Nach der Umstrukturierung 2021 haben wir die Integrierte Leitstelle im Kreis Rottweil mit den beiden Leitern Andreas Noth (vorne) und Holger Pfeifle vorgestellt (Archivfoto). Nun gibt es neue Pläne. Foto: Siegmeier

Es rumort bei der Integrierten Leitstelle (ILS) im Kreis Rottweil. Die soll eine neue Struktur erhalten – eine Idee, die nicht allen gefällt. Wir haben uns umgehört.

Ob Notfall, Unfall oder Brand – alle Anrufe landen im Kreis Rottweil bei der Integrierten Leitstelle (ILS). Hier werden die Einsätze koordiniert, alle notwendigen Kräfte alarmiert. Kaum einer weiß allerdings, wie kompliziert die Sache hinter den Kulissen ist.

 

Denn die Mitarbeiter, die da Seite an Seite arbeiten, haben unterschiedliche Arbeitgeber. Die einen sind beim DRK beschäftigt, die anderen beim Landratsamt. Bis Mitte 2021 hatte das DRK den Betrieb im Kreis Rottweil eigenständig geführt, bei Kostenbeteiligung des Kreises. Seit 2021 tragen Landkreis und DRK die Verantwortung gemeinsam – was, wie in Gesprächen mit schon damals Beteiligten deutlich wird, vor allem auf Drängen des damaligen Kreisbrandmeisters Nicos Laetsch umgesetzt worden war.

Der Landkreis entscheidet über die Feuerwehrbelange und übt die Fachaufsicht über den Rettungsdienst aus – während die Kosten nach einem festen Schlüssel geteilt werden. Damit einher gehen allerdings auch Doppelstrukturen, deren Sinn seit jeher in Frage steht: Es gibt zwei Leitstellenleiter, zwei Stellvertreter, es gibt jede Menge Abstimmungsbedarf – und es gibt unterschiedliche Gehälter, Urlaubsregelungen und Tarifverträge, was bei gleicher Arbeit nicht unbedingt nachzuvollziehen ist.

Umwandlung in gGmbH

Jetzt soll dieses Konstrukt aufgelöst werden. Geplant ist die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH (gGmbH). Im Kreistagsausschuss wurde das Vorhaben jüngst von Landrat Wolf-Rüdiger Michel vorgestellt. Einheitliche Arbeitsbedingungen für alle, eine gemeinsame Verwaltung und klare Zuständigkeiten seien die Ziele, so hieß es.

Den ersten Dämpfer gab es jetzt allerdings bereits. Denn wie unsere Redaktion erfährt, hat der DRK-Kreisverband zwar den Plänen ausdrücklich zugestimmt, der zuständige Bereichsausschuss hat eine Kostenübernahme jedoch abgelehnt.

Und der Weg zur gGmbH kostet einiges. Ein externer Dienstleister soll das Projekt begleiten, die Kosten – von rund 160 000 Euro ist die Rede – sollen aufgeteilt werden. Der Kreistagsausschuss hat bereits mehrheitlich für die Bereitstellung von 80 000 Euro im Haushalt gestimmt.

Ganz abgesehen von den Kosten wird das Vorhaben in Gesprächen mit unserer Redaktion allerdings auch schlicht als „nächste Schnapsidee“ bezeichnet. Die erste Schnapsidee sei 2021 schon die Einführung des Doppelkonstrukts gewesen, sagt ein Insider.

Landkreis findet keine Leute

Zunächst habe der Landkreis, so heißt es, noch etwas besser bezahlt als das DRK. Inzwischen sind die Gehälter wegen des jüngsten Tarifabschlusses für die Disponenten beim DRK höher, was sich bei der Stellenbesetzung beim Kreis deutlich bemerkbar mache. „Das Landratsamt findet aktuell keine Leute“, wird uns berichtet.

Wer beim DRK ist, will beim DRK bleiben

Und beim DRK wiederum ist nicht jeder, der seit Jahrzehnten dabei ist, darauf erpicht, nun den Arbeitgeber zu wechseln und bei der gGmbH angestellt zu sein. „Es besteht die Gefahr, dass Leute abspringen und die Leitstelle dann lieber verlassen“, heißt es nicht nur von einem besorgten Beobachter der aktuellen Pläne. Diese Stellen zu kompensieren, dürfte schwierig werden.

Betriebsrat sieht Pläne positiv

Wir sprechen dazu mit Marcus Gries, Betriebsratsvorsitzender – und einziger Betriebsrat – der ILS. Er räumt ein, dass das Strukturthema von Anfang an eine „heiße Kiste“ gewesen sei. Man habe das Ganze 2021 trotz allem Verständnis für die Belange von Feuerwehr und Kreis „nicht zu Ende gedacht“. Schon damals sei eine gGmbH im Raum gestanden, aber nie umgesetzt worden.

Aufgrund der aktuellen Doppelstrukturen und des enormen Aufwands, der dadurch entstehe, befürworte er die geplante Umwandlung in eine gGmbH, betont Marcus Gries. Er sei in den Prozess eingebunden und sehe es positiv, dass durch diese Veränderung manches nun „glatt gezogen“ werden könne.

Bedenken der Mitarbeiter verständlich

Die Bedenken bei den Mitarbeitern seien absolut verständlich, betont er, so ein Prozess laufe natürlich nicht glatt und ohne Fragen durch. Doch DRK und Landratsamt hätten sich dafür ausgesprochen, dass das Größtmögliche für die Mitarbeiter getan werde. Es gebe mit der gGmbH eine klarere Struktur, einen Geschäftsführer für alle, insgesamt erhofft sich Gries damit „mehr Luft“ auch personell in der ILS.

Er gehe trotz der Ablehnung der Kostenübernahme durch den Bereichsausschuss davon aus, dass die gGmbH umgesetzt wird und man zu einem guten Ergebnis komme.

Zurück zur DRK-Regie?

Und was wäre die Alternative? Dass die jetzigen Doppelstrukturen so nicht bleiben sollen, darüber scheint man sich ja weitgehend einig. Vorstellbar ist für manch einen, die ursprüngliche Struktur vor 2021 wieder herzustellen, als die Leitstelle unter Regie des DRK stand. „Dass sich das Landratsamt um die Feuerwehrbelange kümmert, das kann auch anders umgesetzt werden“, so eine Meinung.

Nun, wie es im Beschluss des Kreistagsausschusses heißt, soll die Kreisverwaltung nun mit dem DRK-Kreisverband Rottweil „Verhandlungen mit dem Ziel aufnehmen, die Integrierte Leitstelle in eine gGmbH zu überführen“. Nicht nur wegen der unklaren Kostenübernahme dürften sich diese Verhandlungen intensiv gestalten.