Fahrradfahrer haben in Albstadt keinen leichten Stand. Foto: Schweizer

Die dritte Rad-Demo in Ebingen hat am Samstag die Ost-West-Achse in den Fokus genommen. Für Albstadts Grüne weiterer Beweis dafür, wie lückenhaft das Radwegenetz in der Stadt ist. 

Albstadt - Die dritte Raddemo der Grünen in diesem Sommer zeigte auf, wie lückenhaft das Mosaik der Albstädter Radwege ist. Genauso wie Moderator Markus Ringle, der auf seinem Anhänger die Tontechnik hinterherzog, sind alle knapp 30 Unterstützer mit den Fahrrädern zur Kundgebung gekommen. Vom Rathaus in Ebingen sind sei gemeinsam die rund 1,7 Kilometer lange Ost-West-Achse abgefahren und haben dabei einige Schwachpunkte entdeckt, die Fahrradfahrern in Albstadt das Leben schwer machen.

Ihre Forderung ist deutlich: Die Stadt soll ihr Versprechen halten und endlich handeln. Vor sechs Jahren hat der Gemeinderat beschlossen, in zwei Prioritätsstufen die Lücken im Radwegenetz zu schließen. 1,5 Millionen Euro sollten dafür bereitgestellt werden.

Radfahrerlebnis soll geschaffen werden

"Manchmal ist das Leben ganz schön leicht, zwei Räder, ein Lenker und das reicht, wenn ich mit meinem Fahrrad fahr mitten durch die Stadt" – Max Raabe ist dieser Ansicht in einem alten Schlager. Die Albstädter Fahrradfahrer beneiden ihn für diese Sichtweise und wünschen sich so ein sorgenfreies Fahrerlebnis auch in ihrer Heimat.

Um ihr Anliegen zu unterstreichen, schallte dieses Lied auf ihrem Weg durch die Stadt. Zusätzlich sorgte der Konvoi mit Trillerpfeifen und lautem Klingeln für Aufsehen. Damit alles sicher ablief, bildete Detlef Wysotzki von der Verkehrspolizei Balingen mit seinem Mountainbike die Spitze des Feldes durch die Stadt. Seine Kollegen aus Albstadt und Balingen sperrten die jeweiligen Zufahrten kurzzeitig ab, um dem Tross freie Fahrt zu gewähren.

Vom Rathaus aus ging es über die Garten- und Poststraße in Richtung Hochschule und von dort weiter in die Theodor-Groz-Straße zum ersten Stopp an der Tankstelle Rominger & Blaier. Heil angekommen sind alle Teilnehmer – aber das samstägliche Verkehrsaufkommen in dieser Einkaufsstraße, wie sie Markus Ringle nannte, war enorm. In der gesamten Theodor-Groz-Straße mussten sich die Radfahrer die Straße mit den Autofahrern teilen.

"Unsere Forderung ist eindeutig: wir brauchen hier einen Radweg oder mindestens einen Radschutzstreifen", sagte Ringle. Das Ansinnen könnte doch nicht unmöglich sein – zumal die Theodor-Groz-Straße ebenso wie auch die Kientenstraße eine entsprechende Breite aufweisen und Platz dafür vorhanden sei.

Radwege-Infrastruktur ist nicht nur mangelhaft, sonder auch gefährlich

Der Ebinger Westen sei dicht besiedelt: Kinder fahren zur Schule, Arbeitnehmer mit dem Rad von West nach Ost oder umgekehrt zur Arbeit – , "Wie wichtig wäre hier eine schnelle Verbindung", sinniert Ringle. Noch dazu komme der Friedhof, der oft frequentiert werde. Und dieser ganze Verkehr dränge sich auf die Straße.

"Wir werden es gleich erleben", kündigte Ringle an. Vorbei am Kaufland ging es über die Karlsbrücke in den Neuen Weg, dann weiter in die Riedstraße, was nur auf öffentlicher Straße möglich ist. Erst als etwa die Hälfte der Riedstraße befahren ist, beginnt rechts ein stückweit Radweg. Die Ernüchterung folgte sogleich einige 100 Meter weiter an der Lerchenbrücke: Ein blaues Schild kündigt das Ende des Radwegs an.

"Stellt euch vor, wie Schüler mit dem Fahrrad von der Weststadt zur Schalksburgschule fahren", so der Initiator zu seinen staunenden Begleitern. Er erläuterte, wie man nach der Lerchenbrücke auf den Radweg in der Lautlinger Straße gelangt: erst über die Straße, dann über eine Ampel, dann einige Stufen hoch und erst dann ist der rote Belag des Radwegs in Sicht. Dieser lässt sich dann gut befahren bis zur Augustenhilfe, über die Ampel muss dann die Straßenseite gewechselt werden. Es geht vorbei an Fußgängern, welche im vorderen Bereich der Sonnenstraße ohnehin oftmals auf dem Radweg laufen, doch wenige Meter später ist dieser ohne Weiterführung zu Ende.

Nach anderthalb Stunden fanden sich die radelnden Demonstranten wieder am Ausgangspunkt ein und um eine Erkenntnis reicher: die Radwege-Infrastruktur ist nicht nur mangelhaft, sonder auch gefährlich. Lösungen müssen dringend her.