Stark gefordert: die DRK-Bereitschaft Zollernalb. Foto: Deck

Die Helfer-vor-Ort-Tätigkeit ist teilweise noch eingestellt, der Rettungsdienst im Umgang mit den Covid-19 Patienten längst geübt, und das Besuchsprogramm für Senioren läuft mit einem aufwändigen Hygienepaket langsam wieder an: Das Rote Kreuz im Zollernalbkreis befindet sich, wie andere Organisationen auch, seit mehr als einem Jahr im Corona-Modus.

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Zollernalbkreis - "Wir kämpfen aktiv gegen und leben mit dem Virus", so der Kreisvorsitzende, der Ratshausener Bürgermeister Heiko Lebherz. Die typischen Erkennungszeichen der Corona-Pandemie sind auch an den Gebäuden des DRK-Kreisverbandes in Balingen zu sehen. Informationsschilder zur Händehygiene hängen an der Wand, der Desinfektionsständer steht parat.

In den Lehrsälen des DRK-Forum herrscht bisweilen eine gespenstische Ruhe. Die sonst regelmäßigen Besprechungen finden per Videochat statt. Auch im täglichen Dienst ist die Corona-Pandemie präsent. Als Beispiel bei der Integrierten Leitstelle. Jeder Anrufer eines Notrufes wird abgefragt, ob er Covid-Patient ist oder nicht, geimpft oder der Sachstand unklar ist. Bei notwendigen Versorgungen von Covid-Patienten hat sich die Einsatztaktik der Retter verändert. "Der Eigenschutz steht ganz oben", so Heiko Lebherz. Egal ob im Bereich der Breitenausbildung, im Rettungsdienst oder beim Besuchsdienst: Gerade im Bereich des Rettungsdienstes haben sich viele Abläufe geändert. So geht bei unklaren Sachverhalten zunächst ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes mit Schutzausrüstung in die Wohnung. "Einfach unbedarft zum Patienten in die Wohnung eintreten geht derzeit einfach nicht mehr", so Lebherz weiter.

Knapp 17.000 Einsätze mit dem Rettungswagen absolvierte das DRK im vergangenen Jahr. In rund 6000 Fällen waren die Notärzte gefordert. Das bedeutet oft bis zu 40 Rettungswagen-Einsätze pro Tag. Mehr als 27 000 Krankentransportfahrten dokumentierte das DRK im Jahr 2020. In vielen Fällen waren auch Patienten mit Covid zu transportieren. "In den vergangenen Tagen waren bis zu einem Dutzend Patienten mit einer Coviderkrankung pro Tag zu transportieren", verrät Lebherz. Aufwändige Desinfektionen der Fahrzeuge bedingen, dass die Fahrzeuge nach einem solchen Infektionstransport längere Zeit stillgelegt werden müssen. Mehrfach müssen Patienten von einer Klinik in eine andere verlegt werden. "Obwohl wir im Umgang von Patienten mit ansteckenden Krankheiten gewohnt waren, mussten wir viele Abläufe neu anpassen", so Lebherz.

Geändert mit Corona hat sich auch das Anrufverhalten bei der Integrierten Leitstelle. "Wir hatten vor Corona im Monat rund 130 Anrufe pro Tag. Seit wir mit Fragen rund zum Thema Impfung konfrontiert werden, verzeichnen wir derzeit rund 550 Anrufe pro Tag. Auf den Leitungen des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes haben wir mit rund 2000 Anrufen eine Verdopplung", so Lebherz weiter. Dabei werden die Disponenten mit allerlei Fragen rund um den Virus und die Impfung befragt – Fragen, die neben den Notrufen, beantwortet werden müssen.

Besonders gefordert sind die DRK-Bereitschaften vor Ort. In mehr als 25 Teststellen sind die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aktiv, um Corona-Tests durchzuführen. Mehr als 10 000 Schnelltests wurden in unzähligen Einsatzstunden erbracht.

Bei Brandeinsätzen oder anderen Hilfeleistungen stehen die Bereitschaften allerdings parat – unter Einhaltung der Hygienevorgaben. Gemeinsam mit Kreisbereitschaftsleiter Markus Maute ist Heike Rau für die Bereitschaften im Zollernalbkreis zuständig.

"Den Ortsvereinen fehlen in großen Teilen die Einnahmen durch die Erste-Hilfe-Kurse und anderen Seminaren", so Heike Rau. Aus der Not heraus hat das DRK die Chance genutzt und Seminare entworfen, wie beispielsweise die Schnelltests ordentlich gemacht werden können.

Der Kreisverband Zollernalb hat ebenfalls außerplanmäßige Ausgaben, etwa durch die Schutzkleidung, im sechsstelligen Bereich zu verzeichnen. "Das war für uns keine Frage, dass wir hier den bestmöglichen Schutz für unsere Einsatzkräfte gewährleisten müssen", so der stellvertretende Vorsitzende Dietmar Dieter. FFP2-Masken, Schutzbrillen und Infektionsschutzanzüge mussten eiligst beschafft werden. Mit weiteren Führungskräften sorgt Dieter seit Beginn der Pandemie dafür, dass die Hygienemaßnahmen im ganzen Kreisverband gleichförmig umgesetzt und die Pläne ständig aktualisiert werden: "Hierzu besprechen wir uns ständig, was getan werden muss, um die Mitarbeiter zu schützen."

Dabei kommt es zu Restriktionen, die nicht immer alle Beschäftigten freuen. Doch an das Tragen des Mundschutzes und andere Einschränkungen hat man sich längst gewöhnt. Ferner geht es um die Betriebsfähigkeit des Verbandes, insbesondere beim Rettungsdienst wie auch der Integrierten Leitstelle. Die Hygienepläne werden mit den hauseigenen Desinfektoren oder beispielsweise den Hygieneverantwortlichen des Zollernalb-Klinikums besprochen. Mit dem Landratsamt sei man im engen fachlichen Austausch. "Wir arbeiten da sehr eng und gut zusammen. Testen können sich die Mitarbeiter zwei Mal pro Woche. Dass die Hygienekonzepte greifen, kann man sicherlich daran ablesen, dass bislang keine größeren Infektionen bei uns entstanden sind, obwohl wir täglich Kontakt mit Infizierten haben", so Dieter weiter.

Derzeit ruhen nahezu alle Aktivitäten im sozialen Bereich. Sehr zu Lasten der älteren Bürgerinnen und Bürger. "In der Seniorenbetreuung sind wir nur in den Fällen unterwegs, wo Hilfe sehr wichtig ist", so Lebherz. Der Kleiderladen in der Balinger Stadtmitte ist geschlossen, auch der Bereich des Hausnotrufs wurde an die Schutzmaßnahmen angepasst. So sind die Mitarbeiter mit Infektionsschutzsets ausgestattet. Völlig zum Stillstand ist die Jugendarbeit gekommen. 550 Kinder und Jugendliche engagieren sich beim Jugendrotkreuz. Sie alle mussten ihre Gruppenstunden absagen.

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