Falls die Deutsche Bahn tatsächlich ihre Digitalisierungspläne zusammenstreicht, wäre das fatal. Der auch fürs Digitale zuständige Verkehrsminister muss die Marschrichtung vorgeben, kommentiert Christian Milankovic.
Ein Hausbesitzer modernisiert aufwendig seine über Jahre hinweg vernachlässigte Bleibe und baut am Schluss ein Plumpsklo ein – aus Kostengründen und weil sich die Technik ja lange Zeit als robust erwiesen hat.
Zugespitzt droht bei der Bahn ein ähnlicher Vorgang: Zwar modernisiert der Staatskonzern nun endlich das marode Schienennetz. Altersschwache Gleise werden ebenso getauscht wie zum Dauerstreik neigende Weichen oder Oberleitungen, die die Züge nur noch sporadisch mit Strom versorgen. Doch am Ende dieser Hauruck-Aktionen, die den Fahrgästen viel zumuten, würde wieder die bisherige Sicherungstechnik eingebaut, die schon vorhanden war.
Die digitale Alternative, von der sich viele Experten einen dichteren und doch stabileren Bahnverkehr versprechen, bliebe außen vor. Fatal wäre das für die Fahrgäste, fatal wäre es für die Besitzer von Zügen, die im Vertrauen auf die Pläne der Bahn viel Geld in die Aufrüstung ihrer Fahrzeuge stecken und fatal wäre es für die Zulieferindustrie. Warum sollten Unternehmen Geld in die Weiterentwicklung stecken, wenn die Absatzmöglichkeiten ungewiss sind?
Die Digitalisierung der Schiene kostet viel Geld. Aber wer jetzt die Ausgaben scheut, bezahlt in Zukunft doppelt. Der auch fürs Digitale zuständige Verkehrsminister Volker Wissing muss die Mittel organisieren – und seinen leitenden Angestellten bei der DB klar machen, was ihre Aufgabe ist.