Wie heißt es so schön: „Think Big!“ Bei der anstehenden Sanierung der Eisberghalle in Nagold denken Planer und Bauherren mittlerweile richtig groß – deutliche Kostensteigerungen inklusive.
In dieser Halle schwitzten einst Rekruten: Die Eisberghalle auf der Gäu-Höhe am Rande des INGParks ist noch ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Damals war Nagold Garnisonsstadt. Fallschirmjäger wurden in der Eisbergkaserne ausgebildet – und trieben Sport in besagter Halle.
Die einstige Bundeswehrhalle stand nach Schließung des Standorts 1996 auch zur Disposition. Was tun? Umbauen, sanieren, abreißen? So richtig sicher war man sich damals gar nicht, ob man mit einer Sporthalle auf dem entfernten Eisberg wirklich etwas in der Nagolder Schul- und Vereinslandschaft anfangen kann.
Doch Nagold versuchte es, entschied sich für den Erhalt. Seitdem trainieren dort in der eher bescheidenen Einfeldhalle zum Beispiel die Karateka oder auch japanische Kyudo-Bogenschützen des VfL Nagold. Zudem wird Schulsport in der Halle angeboten.
Heute stellt niemand mehr die Eisberghalle ernsthaft in Frage. Im Gegenteil: Hallen sind in Nagold Mangelware. Da wundert es auch nicht, dass die schon seit einigen Jahren bestehenden Sanierungspläne zwischenzeitlich deutlich zugelegt haben. In einer Machbarkeitsstudie von 2018 gingen die Planer noch von einem Ausbau der Einfeldhalle in eine Zweifeldhalle aus. In dem jüngst vom Gemeinderat beschlossenen Grundsatzbeschluss ist nun vom Ausbau zu einer Dreifeldhalle die Rede.
Damit entscheidet sich die Stadt Nagold also für die Maxi-Lösung. Und natürlich hat das auch Auswirkungen auf die Kosten. Auch die stiegen von der einstigen Machbarkeitsstudie im Jahr 2018 um fast 50 Prozent auf heute nahezu zehn Millionen Euro.
Halle wird um acht Meter erweitert
Wobei Planer Robert Pfeifer von „buerohauser“ die Steigerungen der Kosten nicht wirklich hat rechtfertigen müssen in der Sitzung des Gemeinderats. Nagold bekommt nun, was es bestellt hat. In dem Gremium weiß man durchaus, um das „Mehr“, das man nun bei der Hallensanierung bekommt. Ein paar Beispiele gefällig?
Statt um zwei Meter wird die Halle nun um acht Meter zu einer Drei-Feldhalle erweitert. Oder das Thema Umkleiden: Statt geplanten zwei neuen Umkleideräumen, entstehen nun sechs neue Umkleiden. Und so sieht’s bei den Geräteräumen aus: Statt die alten umzubauen, sollen sie nun abgebrochen werden und dafür drei neue Geräteräume inklusive Lagerflächen für Vereine und Nutzer gebaut werden – die Umkleiden sind übrigens ein Stockwerk über den Geräteräumen angeordnet, zudem gibt es einen neuen Technikraum, den Anbau eines Foyers mit barrierefreiem WC. Außerdem kommen getrennt und von außen zugänglich WC, Umkleide und Duschbereich sowie eine Schuhputzstation für die Outdoor-Nutzung dazu.
Multifunktionsraum mit 170 Quadratmetern
Ebenfalls neu dabei in der Planung ist der Neubau eines Multifunktionsraums mit 170 Quadratmetern Größe. Der Raum kann für Veranstaltungen mit bis zu 199 Stühlen bestückt werden. Aber auch Übungsstunden können hier gegeben werden. Laut Planer bekommt der Raum eine gehobenere Ausstattung.
„Pflegeleichte und robuste Baustoffe“ kündigte Pfeiffer für die Hallensanierung an. Die Fassaden im Erdgeschoss werden mit einem Plattenmaterial gestaltet, Trapezblech, zum Teil gelocht, kommt bei der Hallenfassade und den Dachflächen zum Einsatz. Beton ist für die Fundamente, Bodenplatten, Treppen, Innenwände und Außenwände sowie Decken vorgesehen. Aber auch Holz kommt bei den Decken zum Einsatz, auch sind Dachbinder für die Sporthalle aus Holz geplant, sowie Wandverkleidungen in der Halle selbst.
Kostenpunkt: 9,9 Millionen Euro
Kommt alles wie geplant, liegen die Kosten nun bei 9,9 Millionen Euro – wobei der Rat schon signalisierte, dass man nicht an der Holzbauweise einsparen wolle – etwa 100 000 Euro wären hier einsparbar gewesen. Zuschüsse von etwa zwei Millionen Euro sind bis dato zugesagt. Es sollen aber noch weitere Zuschussmöglichkeiten abgeklärt werden. Um sich nicht weitere mögliche Förderungen zu verbauen, fasste der Gemeinderat entgegen dem eigentlichen Zeitplan auch noch nicht den offiziellen Baubeschluss, sondern nur einen Grundsatzbeschluss. In den nächsten Monaten geht das Projekt in die Genehmigungsphase, im zweiten Halbjahr startet dann die Ausführungsplanung und bis Anfang 2025 auch die ersten Ausschreibungen. Gebaut werden soll dann ab Frühjahr 2025 bis zum dritten Quartal des Jahres 2026.
Bisher finanziert im aktuellen Haushaltsplan sind knapp 5,2 Millionen Euro, eingeplant 2025 sind bis jetzt 1,2 Millionen Euro. Der Bedarf für den Haushaltsplan des Jahres 2026 wird nun auf 3,4 Millionen Euro berechnet.