Matrixpflaster mit dem Wirkstoff Fentanyl – was als Medizin Heilung verspricht, wird von Drogensüchtigen wegen seiner berauschenden Wirkung geschätzt und missbraucht. Foto: dpa/Carsten Rehder

Eigentlich sollen sie Schmerzen lindern. Statt der Patienten greifen nun aber immer häufiger Drogensüchtige zu den Fentanyl-Pflastern – auch im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Ärzte aus der Region verschrieben ihnen Fentanylpflaster, im Glauben daran, ihre Schmerzen zu lindern.

 

Stattdessen aber waren diese ihr Ticket in den Tod. Zwei der insgesamt fünf Drogentoten im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz im vergangenen Jahr lebten im Schwarzwald-Baar-Kreis. Und auch hier greift in Junkie-Kreisen der gefährliche Trend um sich, der in vier der fünf Todesfällen eine Rolle gespielt haben soll: der Missbrauch von Fentanyl-Pflastern.

Ärzte glaubten zu helfen

Die Untersuchung der Drogentoten brachte es ans Licht: Mehrere Fentanylpflaster klebten an den Körpern einiger Drogensüchtigen – und in zwei Fällen sind sich die Ermittler sicher, dass die Süchtigen sogar auf legalem Weg an die Schmerzmittel zum Aufkleben gelangt sind. Ärzte sollen ihnen das Fentanyl verschrieben haben. Und das aus gutem Grund: Der Wirkstoff Fentanyl gilt als eines der stärksten Schmerzmittel überhaupt. Das künstlich hergestellte Opioid soll 100 Mal stärker als Morphin sein. Wer ein Rezept dafür erhält, muss also in den Augen des Arztes unter höllischen Schmerzen leiden – in der Regel, ist in der Fachpresse zu lesen, werde Fentanyl dann verschrieben, wenn andere Schmerzmittel schon nicht mehr wirken.

Das rechteckige Pflaster enthält in der klebrigen Schicht eine starke Dosis Schmerzmittel. Foto: dpa

Die berauschende Wirkung ist es, auf die es landauf, landab seit einigen Jahren auch Drogensüchtige abgesehen haben.

Die Polizei hatte es bereits in anderen Fällen im Landkreis schon mit Drogenkonsumenten zu tun, die zu Medikamenten gegriffen haben.

Konsum auf diverse Art

Erst Mitte März stieß man beispielsweise an der Eichbuckhütte in Donaueschingen-Wolterdingen auf die Hinterlassenschaften einer Drogenparty: Kleine Plastiktütchen, in welchen üblicherweise Marihuana gehandelt wird, lagen ebenso auf dem Gelände wie leere Schachteln des Schmerzmittels Tilidin, welches, ähnlich wie Fentanyl, von Ärzten bei besonders starken Schmerzen verschrieben wird.

Bei Fentanyl bedeutet der Wirkstoff statt einer Heilung deshalb für viele den Tod. „Das Risiko für Überdosierungen ist in Anbetracht der hohen Wirksamkeit besonders hoch“, erläutert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Schon seit 2005 wird dort ein Anstieg der drogenbedingten Todesfälle unter Fentanyl-Einfluss beobachtet. Seit 2004 ist Fentanyl in Form von Matrixpflastern überhaupt erst in Deutschland erhältlich.

Die in der Region aufgefundenen Drogentoten konsumierten den Stoff auf verschiedene Weise, so die Informationen der Polizei – sie brachten mehrere Fentanylpflaster auf ihrem Körper an, zudem hätten sie das Medikament, teilweise auch gemeinsam mit anderen Betäubungsmitteln eingenommen oder es sich sogar gespritzt. In der Regel werde das Pflaster davor aufgekocht – der Wirkstoff steckt in der klebrigen Schicht der Pflaster, die direkt mit der Haut in Kontakt kommt.

Das Besondere: Die in den Klebstreifen enthaltene Dosis soll um ein Vielfaches höher sein, als es der Fall wäre, wenn das Fentanyl zur Schmerzlinderung beispielsweise intravenös verabreicht würde.

Drogenkonsum im Schwarzwald-Baar-Kreis

Die Fallzahlen
waren 2022 in der Region rückläufig – 2021 wurden bei der Polizei 777 Rauschgiftfälle registriert im Schwarzwald-Baar-Kreis, 2022 waren es 547. Die Statistik aus dem Präsidiumsbereich zeigt: Die Mehrheit der Tatverdächtigen ist erwachsen (1484 von 2027 im gesamten Präsidiumsbereich), 337 waren Heranwachsende, 198 jugendlich, acht sogar erst Kinder.

Unter den Stoffgruppen
hat Cannabis mit 1570 Fällen unter den 2027 insgesamt klar die Nase vorn, gefolgt von 352 Fällen des Missbrauchs von Amphetaminen, Methamphetaminen und Ecstasy und 116 Kokain-Fällen.