Matthias Schöne hat mit einem Einwohnerantrag den Stein ins Rollen gebracht – nun spricht der St. Georgener Gemeinderat darüber, ob die Ansiedlung eines Drogeriemarkts in der Industriestraße denkbar ist. Foto: Helen Moser

Ein Drogeriemarkt in der Industriestraße – mit einem Einwohnerantrag brachte Matthias Schöne das Thema auf die kommunalpolitische Agenda. Im Gespräch erläutert er die Hintergründe – und schildert, was er sich von dem Vorstoß erhofft.

Matthias Schöne wünscht sich einen Drogeriemarkt in der Industriestraße – und mit diesem Wunsch ist er in St. Georgen längst nicht allein, wie die Unterschriften unter seinem Einwohnerantrag zeigen. Nun kommt das Thema in den Gemeinderat.

 

Das Problem

Schöne wohnt seit etwa zehn Jahren in St. Georgen, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt. „Und damals war die Situation auch schon so unbefriedigend“, sagt er. Schöne findet: Im Bereich Drogerie bestehe in der Bergstadt dringend Nachholbedarf. Einziger Drogeriemarkt ist der Müller in der Schramberger Straße – und der birgt aus Schönes Sicht einige Probleme: Er ist nicht barrierefrei, bietet ein eher kleines Sortiment und nur unzureichende die Parkmöglichkeiten.

Die Folge: Viele St. Georgener kaufen ihre Drogerieartikel anderswo. Die Situation habe er schon seit Jahren im Blick – seit Ende 2022 habe sie aber eine ganz neue Brisanz erhalten: Damals eröffneten in Königsfeld ein Aldi- und ein Rossmann-Markt, die unmittelbar nebeneinander liegen – eine Kombination, die auch viele St. Georgener anlockt. So verlagere sich zunehmend Kaufkraft aus der Bergstadt heraus, argumentiert Schöne.

Der Lösungsvorschlag

Für Schöne ist klar: St. Georgen braucht einen modernen Drogeriemarkt. Doch in der Innenstadt stünden nicht die notwendigen Flächen zur Verfügung. Sein Vorschlag ist daher klar: „Mit einem Neubau in der Industriestraße könnten moderne Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden.“

Der Antrag

Diesen Vorschlag wollte Schöne auf die kommunalpolitische Agenda bringen. Denn die vergangenen Jahre hätten gezeigt: „Von alleine kommt es nicht drauf.“ Das Mittel der Wahl: ein Einwohnerantrag an den Gemeinderat. Zusammen mit Bekannten sammelte Schöne insgesamt rund 240 Unterschriften für das Anliegen – und brachte seine Idee so in den Gemeinderat. „Der Einwohnerantrag eröffnet die Möglichkeit einer breiten Diskussion der Thematik im Gemeinderat, ohne dass konkrete Bauanträge eine enge zeitliche Frist setzen und unmittelbare Entscheidungen erforderlich machen.“

Der Streitpunkt

Denn dass aus der Forderung des Einwohnerantrags etwas wird, ist längst nicht garantiert. Bisher gehen Stadtverwaltung und Gemeinderat nämlich einen ganz anderen Weg: Das städtische Einzelhandelskonzept sieht vor, dass Frequenzbringer wie Drogeriemärkte ausschließlich in der Innenstadt angesiedelt werden, nicht etwa in Bereichen wie der Industriestraße. So soll Konkurrenz zur Innenstadt und den dort befindlichen Händlern ausgeschlossen werden. Auch einer Bauvoranfrage des Drogeriemarkts DM erteilte der Technische Ausschuss deshalb 2020 eine Absage.

Diese Argumentation kennt auch Schöne. Doch er appelliert an Verwaltung und Gemeinderat, die bisherige Einstellung zu überdenken. Die Verlagerung von Kundenfrequenz aus der St. Georgener Innenstadt finde längst statt, sagt er – nur, dass die Kunden nicht in die Industriestraße abwanderten, sondern in andere Gemeinden, etwa nach Königsfeld. „Das könnte man zumindest nach St. Georgen zurückholen.“

Die Erwartung

Schöne macht sich keine allzu großen Hoffnungen, dass der Gemeinderat dem Vorschlag des Einwohnerantrags komplett zustimmt. Er hofft vielmehr auf eine breite Diskussion im Gemeinderat – das habe aus seiner Sicht damals bei der Bauvoranfrage von DM gefehlt. Mit seinem Vorstoß will er eine Debatte anstoßen. „Es kann ja nur etwas entstehen, wenn man darüber spricht.“

Ein Erfolg wäre der Antrag, sagt Schöne, wenn das Einzelhandelskonzept überarbeitet würde. Das sei „keine grundsätzlich schlechte Erfindung“ – aber seit 2015, als es erstellt wurde, eben in die Jahre gekommen. Die Situation sei mittlerweile eine andere.

Die Sicht der Verwaltung

Die Stadtverwaltung hat die Voraussetzungen für die Ansiedlung eines Drogeriemarkts in der Industriestraße geprüft, wie aus der Sitzungsvorlage für die bevorstehende Sitzung des Gemeinderats hervorgeht. Das Ergebnis: „Auf Basis des geltenden Regionalplans Schwarzwald-Baar-Heuberg ist eine Ansiedlung eines Drogeriemarkts an der Industriestraße nicht möglich.“ Bis zu einer Änderung des Regionalplans sollten die Grundsätze aus dem Einzelhandelskonzept weiterverfolgt werden, heißt es.

„Insbesondere sollte geprüft werden, ob in der Innenstadt alternative Flächen zur Ansiedlung eines Drogeriemarktes aktiviert werden können.“ Denn der Drogeriemarkt in der Innenstadt nehme eine Magnetfunktion ein.

Die Entscheidung

Das letzte Wort in der Sache hat nun der St. Georgener Gemeinderat. Er spricht in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch, 15. Mai, über den Einwohnerantrag. Los geht die Sitzung um 17.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses.