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Drogenszene in Horb "Viele sind im Knast oder gestorben"

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Die Drogenkäufe laufen unter anderem am Bahnhof in Horb. Foto: Menzler

Jugendbanden, Drogen und jede Menge Stress - was ein Aussteiger aus der Horber Drogenszene zu berichten hat, lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Horb - Was geht ab in der Drogenszene der Großen Kreisstadt? Erst packte Karsten K. (25) nach seinem Amtsgerichtsprozess aus. Ein Jugendlicher aus Rottenburg, der wohl zu der Horber "72er-Gang" gehört hat.

Jetzt meldet sich Gregor G. (22). Auch ein Aussteiger aus der Szene. Er sagt: "Der Rottenburger hat wenig Ahnung von der Horber Szene. Die waren oft in Horb und haben hier gechillt. Doch was wirklich in Horb abging, davon hat er wohl nicht so viel mitbekommen."

Fakt ist, so erzählt Gregor: "Die 72er-Gang war damals klein. Es gab zwei Hauptgruppen in Horb: Eine große, zu der ich gehört habe mit ungefähr 20 Mitgliedern. Und die andere mit ungefähr zehn bis 15 Mitgliedern. Vor diesen beiden Gruppen – wir haben uns keine Namen damals gegeben – hatte jeder Angst. Die "72er" kamen später, waren immer unbedeutend."

Mit Kräutern fing es an

Doch wie hat sich die Szene in Horb entwickelt? Gregor: "Los ging es in Horb mit Kräuter rauchen. Das muss so gegen 2014/15 gewesen sein. Gegen 2015 ging es richtig los. Wir haben uns alle um 6 Uhr getroffen. Wodka klauen im Kaufland – denn wenn man jung ist, hat man kein Geld in der Tasche. Ich war damals ungefähr 15 Jahre alt. Wir kannten uns alle damals. Irgendwann kam dann Gras ins Spiel und andere Drogen."

Das führte dazu, so der Aussteiger, dass die Wirkung der Drogen und das Geld, was damit zu verdienen war, zu Streits führte. Gregor G.: "Das führte dazu, dass sich die beiden Gruppen gebildet haben. Es hieß immer: Verkauf nicht an den. Die Deals liefen am Bahnhof oder am Marmorwerk. Die beiden Gruppen waren richtig verfeindet – Du konntest nicht auf den Schmodo gehen, ohne dass es Streit gegeben hat. Zwischendurch haben noch die syrischen Flüchtlinge angefangen zu dealen. Doch das Zeug war schlecht und zu teuer."

Es gab auch eine enge Verbindung zum Haugenstein, so Gregor: "Wenn wir Stress hatten, haben wir die Jungs gerufen. Dann kamen Autos mit zehn Russen von da oben und waren da."

Aussteiger Karsten K. von der "72er-Gang" hatte erzählt, dass die Horber besonders stolz und hart sind: "Unser Motto war: Keiner fickt Horb!"

Gregor G. weiß die Hintergründe­: "Das lag am Stadtfest in Freudenstadt. Damals hatte ein 17-jähriger Horber einen 19-jährigen Schüler aus Schopfloch so geschlagen, dass der im Krankenhaus an einer Gehirnblutung gestorben ist."

Das war im Juli 2015. Gregor G.: "Die Schuldigen waren die Horber. Seitdem gab es immer wieder Stress mit den Freudenstädtern. Klar, dass Horb und Freudenstadt sich nicht mögen. Aber seit dem Stadtfest war es richtig heftig: Wenn Du einen Freudenstädter am Stadtbahnhof schief angeguckt hast, haben die sofort Stress gemacht!"

Drogen und Stress

Die Drogen, die Szene, der Stress. Nach und nach, so erzählt Gregor G., hat das die Leute kaputt gemacht: "Wenn du Freunde hast, mit denen du vor fünf Jahren Konfirmation hattest, nicht mehr wieder erkennst, fragst du dich schon, ob es so weitergehen kann."

Viele aus den Gangs landeten vor Gericht wie beispielsweise Arnie (22, Name geändert) – der "Randale-Chaot", der im Juni 2018 für eine Krawall-Nacht in der Kernstadt sorgte und die Palme am Bahnhofsplatz angezündet hatte. Oder die beiden Brüder vom Haugenstein, die eine Hasch-Plantage hatten und die Drogen am Heizkraftwerk verkauften (wir berichteten).

Gregor G.: "Die Polizei hat dann richtig Stress gemacht, als sie das mitbekommen haben – es gab teilweise tägliche Kontrollen auf Drogen in Bildechingen oder Dornstetten. Dadurch sind viele Quellen kaputt gegangen."

Doch warum ist Gregor ausgestiegen aus der Szene? Er sagt: "Die Polizei hat mich ins Gebet genommen. Sie hat mir gesagt: Wenn ich weiter mache, lande ich im Gefängnis. Dazu habe ich gesehen, wie zwei meiner Kumpel sogar mit den Drogen gestorben sind. Einer, der Kräuter geraucht hat, ist an Blutkrebs gestorben. Der andere wurde in seinem Zimmer von der Polizei überrascht – mit Drogen. Er wollte gleich aus dem Fenster springen, die Polizisten haben noch versucht, ihn festzuhalten. Der kam dann mit Oberschenkelbruch ins Krankenhaus und ist an der Blutvergiftung gestorben. So wollte ich nicht enden! Ich habe mit den Leute abgeschlossen!"

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Florian Ganswind

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