudenstadt leisten könne, Qualitäts-Medizin und das Extra an Pflege und Qualität statt profitorientierter Privat-Medizin der Bevölkerung zu bieten. Horb wurde damals geriatrische Reha.