Wie stellen sich die Menschen ein „Wohnzimmer für alle“ vor? Das will die Stadt in einer Online-Umfrage herausfinden. Zusammen mit den Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie soll daraus ein Konzept für das Sparkassengebäude entstehen.
Wo Menschen Überweisungen tätigen, ihr Geld anlegen oder Kredite aufnehmen, soll ein Treffpunkt für Menschen aller Generationen entstehen. Das ist die gemeinsame Vision der Stadt Lahr und der Sparkasse Offenburg/Ortenau. Weil fast zwei Drittel der Fläche im Gebäude in der Schillerstraße vom Kreditinstitut nicht mehr benötigt werden, ist genug Platz für einen so genannten „Dritten Ort“.
„Man lebt in der Familie, man lebt in der Arbeit. Ein dritter Ort bietet Raum für Gemeinschaft“, erklärt OB Markus Ibert das Konzept. Das „Wohnzimmer für alle“ soll eine alters- und interessenübergreifende Begegnungsstätte werden. Ibert hofft, „ein breitgefächertes Publikum mit einer breitgefächerten Palette“ anziehen zu können – und das alles in der Innenstadt mit der Mediathek im Kern. Wie das aussehen könnte, soll eine Machbarkeitsstudie zeigen.
Diese wurde von der Sparkasse in Auftrag gegeben. „Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis“, sagt Nicole Dietl vom Vorstand der Sparkasse Offenburg/Ortenau. Als „Neu-Lahrerin“ sei sie sehr froh, dieses Projekt begleiten zu können. Für das Geldinstitut sei die gesellschaftliche und soziale Teilhabe der Menschen ein wichtiger Aspekt. Hinzu komme, dass im Gebäude einige Räume leerstehen. Gemeinsam mit der Stadt habe man nach einer Lösung gesucht.
Sparkasse benötigt nicht mehr so viel Fläche
„Das Gebäude wurde im Jahr 1988 gebaut. Damals hatten wir einen Flächenbedarf von etwa 4500 Quadratmetern. Nach einer Neukonzeption wären das nur noch 1800“, führt Dietl weiter aus. Das hänge damit zusammen, dass sich die Arbeitsweisen in der Sparkasse seitdem vor allem durch die Digitalisierung geändert haben. Unterm Strich bleiben also 2700 Quadratmeter, die man für den „Dritten Ort“ in den Blick nehmen könne. „Wir machen uns keine Sorgen, dass wir die Räume nicht gefüllt bekommen“, ergänzt Bürgermeister Guido Schöneboom lachend.
Für das Konzept, so Schöneboom weiter, habe man sich an den „Dritten-Ort-Papst“, den niederländischen Architekten Aat Vos, gewandt – ein „wunderbarer Mann mit tollen Ideen. Wir wollten keine Experimente, sondern das Original“, betont der Bürgermeister. OB Ibert erklärt, dass sich die Verwaltungsspitze mit einigen Stadträten in den Niederlanden bisherige Projekte des Architekten und seines Büros Includi angesehen hat. „Wir kamen voller Begeisterung zurück“, so Ibert.
Neben der Mediathek könnten das Mehrgenerationenhaus, der Seniorentreff, die Städtische Galerie, eine Gastronomie, Veranstaltungsflächen sowie multifunktionale Schul- und Sitzungsräume Teil des „Dritten Orts“ werden. Das Kundenzentrum der Sparkasse bleibt natürlich, stellt der OB klar. Für weitere Ideen und Anregungen zur Umsetzung hofft die Stadt auf die Mithilfe der Lahrer. In einer Online-Umfrage, die unter www.bit.ly/3ortlahr bereits freigeschaltet ist, können alle Interessierten ihre Vorstellungen mitteilen. „Wir werden auch 1000 Lahrer nach dem Zufallsprinzip auswählen und gezielt anschreiben“, blickt Ibert voraus.
Etwa zehn Minuten dauere die Bearbeitung der Umfrage, die das Büro Includi konzipiert hat. „Dass die Menschen miteingebunden werden, hat mich letztendlich von dem Architekten überzeugt“, sagt Dietl. Sie hofft, genau wie die Stadtverwaltung, auf viele Teilnehmer und viele Vorschläge. Die Umfrage ist bis zum 30. September freigegeben.
Erste Ergebnisse
Ein Auftakttreffen zwischen den Verantwortlichen und der Firma Includi ist am 20. und 21. September geplant. Architekt Aat Vos wird seine Ideen am 17. Oktober ab 19 Uhr im Lahrer Kino vorstellen. Der Eintritt ist frei. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden Anfang November erwartet. Wann es dann losgehen könnte mit dem „Dritten Ort“, kann die Verwaltung noch nicht sagen. Das hänge auch von den Wünschen der Lahrer ab.