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Drei Menschen in den Tod gerissen Bewährungsstrafe für Geisterfahrerin

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Eine Geisterfahrerin, die drei Menschen auf dem Gewissen hat, ist am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Landgericht Trier verurteiltworden: zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Foto: dpa

Trier - Sie merkte nicht, dass sie zur Geisterfahrerin wurde, wie die Frau heute sagt. Mehr als einen Kilometer fuhr sie in falscher Richtung auf der Autobahn, bis es zu einem schrecklichen Unfall kam: Sie prallte gegen das entgegenkommende Auto eines Vaters mit vier Kindern. Der 31-jährige Mann und zwei seiner Kinder (7 und 9) kamen ums Leben. Zwei Töchter erlitten schwerste Verletzungen. Die Falschfahrerin wurde am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Landgericht Trier verurteilt: zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Was war passiert? Die 62-Jährige war von einem Rastplatz bei Hetzerath in der Eifel in falscher Richtung auf die A1 aufgefahren. Und zwar in einer scharfen Kehre nach links. „Das war ein massiver, schwerer Fahrfehler, der nie hätte passieren dürfen“, sagte Staatsanwältin Susanne de Renet. Die Frau aus dem Eifelstädtchen Daun fuhr mit Tempo 80 als Geisterfahrerin - und stoppte nicht, als Autos ihr auswichen, Fahrer wild hupten oder winkten.

Der Unfall ist doppelt tragisch: Denn die Insassen im Opfer-Auto waren wohl alle nicht angeschnallt. Sie hätten „höchstwahrscheinlich“ überlebt, wenn sie die Gurte angelegt gehabt hätten - bekundeten zwei Sachverständige. Die Mädchen auf der Rückbank wurden meterweit herausgeschleudert. „Für uns steht fest, dass niemand angeschnallt war“, sagte der Vorsitzende Richter Armin Hardt.

Warum die Frau zur Falschfahrerin wurde, weiß keiner. Sie hat bis heute einen Filmriss: „Ich kann mich an nichts erinnern“, beteuerte die Krankenpflegerin. Sie wisse nur noch, dass sie in Trier nach einem Arztbesuch losgefahren und dann aus einem Koma aufgewacht sei. „Es war ein Augenblicksversagen“, sagte Hardt.

Jährlich kommen etwa 20 Menschen durch Geisterfahrer ums Leben

Zu tödlichen Unfällen mit Falschfahrern kommt es immer wieder. Im August prallte auf der A3 bei Passau ein 79-jähriger Geisterfahrer frontal mit einem Wagen zusammen. Vier Menschen starben. Auf der A10 bei Potsdam kamen im Juli zwei Männer ums Leben. Ein 49-Jähriger raste in das Auto eines 57-Jährigen. Im November 2012 wurden sechs Menschen auf der A5 nahe Offenburg getötet, als ein Falschfahrer in dichtem Nebel in einen Kleinbus fuhr.

Laut ADAC kommen in Deutschland jedes Jahr etwa 20 Menschen durch Geisterfahrer ums Leben. Die Falschfahrer verwechseln Auf- und Abfahrten, riskieren Wendemanöver, verirren sich im Schilderwald - oder wollen sich umbringen. Falschfahrer verursachten etwa drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen, hieß es.

Die 62-Jährige aus Daun überlebte den Unfall selbst nur knapp. Sie ist seitdem schwer gehbehindert - und psychisch gezeichnet. Dass die Frau sich mit dem Unfall umbringen wollte, glaubt das Gericht nicht. „Sie war auf dem Weg, einen Bekannten zu treffen.“ Und sie fuhr mit mäßigem Tempo, ruhig, geradeaus. Sie habe auch nicht unter Alkohol- oder Medikamenteneinfluss gestanden und sei voll schuldfähig, sagte Rechtsmedizinerin Katrin Uebbing.

Die 62-Jährige verfolgte die Prozesstage oft weinend. „Sie leidet sehr unter dem Geschehenen und macht sich große Vorwürfe“, sagte ihr Anwalt Hans-Josef Ewertz. „Ich möchte sagen, dass es mir furchtbar leidtut, was passiert ist“, sagte sie am Donnerstag mit zittriger Stimme. Auch die damals verletzten Töchter des Mannes und dessen Lebensgefährtin können das Unglück nicht überwinden. „Sie alle werden wohl ihr ganzes Leben darunter leiden“, sagte der Richter.

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