So hatten sich die Grosselfinger A-Junioren das Bezirkspokalfinale nicht vorgestellt. Am Ende geriet alles aus den Fugen. Foto: BRV

Grosselfingens Trainer kritisiert die Umstände rund um die Eskalation in der Schlussphase des A-Junioren-Finales und den Umgang der Verantwortlichen mit der Situation.

Grosselfingens Cheftrainer Axel Heiner hatte bereits vor dem Endspiel ein ungutes Gefühl. „Wir wussten im Vorfeld, dass das ein Risikospiel wird“, sagt Heiner.

 

Zwar habe es aus Sicht seines Teams zuvor keine direkten Berührungspunkte mit Trossingen gegeben, dennoch seien Warnungen aus dem Umfeld anderer Vereine eingegangen.

„Wir wurden von mehreren Vereinen darauf hingewiesen, dass sich die Mannschaft nicht immer fair verhält.“ Besonders der Halbfinalgegner der Grosselfinger, die SGM Weigheim/Baar, habe Grosselfingen vor einer schwierigen Partie gewarnt. Weigheim/Baar war im Halbfinale mit 0:4 an Heiners Team gescheitert.

Provokante Spielweise

Auch im Finale habe sich dieses Bild aus Sicht des Grosselfinger Kommandogebers bestätigt. „Trossingen spielte sehr provokant“, berichtet der Heiner. Nach den beiden Führungen hätten sich die Spieler bei Einwürfen, Abstößen, Freistößen und Eckbällen immer wieder viel Zeit gelassen. Zudem seien Trossinger Spieler bei nahezu jeder Berührung längere Zeit am Boden liegen geblieben.

Sportlich sei das Finale bis zur 70. Minute dennoch spannend gewesen. Dann aber sei die Partie vollständig gekippt. Auslöser war nach Heiners Schilderung eine Szene bei einem Einwurf vor der Grosselfinger Bank. Ein Trossinger Spieler habe erneut auf Zeit gespielt, woraufhin ein Grosselfinger Spieler die Situation beschleunigen wollte. „Er schubste den Trossinger weg, wie es oft im Fußball vorkommt, woraufhin es sofort zu einer Rudelbildung und körperlichen Angriffen mehrerer Trossinger Spieler kam. Man hatte den Eindruck, darauf hätten die Trossinger nur gewartet“, sagt Heiner.

Tumultartige Szenen

In der Folge kam es laut Heiner zu tumultartigen Szenen auf und neben dem Spielfeld. Schiedsrichter Eric Müller, der das Spiel bis dahin ordentlich geleitet habe, sei mit der Situation zunehmend überfordert gewesen. Am Ende zeigte er einem Grosselfinger Spieler die Rote Karte und sprach gegen drei Trossinger Spieler Feldverweise aus. Einen dieser Feldverweise nahm er anschließend wieder zurück.

Kritik an der Ansetzung

Heiner stellt in diesem Zusammenhang auch die Ansetzung des Unparteiischen infrage. „Ich muss den Verband fragen, warum ein erfahrener Jonas Toranzo das B-Jugend-Finale pfeift und dann für das A-Jugendspiel ein 20-jähriger Schiedsrichter mit jugendlichen Linienrichtern eingesetzt wird“, kritisiert der Grosselfinger Coach.

Nach den Tumulten rief Schiedsrichter Müller die Eskalationsstufe 1 aus und verließ gemeinsam mit seinen beiden jungen Assistenten das Spielfeld. Für Heiner wäre dies der Moment gewesen, das Spiel endgültig abzubrechen. „Ich ärgere mich im Nachgang darüber, dass ich meine Mannschaft nochmals auf das Spielfeld gelassen habe“, sagt er. „Mit einem Pokalspiel hatte das anschließend nichts mehr zu tun.“ Die Spieler hätten weiterspielen wollen, und diesen Wunsch habe er ihnen nicht verwehren wollen.

Beleidigungen auf der Tribüne

Auch abseits des Rasens soll die Lage eskaliert sein. Auf der Tribüne habe es zahlreiche Beleidigungen gegeben, zudem sei es laut Heiner zu einer Schlägerei gekommen, bei der ein Kind verletzt und später von einem Krankenwagen versorgt werden musste. Besonders unverständlich sei für ihn, dass die Polizei offenbar verständigt worden, aber nicht erschienen sei.

Polizei: Wir wurden nicht alarmiert

Auf Nachfrage unserer Redaktion konnte dies das Polizeipräsidium Reutlingen nicht bestätigen: „Nach Angaben der Rettungsleitstelle war ein RTW um 17:47 Uhr im Einsatz. Die Alarmierung ging per Mobiltelefon ein, Stichwort: Knieverletzung nach Fußballspiel. Der 17-jährige Patient wurde in die Accura Klinik in Truchtelfingen eingeliefert. Eine weitere Person wurde ambulant versorgt und entlassen. In den Aufzeichnungen des Rettungsdienstes ist keine Schlägerei vermerkt.“

Pokalspielleiter hadert mit Geschehnissen

Auch der Pokalspielleiter habe mit der Gesamtsituation gehadert und verzichtete nach dem Spiel auf eine Siegerehrung. Heiner kann nicht nachvollziehen, weshalb nach den Vorfällen überhaupt noch über eine Fortsetzung der Partie nachgedacht wurde. „Ich verstehe nicht, warum die Offiziellen nach diesen Vorfällen überhaupt noch überlegt haben, das Spiel fortzusetzen.“

Entschuldigung ein schwacher Trost

Nach dem Abpfiff hätten sich Offizielle des Verbandes beim Grosselfinger Trainer entschuldigt. Für Heiner ist das allerdings nur ein schwacher Trost. „Dafür können wir uns nichts kaufen“, sagt er. „Das Sportliche gerät durch solche Aktionen komplett ins Hintertreffen. So willst du auch gar nicht Pokalsieger werden. Nach diesen Vorfällen ist der sportliche Wettkampf am Ende, Fußball steht nicht über moralischen Grundsätzen.“ Verantwortliche der SpVgg Trossingen konnten für eine telefonische Stellungnahme nicht erreicht werden.