Eindruck vom Dreikönigskonzert in der Liederhalle Foto: Oliver Röckle

Das Stuttgarter Kammerorchester spielt beim Dreikönigskonzert im Beethovensaal Hensel und Beethoven.

Beethovens Fünfte Sinfonie beginnt mit einer Achtelpause, die das berühmteste und härteste Viertonmotiv der Musikgeschichte ein wenig abfedert. Man erkennt deshalb bereits beim Erklingen des ersten Ta-ta-ta-taa, ob es eine gute Aufführung der Fünften werden wird: ob der Dirigent mit der altmodischen Donnerschlagsästhetik, die hinter jedem Ton der Sinfonie das Schicksal hervorlugen lässt, langweilen wird oder in der Achtelpause jene appellative und rhetorische Macht des Motivs entfacht, die die Fünfte zu Beethovens bester Sinfonie macht. Zumindest dann, wenn sie so gut gespielt wird wie im Dreikönigskonzert des Stuttgarter Kammerorchesters (SKO) im Beethovensaal.

 

Alles klingt transparent, geschmeidig, perfekt ausbalanciert

Zwischen dem SKO und seinem Chefdirigenten Thomas Zehetmair stimmt die Chemie. Und seine sanguinische, neugierige und emotionale Art tut dem Orchester hörbar gut – auch in der Fünften. Alles klingt transparent, geschmeidig, das Mit- und Gegeneinander der Streicher- und Bläserfraktionen perfekt ausbalanciert. So können sich die rhythmisch-metrischen Raffinessen plastisch entfalten, die Energien sich bündeln und sich entladen. So zündet die Lunte des Beginns, versorgt die riesige dynamische Form- und Steigerungskurve der vier Sätze mit Sprengkraft – vom mächtigen, mal nervösen, mal auftrumpfenden Kopfsatz, in dem alles hämmert und kreist, über das seltsame, halb lyrische, halb militärisch-zeremonielle Adagio bis hin zum düsteren, teils fahlen, knöchernen Scherzo, aus dem heraus sich dann ohne Unterbrechung das strahlende Jubelfinale in C-Dur erhebt: Durch Kampf zum Sieg. In der Fünften, die von Märschen und Massengesängen der französischen Revolution inspiriert ist, formulierte Beethoven sehr genau, wie er das meinte.

Auch der Beginn des Konzerts erfreute: mit der C-Dur-Ouvertüre von Fanny Hensel, ihrem einzigen Orchesterwerk. Seufzend, schmachtend der Beginn als langsame Einleitung zu rasenden Galoppaden und schwelgender Melodik. Das SKO spielte das spritzig und frisch. Und auch in Beethovens zweitem Klavierkonzert sorgte es für eine luftige Grundierung, während die erst 17-jährige russische Pianistin Alexandra Dovgan mit introvertierter Spielhaltung und weicher, warmer Artikulation ein eher romantisches Klangbild evozierte. Das Publikum zeigte sich begeistert, und Dovgan legte mit Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ noch mal nach.