Am Sonntag, 21. Juli, ist der„Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende“. In Freiburg sind laut Erhebung der Awo-Drogenhilfe 2023 neun Menschen am Konsum von Drogen und dessen Folgen gestorben.
2227 Menschen sind im vergangenen Jahr bundesweit an den Folgen von Drogenkonsum gestorben. Die Awo-Drogenhilfe in Freiburg setzt sich seit Jahren in ihren Einrichtungen für Drogenkonsumenten ein und bietet ihnen verschiedene Hilfsangebote an. Auch die Akzeptanz und der Kampf gegen Stigmatisierung sind zwei wesentliche Ziele der Awo. „Drogenkonsum gehört zur Gesellschaft dazu“, erklärt die Leiterin der Awo-Drogenhilfe Selina Trinkner. Es könne jeden treffen. Der „Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende“ am 21. Juli soll dabei helfen, auf das Thema aufmerksam zu machen und für ein besseres Miteinander zu werben.
Gedenktag „Der Gedenktag ist für viele Konsumierende die Möglichkeit, von Menschen, die sie verloren haben, Abschied zu nehmen“, zeigt Trinkner auf. Das Klientel habe sonst keine Möglichkeit zu Trauern. Die Awo wird am Montag, 22. Juli, von 11 bis 15 Uhr mit einem Stand auf dem Platz der Alten Synagoge präsent sein. „Wir informieren über unsere Arbeit und haben zudem eine Trauermauer aufgestellt“, zeigt die Leiterin der Drogenhilfe auf.
Drogenkonsumraum Der Drogenkonsumraum, der seit Ende Februar in den Räumlichkeiten der Awo-Drogenhilfe in der Rosastraße ist, wird gut angenommen. „Wir haben bisher rund 2000 Konsumvorgänge. Das sind 2000 Vorgänge, die nicht in der Öffentlichkeit stattgefunden haben“, erklärt Trinkner. 135 Menschen seien inzwischen registriert. Durch das Konsumverhalten der Menschen, könne man Rückschlüsse auf die Szene schließen. So sei die Annahme, dass die meisten Kokain konsumieren, bestätigt worden. Durch das Feedback der Nutzer und den Austausch mit Polizei und Staatsanwaltschaft hat sich auch bestätigt, dass die Errichtung des Konsumraums „eine gute Entscheidung war“, sieht sich die Leiterin der Drogenhilfe bestätigt. Bisher gab es noch keine Überdosis. Das läge vor allem an den Mitarbeitern, die die Menschen intensiv betreuen und aufklären.
Kontaktladen Der Kontaktladen richtet sich mit seinen niederschwelligen Hilfsangeboten in erster Linie an drogengebrauchende Menschen. „Der Beratungsbedarf ist in letzter Zeit angestiegen“, berichtet Trinkner. Die einzelnen Fälle seien komplexer geworden. Der Kontaktladen profitiere vom neuen Drogenkonsumraum. Der Austausch zwischen den Mitarbeitern funktioniere gut und auch die Menschen, die in die Rosastraße kommen, profitieren von den beiden Einrichtungen unter einem Dach.
Drobs Die Jugend- und Drogenberatungsstelle „Drobs“ ist die älteste Einrichtung der Awo. Sie wurde im Jahr 1991 eröffnet und richtet sich im Kontext Drogenkonsum mit einem Beratungsangebot vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch an Angehörige. „Bei der Beratung wird das familiäre Umfeld mit eingebunden“, erklärt Trinkner. Es gibt, kein Mindestalter – Kontaktladen und Drogenkonsumraum sind ab 18 Jahren – und die Beratung ist kostenlos.
Streetwork Ein weiterer Baustein ist die Arbeit auf der Straße. „Wir suchen gezielt die Plätze auf, an denen sich das Klientel aufhält“, zeigt die Leiterin auf. Man müsse die Belange der Klientel ernst nehmen und zu ihnen Vertrauen aufbauen. „Es ist wichtig, dass auch die Stadt Freiburg das Problem erkannt hat“, sagt Trinkner. Der neue Pergolaplatz im Colombipark, der als Aufenthalt für Drogenkonsumenten dient, sorge zwar derzeit für Ärger, weil sich Anwohner über Lärm beschweren, man dürfe aber nicht alle über einen Kamm scheren. „Das Klientel ist eine sehr heterogene Gruppe. Sie brauchen außerdem Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen.“ Alle Beteiligten seien in engem Austausch, um die Situation rund um den Park zu verbessern. Die Stadt habe bereits beim Sicht- und Lärmschutz nachgebessert und suche nach weiteren Optimierungsmöglichkeiten des Platzes.