Das einzig Falsche bei einem Herzinfarkt ist es, nichts zu tun. Das lernten die Schüler des OHG-Nagold bei der Aktion „Löwen retten Leben“.
In nur 25 Prozent der Fälle werde in Deutschland bei einem Herzstillstand vor dem Eintreffen des Krankenwagens ein Reanimationsversuch gestartet, sagt das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Zu viele Menschen hätten Angst, etwas Falsches zu machen.
Diese Hemmung will das DRK an Schulen im Kreis Calw mit der Aktion „Löwen retten Leben“ nehmen. Die Reanimation solle zukünftig ein fester Bestandteil des Schulunterrichts werden, um die Schüler schon früh auf solche Notfälle vorzubereiten, so das Ziel. Das DRK wolle den Kreis Calw zu einem „herzsicheren“ Landkreis machen.
Nun besuchte die Aktion das Nagolder Otto-Hahn-Gymnasium. Mehr als 130 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe acht versammelten sich am vergangenen Mittwoch in der OHG-Sporthalle.
An rund 70 Puppen brachten Mitglieder des DRK den Achtklässlern bei, wie sie vor dem Eintreffen der Rettungskräfte eine Herzmassage durchführen können.
Bisher gab es an der Schule nur kleinere Kurse der Biolehrer mit einzelnen Freiwilligen, Jetzt soll jährlich eine Aktion mit allen Schülern einer Stufe, zusammen mit dem DRK stattfinden.
„Reanimation wird zu kompliziert dargestellt“
Zu Beginn meldete sich Kardiologie-Chefarzt des Nagolder Krankenhauses, Uwe Helber, zu Wort. Als er damals den Erste-Hilfe-Kurs für seinen Führerschein machte, sei die Reanimation dort viel zu kompliziert dargestellt worden.
In der Praxis sei es einfacher als von den meisten Menschen gedacht, meint Helber. Dabei sei schnelle Hilfe enorm wichtig: Nach bereits drei bis fünf Minuten können nach einem Herzstillstand bleibende Schäden entstehen, erklärt er.
Da ein Krankenwagen je nach Einsatzort bis zu zwölf Minuten brauchen kann, entscheide das bereits über Leben und Tod. Selbst wenn gedrückt werde, ohne dass ein Herzstillstand vorliegt, sei das immer noch wesentlich besser als andersrum.
Prüfen, rufen, drücken
„Löwen retten Leben“-Gründer Jovin Bürchner startete anschließend mit seinem Vortrag. Zunächst machte er anhand des Beispiels von Christian Eriksen, den Schülern klar, dass Herzstillstände auch jüngere Menschen betreffen kann. Der Fußballer hatte bei der EM 2021 einen plötzlichen Herzstillstand erlitten.
Um die 200 Fälle von Herzstillständen gebe es täglich in Deutschland. Bürchner zeigte auf, wie in solchen Situationen gehandelt werden sollte: prüfen, rufen, drücken.
Zunächst müsse die betroffene Person auf ihre Ansprechbarkeit getestet werden, erklärt er. Auch die Atmung und die Funktion der Schutzreflexe des Bewusstlosen seien zu überprüfen.
Nun solle man die Rettungskräfte informieren. Wichtig seien hier vor allem drei Dinge: Die Nummer 112 zu kennen, sofort den Ort des Vorfalls zu nennen und niemals den Anruf aufzulegen, sondern stets mit den Einsatzkräften in Kontakt zu bleiben.
In der Zeit, in der die Rettungskräfte auf dem Weg sind, müsse eine Herzmassage durchgeführt werden, um das Gehirn weiterhin mit Sauerstoff zu versorgen. Das durften die Schüler dann auch an den Übungspuppen selbst ausprobieren.
Wichtig sowohl für Gesellschaft als auch Persönlichkeit
Lebensrettende Maßnahmen gehörten fest in die Mitte der Gesellschaft, meint auch Nagolder Ordnungsamtsleiter Achim Gräschus. „Unsere Stadt lebt von Menschen die nicht nur wegschauen, sondern tätig werden“, sagt er.
Auch für die Persönlichkeitsentwicklung gehörten solche Aktionen an Schulen dazu, findet Schulleiter Ulrich Hamann. „Wir wollen unsere Schüler ja auch zu Persönlichkeiten erziehen“, meint er.
Zum Abschluss durften die Schüler auf dem OHG-Pausenhof noch einen Rettungswagen besichtigen.
Neben der Ermutigung, sich selbst bei einem Ehrenamt wie dem DRK, THW oder der Feuerwehr zu engagieren, spricht der DRK vor allem einen wichtigen Appell aus: keine Angst vor der Reanimation!