Vertreter der Stadt und der Firma Vogel-Bau haben das erste der 753 Boote zu Wasser gelassen. Foto: Köhler

Die Arbeiten für die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Waldmattensee bei Kippenheimweiler sind gestartet. Beim Stapellauf wurde das erste von 750 Booten mit PV-Modulen zu Wasser gelassen. Die Energie nutzt die Firma Vogel-Bau für ihre Werke – und eine Lkw-Flotte.

Ein Nebelschleier hängt am Montagnachmittag über dem Waldmattensee. Von der Hauptdarstellerin, der Sonne, mit deren Hilfe bald acht Millionen Kilowattstunden erzeugt werden, fehlt jede Spur. Dennoch steht zwischen Sandbergen und Förderbändern das erste Solarboot parat.

 

Interessiert erkunden die eingeladenen Gäste das gewaltig wirkende Boot. 18 PV-Module sind darauf angebracht, die mit großen Schwimmkörpern über Wasser gehalten werden. Es erscheint kaum vorstellbar, dass bald 750 von ihnen auf dem See Strom erzeugen werden.

Die Dimensionen der Anlage, obgleich schon von den Zahlen her (drei Hektar) lange bekannt, wird auch den Pressevertretern vor Ort erst so richtig bewusst. Noch steht das Boot auf Schienen, dann packen die Vertreter der Firma Vogel-Bau und der Stadt an. Nach einem Ruck setzt sich das Boot in Bewegung. Scheinbar mühelos schieben die Verantwortlichen es Richtung See, wo es schließlich auf dem Wasser aufsetzt, schwimmt und einige Meter davondriftet.

„Es wird die drittgrößte Anlage in Deutschland“, erklärt Bruno Schwendemann stolz. Er ist für Vogel-Bau Verkaufsleiter in Lahr und spricht am Montag auch für die Geschäftsführer des Unternehmens. Im Jahr 2022 während der Energiekrise, so Schwendemann weiter, habe sich das Unternehmen Gedanken gemacht, wie es sich im Sachen Energieverbrauch autark aufstellen könnte. Neben den Photovoltaik-Anlagen auf Dächern entstand dabei die Idee der „Floating PV“. „Wir haben uns die Seen unserer Gruppe angeschaut und betrachtet, wo es Sinn macht“, gibt Schwendemann weitere Einblicke in den Prozess. Schließlich habe man sich für den Waldmattensee bei Kippenheimweiler entschieden. Zum einen, weil es der größte See sei, zum anderen, weil es im angrenzenden Werk den größten Energieverbrauch gebe.

Auf Schienen fuhr das Boot in Richtung See. Foto: Köhler

12900 Solarmodule sollen künftig auf einer Fläche, die etwa fünf Fußballfeldern entspricht, acht Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. „Das entspricht dem Jahresverbrauch von 2520 Haushalten“, so Schwendemann. Im Winter, wenn weniger Strom erzeugt wird, werde der Großteil direkt ans Vogel-Bau-Werk fließen. Im Sommer werde man den größten Teil ins Netz einspeisen. In Zukunft, blickt der Verkaufsleiter voraus, soll es für bessere Effizient auch Batteriespeicher geben. Zudem plane das Unternehmen eine Flotte mit elektrisch betriebenen Lkws, die ihren Strom ebenfalls vom See beziehen sollen.

EU-Genehmigung liegt noch immer nicht vor

„Die Sonne wartet, bis alle Boote im Wasser sind“, erklärt Lahrs OB Markus Ibert gut gelaunt. Bei der Stadtverwaltung sei das Projekt sehr gut angekommen. Schritte für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen habe man gern unterstützt. Damit die Energiewende gelingt, müssten „noch viele PV-Anlagen, Windräder und auch Geothermieanlagen gebaut werden“, prognostiziert Ibert. Die Boote auf dem Waldmattensee seien ein „Vorzeigeprojekt“.

Noch schwimmt erst ein Boot, doch bald soll die Anlage drei Hektar groß sein und acht Millionen Kilowattstunden Strom jährlich erzeugen. Foto: Köhler

Auch Baubürgermeister Tilman Petters freut sich über eine Anlage „ohne erkennbare Nachteile“. Er sieht das Projekt als „Zeichen“, dass Unternehmen auch Geld damit verdienen können, wenn sie neue Felder, wie die alternative Energiegewinnung, erschließen.

Bis die Anlage, die einmal mit 32 Ankern am Grund des Sees festgemacht wird, fertig ist, wird es, so Schwendemann, etwa drei Monate dauern. Bis dahin, hofft er, liegt auch die EU-Genehmigung vor, um den Strom der Anlage zu höheren Preisen ins Netz einzuspeisen.

Technische Daten

Die Anlage bedeckt künftig drei Hektar des 23 Hektar großen Sees. 15 Prozent der Fläche sind maximal zulässig. Neben 12 900 Modulen auf 753 Booten gibt es 24 Wechselrichter und drei Trafostationen. Die Laufzeit ist auf 15 Jahre mit Option auf weitere 15 Jahre angelegt. Laut Vogel-Bau werden 3,8 Tonnen CO2 vermieden.