Der Dreifachmord von Villingendorf bietet die Grundlage für ein Buch. Darin steht der Täter im Fokus. Doch der Blick der Öffentlichkeit muss nach wie vor auf die Opfer einer solchen Tat gelenkt werden, findet unsere Autorin.
Die Mail, die am Montagmorgen plötzlich in meinem Postfach auftaucht, lässt meine bis dahin heitere Stimmung schlagartig umschlagen. Im Betreff: Der Dreifachmord von Villingendorf.
Es ist ein Fall, der nun fünfeinhalb Jahre zurückliegt, mir aber immer noch den Puls hochtreibt und dunkle Erinnerungen weckt. Die Bilder vom Tatort. Die Verzweiflung der jungen Mutter. Und das Grinsen des Täters auf der Anklagebank.
Keine Spur von Reue
Ich hatte ihn beim Prozess viele Tage direkt vor mir – und habe stets nach einem Anflug von Reue in seinem Gesicht gesucht. Vergeblich. Dass es jetzt ein Buch zu dem Fall gibt, einen „Thriller“, der sich an die Geschehnisse anlehnt – nun gut. Doch dass darin das Leben des Täters intensiv beleuchtet wird, schmerzt irgendwie. Er wolle der Frage nach dem „Warum“ nachgehen, sagt mir der Autor. Die Kindheit und Jugend des Dreifachmörders werden nachgezeichnet, eine Verknüpfung zu seinen Kriegserlebnissen im ehemaligen Jugoslawien mit der grausamen Tat Jahrzehnte später geschaffen.
So viel Aufmerksamkeit für diesen Killer? Zu viel? Müssen nicht die Opfer absolut im Fokus stehen? Immerhin: Das Buch erinnert daran, dass gegen derartige Morde mit Ansage immer noch nichts unternommen werden kann. Frauen, die vor solch einem Monster Schutz suchen, wie die Mutter des getöteten Jungen es monatelang getan hat, werden allein gelassen. Die Realität ist oft erschreckender als mancher Roman.