Bewohner der Pflegeeinrichtung sollen öffentlich Drogen konsumiert und Kinder verängstigt haben. So der Vorwurf einiger Ortschaftsräte und Bürger.
Der Anlass für den besonderen Besucherandrang war klar: Oben auf der Tagesordnung stand eine „Stellungnahme Aczepta“. Deren sozial-psychiatrische Einrichtung „Haus Landelin“ in Ettenheimmünster hatte, so auch auf der vorangegangenen Ortschaftsratssitzung, für Beschwerden aus der Bürgerschaft gesorgt. Der Vorwurf: Bewohner der Einrichtung sollen – insbesondere am Buswartehäuschen gegenüber der Einrichtung – in Gegenwart von Kindern Drogen konsumiert und Schulkinder angesprochen, ihnen gar Getränke angeboten haben. Deshalb, so Ortsvorsteherin Stefanie Ackermann, sei sie dankbar für die Gelegenheit, jetzt die Sachlagen zu präzisieren – nämlich auch mit dem nun eingeladenen Freiburger Aczepta-Geschäftsführer Dennis Rahneberg und der örtlichen pädagogischen Leiterin Desiree Goldau.
Eingangs erklärte Rahneberg, dass ihnen nur ein Vorfall bekannt gewesen sei, als ein Betrunkener Dreck hinterlassen habe. Ob sich Kinder wegen einiger der Patienten sorgen, könne er nicht sagen – etwa von der Kita habe er darüber nichts gehört. Ansonsten stelle man sich gerne jeder Situation, wenn es denn um konkrete Vorfälle ginge.
Patienten sollen Kinder angesprochen haben
Damit konnte Ortschaftsrätin Nadine Lemke durchaus dienen. Möglicherweise seien zwar Ereignisse etwas aufgebauscht worden. Dennoch seien Kinder etwa auf Geld angesprochen und auch nach persönlichen Daten gefragt worden. Ansonsten sei öffentlicher Alkoholkonsum etwa am Sportplatz und Kinderspielplatz vorgekommen. Sabine Meier ergänzte das durch die Bitte, insbesondere Angebote oder Verkauf von Getränken an Kinder, wie es geschehen sei, zu unterbinden.
Hierzu bat Rahneberg, in derartigen Fällen sogleich die Aczepta-Telefonzentrale zu kontaktieren oder sich auch an die Polizei zu wenden. Darauf sei man auch deshalb angewiesen, um entsprechende Hausbewohner zu identifizieren und zur Rechenschaft ziehen zu können. So es denn welche sind, oder es sich nicht etwa – wie bereits geschehen – um zwei Wohnungslose gehandelt hatte.
Ortschaftsrätin Dortje Treiber wiederholte ihr Statement von der vorigen Sitzung. Hier im ländlichen Dorf kenne jeder jeden und lege Wert auf ein gedeihliches gemeinsames Zusammenleben. Deshalb seien „Situationen, die Menschen irritieren“, nicht hilfreich. Sie wollte wissen, was seitens der Aczepta dagegen unternommen werde. Deren Vertreter blieben entsprechende Antworten nicht schuldig. Geschäftsführer Rahneberg bekräftigte das nach wie vor zugrundeliegende pädagogische Konzept der Einrichtung, verwies jedoch auch auf rechtliche Grenzen der eigenen Einflussmöglichkeiten bei derartigen Vorfällen. Besonders auffällig werdende Bewohner dürfe man nicht etwa einfach einsperren und auch erst bei mehreren ernsthaften Verstößen gegen die Hausordnung nach entsprechenden Abmahnungen per Kündigung zum Auszug bringen. Nur bei gravierenden Fällen käme eine Überweisung in psychiatrische Kliniken in Betracht – doch das komme nur sehr selten vor.
Aczepta-Leitung nimmt die Beschwerden ernst
Leiterin Goldau versicherte, dass sie die Beschwerden sehr ernst nehme – zumal sie selbst mehrfache Mutter sei. Sie selbst und weitere Beschäftigte kontrollieren deshalb jetzt drei mal täglich nicht nur die nahe Bushaltestelle, sondern auch weitere Straßen und Plätze einschließlich des alten Friedhofs als weiterem Treffpunkt: „Wir tun, was wir können.“ Auf Frage von Treiber nach Beschäftigungsangeboten zur Tagesgestaltung der Bewohner „zum Sichtbar machen“ zählte Goldau viele auf. Doch könne man die Betreuten nicht dazu zwingen, diese auch anzunehmen. Schwerpunkt sei hauptsächlich die Werkstatt.
Eltern äußern ihre Sorgen
Auch einige Eltern nutzten die Gelegenheit, sich zum Thema zu äußern. So machte ein Vater drauf aufmerksam, dass er seiner Tochter kein Handy zum Fotografieren der Betreffenden mitgeben könne – schon gar nicht zum Anrufen der Polizei. Und wenn, so befürchtete ein anderer, käme die dann wohl erst, wenn die Belästiger nicht mehr da seien. Rahneberg betonte, dass es von Aczepta-Bewohnern „keine Fremdgefährdung gibt“. Allerdings räumte er ein, dass man dafür sorgen müsse, dass Kinder keine Angst mehr haben.
Abschließend wurde nach einer knappen Stunde vereinbart, dass Telefonnummern für Konfliktfälle im Gemeindeblättle veröffentlicht werden, einschließlich einer Handynummer der pädagogischen Leiterin. Goldau versprach: „Ich komme dann sofort.“ Nicht zusagen konnte sie jedoch, dass niemand der Bewohner mehr, wie beklagt, Cannabis in der Öffentlichkeit raucht. Das ist mittlerweile legal. Allerdings würden Konsumenten darauf aufmerksam gemacht, dass sie den Konsum wenigstens an diskreten Orten und nicht in Gegenwart von Schulkindern erledigen können.
Info – Die Einrichtung
In der Ettenheimmünsterer Einrichtung werden Menschen betreut, die als Folge ihrer chronischen psychischen Erkrankung vorübergehend oder dauerhaft nicht in der Lage sind, ein selbstständiges Leben zu führen. „In der Pflegeeinrichtung treffen sie auf ein liebevolles, stabiles Umfeld und gesellschaftliche Kontakte, was für viele Betroffene eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität darstellt“, heißt es von Aczepta. Auch Menschen mit Suchterkrankung werden dort versorgt.