Die Darbietung des Maskentheaters aus Biel widmete sich dem Thema Pflege und tat dies auf ernsthafte, mitunter melancholische Art und Weise. Dennoch gab es auch Platz für Heiterkeit. Foto: Holger Schlicht

Kunst und Kultur niederschwellig für alle erfahrbar zu machen – das ist die Intention hinter dem Inklusionstag im Dreiländermuseum Lörrach.

Das inklusive Kunstprojekt „Inspiration“, organisiert von Trio Kultur in Zusammenarbeit mit Caroline Buffet und dem Dreiländermuseum Lörrach, findet bereits zum zwölften Mal statt. Am Samstag traten zwei Theatergruppen im Hebelsaal des Museums auf. Das Maskentheater aus Lörrach führte zuerst das Stück „Die Grille und die Ameise“ auf, in dem es vor allem darum geht, wie Musik, Tanz und Fantasie Freundschaften entstehen lassen.

 

Während zwei der Darsteller an einem Tisch stehen und wie die Ameisen putzen, tanzen die anderen wie die Grillen um den Tisch und freuen sich des Lebens. Anfangs noch genervt und irritiert, putzen die fleißigen Ameisen weiter, bis auch sie sich schlussendlich von den tanzenden Grillen und ihrer Lebensfreude anstecken lassen und mit ihnen um den Tisch tanzen. Musikalisch begleitet wird die Vorstellung von einer Klarinettistin und einer Saxofonistin der Lörracher Musikschule.

Theaterstück mit melancholischen Tönen

Im zweiten Stück tritt die Masken-Company „Utopic Family“ aus Biel mit dem Stück „Come Prima“ auf, ebenfalls mit den Masken, die 2019 bei einem Maskenworkshop im Nellie Nashorn entstanden sind. Die zwei Darsteller verkörpern eine Frau und einen Mann. Die Frau sitzt in einem Rollstuhl, den der Mann bepackt mit drei Koffern und allerlei anderen Utensilien auf die Bühne schiebt. Untermalt wird die Szene von Vogelgezwitscher, was einen Ausflug der beiden in die Natur darstellen soll. Er versucht alles, die Frau aus ihrer Lethargie zu reißen, mit Musik aus dem mitgebrachten Radio, einer Zeitung, einer Fotoaufnahme mit Selbstauslöser mit dem mitgebrachten Fotoapparat. Als er merkt, dass dies alles nicht fruchtet, wird er wütend und setzt sich frustriert auf einem Baumstamm, während er traurig die alten Fotos anschaut. Da steht die Frau plötzlich aus ihrem Rollstuhl auf und tanzt auf der Waldlichtung, ohne das ihr Mann es mitbekommt. Als er sich wieder umdreht, sitzt sie wieder im Rollstuhl, einzig als ihr Mann ihr eine Blume schenkt, schaut sie ihn zum ersten Mal an, als wäre sie gerade aufgewacht. Dann packt er alle Sachen, hebt die Blume, die wieder achtlos zu Boden gefallen ist, unter Ächzen und Quietschen der Gelenke vom Boden auf und schiebt seine Frau bepackt mit den Koffern zurück nach Hause.

Das Stück, in das die Darstellerin Sabrine, die 27 Jahre als Pflegerin gearbeitet hat, ihre eigenen Erfahrungen hat einfließen lassen, ist eher ein traurig-melancholisches, welches aber durch schöne Musik und tragisch-komische Szenen die Zuschauer zwischendurch auch zum Lachen brachte. Der langanhaltende Applaus belohnte die Schauspieler dann auch verdientermaßen für ihre wunderbar humorvolle Umsetzung eines schwierigen Themas.

Inklusive Ausstellung zum Thema Tiere

Die Ausstellung im ersten Stock, in der Menschen mit Behinderung ihre eigenen Werke ausstellen, hat das Thema „Tiere“ zum Fixpunkt, bei der von den Organisatoren „tierische Werke“ aus der Sammlung des Museums Dreiländereck ausgesucht wurden, die die Künstler inspirieren sollten. Die Originalwerke hängen zwischen den Bildern der Künstler, die aus dem gesamten Dreiländereck kommen, also aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland, erklärt Susanne Raible unserer Zeitung, und startet sogleich den Versuch, das Original herausfinden, was teilweise gar nicht so einfach ist. Jedes Originalbild hat eine Ecke im Ausstellungsraum des Museums und um dieses herum hängen die Bilder der Künstler in unglaublich vielfältigen Variationen und Interpretationen.

Erstaunlich detailgenaue Handwerkskunst von Jacky Pfirter nach dem Werk „Eule“ von Florencia Escalante wechselt sich mit zeichnerischem Können und verspielt abstrakten Interpretationen des Originals ab. Aus dem Original mit Fischen von Alban Spitz wird zum Beispiel ein fliegender Riesenfisch mit Haus und Propeller auf dem Rücken. Der Fantasie sind in dieser Ausstellung keine Grenzen gesetzt und genau das macht den Reiz aus, die Werke der 75 Künstler aus dem Dreiländereck genauer zu betrachten.

Die Altersspanne der beteiligten Kreativen reicht von zehn bis ungefähr 70 Jahren, erklärt Susanne Raible im Gespräch mit unserer Zeitung. Jeder sucht sich vor Ort ein Originalbild aus, welches ihm besonders gefällt, und bildet es dann auf seine Art und Weise nach.

Allerdings sei dies die letzte Ausstellung in dieser Form im Dreiländermuseum, da Caroline Buffet, die immer für die Kooperation mit dem Dreiländermuseum verantwortlich war, demnächst in Rente gehen würde. Ein Grund mehr, sich diese beeindruckende Ausstellung der Kreativität von Menschen mit Behinderung im Dreiländermuseum anzuschauen.