Von der Sanitätskolonne beim Turnfest 1901 zum modernen Hilfswerk: Das DRK Schwenningen feiert 125 Jahre. Widerstand gegen Nazis inklusive. Jubiläumsfeier im Juni geplant.
Einen hohen Stellenwert hat das Rote Kreuz in Schwenningen – seit mittlerweile 125 Jahren.
Ob Sanitätsdienste, Blutspendeaktionen oder soziale Angebote: Der Ortsverein ist aus dem Leben der Stadt nicht wegzudenken.
Ein kurzer Blick zurück zeigt: Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1901 zurück.
Ursprung in der Turngemeinde
Damals wurde im Rahmen des Kreisturnfestes eine Sanitätskolonne gegründet – wie so vieles in Schwenningen entstand auch diese Initiative aus der Turngemeinde heraus. Beim Sportfest standen junge Männer als Sanitäter bereit, die zuvor während ihres Militärdienstes als Lazarettgehilfen und Krankenpfleger ausgebildet worden waren.
Nach dem Kreisturnfest löste sich die Gruppe zunächst wieder auf, fand jedoch bereits 1902 innerhalb der Schwenninger Feuerwehr erneut zusammen und organisierte sich dort dauerhaft. 1904 gliederte sich die Sanitätskolonne dem Schwenninger Kriegerverein an. Ab 1906 wurde sie in das Württembergische Sanitätskorps aufgenommen und erhielt den Namen „Sanitätskolonne 20 Schwenningen“. 1912 fand die Kolonne schließlich in einem von Fabrikant Mauthe zur Verfügung gestellten Übungshaus in der Alleenstraße eine feste Bleibe.
Offen gegen die Nationalsozialisten
Mittlerweile war die Gruppe auf 57 aktive Mitglieder angewachsen. Darüber hinaus existierte eine Gesangsabteilung, die beispielsweise beim Besuch von Königin Charlotte von Württemberg am 26. Juni 1914 einen Auftritt hatte. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Gartenschule und das städtische Krankenhaus an der Mauthestraße als Vereinslazarette für Verwundete eingerichtet.
In der Zeit des Dritten Reiches machte Kolonnenarzt Dr. Hermann Etter, zugleich Landtagsabgeordneter der Demokratischen Partei, keinen Hehl daraus, dass er ein entschiedener Gegner des neuen Regimes war. Auch sein Schwager Fritz Mauthe stellte sich offen gegen die Nationalsozialisten. 1936 gab er dem von ihm gestifteten Kolonnenheim den Namen „Dr.-Hermann‑Etter‑Haus“ – eine Bezeichnung, die bis heute Bestand hat.
Spital wird zur Notwendigkeit
Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich zahlreiche Kranke, Invaliden und ältere Menschen in großer Not. Die Errichtung eines Spitals und Altenheims wurde zu einer dringenden Notwendigkeit. Geeignete Räume fanden sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Kienzle, Werk Haller, in der Austraße.
Die Einrichtung, die als Vorläufer des heutigen Bürgerheims gilt, konnte am 1. Juni 1946 eröffnet werden. Die Betreuung übernahm das Rote Kreuz Schwenningen. In der Not der Kriegsfolgen wurden eine Volksküche, die Schulspeisung, ein Suchdienst und der Rettungsdienst aufgebaut beziehungsweise erweitert. Auch im späteren DRK‑Kinderheim Schönblick auf der Frühlingshalde waren die Helfer des Ortsvereins viele Jahre aktiv. 1951 wurde das Dr.-Hermann‑Etter‑Haus um weitere Wohnungen, Büro- und Übungsräume erweitert. Hier fanden 1958 auch die ersten Blutspendeaktionen statt.
Blaues Haus voller Engagement
Das Jugendrotkreuz wurde 1960 gegründet. Mit dem Fahrdienst und dem Angebot „Essen auf Rädern“ begann man in Schwenningen 1967. Ab 1968 wurde außerdem eine Altentagesstätte eingerichtet. Ein großer Eckpunkt in der Vereinsgeschichte war der Neubau des DRK‑Hauses an der Alleenstraße, das 1982 an der Stelle des alten Etter‑Hauses eingeweiht wurde.
In unmittelbarer Nachbarschaft, in der August‑Reitz‑Straße 20, wurde dem Ortsverein 1999 das Gebäude eines ehemaligen Reifenhändlers angeboten. Vom DRK aufgrund seiner Fassade als „Blaues Haus“ bezeichnet, fanden dort die Altentagesstätte und die Sozialgruppe neue Räumlichkeiten.
Seit 2014 befindet sich die heutige Begegnungsstätte im Neubau des Neckarforums. Hier findet auch der Auftakt zu den verschiedenen Veranstaltungen zum 125‑jährigen Jubiläum des DRK Schwenningen statt.
In den kommenden Monaten wollen sich die verschiedenen Standbeine der Rotkreuzarbeit präsentieren. Zu den Höhepunkten zählen unter anderem eine Jubiläumsfeier im Juni sowie ein Tag der offenen Tür im Oktober.