Der Schuraer Drei-Linden-Hof aus der Luft im Jahr 2012. Seither wurde viel investiert und gebaut. Jetzt wurde einem Wohnhausanbau in östlicher Richtung sowie dem Bau einer unterirdischen Löschwassertanks zugestimmt. In Bälde soll der Bauantrag für den Neubau eines offenen Laufstalles für bis zu 295 Milchkühe gestellt werden. Foto: Ingrid Kohler

Neben einem Wohnhausanbau und dem Bau eines unterirdischen Löschwassertanks will der Landwirtschaftsbetrieb die Tierhaltung ausweiten: ein Einblick in die Pläne.

Im Fokus der Ortschaftsratssitzung stand der Drei-Linden-Hof, der in Familienbesitz ist, sich aber in zwei GbR’s als Landwirtschaftlicher Teil einerseits und als Biogasanlage andererseits teilt, wobei, vor allem im Blick auf beabsichtigte Baumaßnahmen die eine GbR ohne die andere nicht handlungsfähig ist, wie Ortsvorsteher Wolfgang Schoch erläuterte.

 

Zunächst ging es aber um den Bauantrag von Werner Kohler, dessen Wohnhaus sich auf dem Gelände des Drei-Linden-Hofs befindet.

Es handelt sich um eine Erweiterung des bestehenden freistehenden Wohngebäudes in östlicher Richtung um ein so genanntes Altenteil im Erdgeschoss mit darüberliegender Wohnung für den Lehrlingsbereich des Drei-Linden-Hofes.

Da keine baurechtlichen Bedenken bestehen, das Gebäude sich aber im Außenbereich befindet, hat der Ortschaftsrat, nachdem das Landwirtschaftsamt einer Privilegierung bereits zugestimmt hat, grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben.

Tank für 100 Kubikmeter

Als Bauherr beabsichtigt die GbR Anna Walter und Fabian Hohner auf dem landwirtschaftlichen Teil des Anwesens einen unterirdischen Löschwasser-Erdtank für 100 Kubikmeter Wasser an der bereits bestehenden Saugstelle zu errichten. Die Errichtung ist eine zwingende Voraussetzung zum Bau des seit mehr als vier Jahren geplanten Rinderstalls und dessen gesetzlichen Bestimmungen.

Die Bestätigung von Fachbehörden, dass gegen einen Bau des Erdtanks keine Bedenken bestehen, liegen bereits vor. Da das Bauvorhaben aber im Außenbereich liegt, war GB das gemeindliche Einvernehmen nötig. Der Ortschaftsrat stimmte dem Bau zu.

Die Erweiterung des Rinderstalls durch die Kohler GbR und der Bau der Biogasanlage durch die Naturenergie GbR wurden erstmals im Februar 2022 in einer öffentlichen Sitzung mit rund 60 Zuhörern vorgestellt. Die Bevölkerung machte sich Sorgen um eine große Ausweitung des Landwirtschaftsbetriebs, vor allem in Bezug auf die Anzahl der Tiere.

Vorteile für das Tierwohl

Laut aktuellen Unterlagen werden nach dem Bau des neuen Rinderstalles die bisher rund 130 Milchkühe auf 295 Tiere aufgestockt. Desweiteren werden im bestehenden Stall insgesamt bis zu 290 Rinder von der Geburt bis zu zwei Jahren untergebracht sein. „Somit werden es rechnerisch 585 Tiere sein“, fasste der Ortsvorsteher zusammen. Es handelt sich um einen offenen Laufstall, der Vorteile für das Tierwohl bietet. Und eben dieses hat Vorrang vor der Immission.

Zwei Geruchsquellen

Insgesamt sei es ein langes und kompliziertes Verfahren, das neben der Baurechtsbehörde der Stadt Trossingen viele weitere Fachbehörden mit Gutachtern und Stellungnahmen beschäftigte und noch beschäftigt. Unabhängig vom Zusammenspiel der verschiedenen Behörden seien sowohl der landwirtschaftliche Betrieb wie auch die Biogasanlage trotz zwei verschiedenen Gesellschaften gegenseitig voneinander abhängig und müssten somit als Ganzes betrachtet werden, betonte Schoch, „insbesondere in Bezug auf die Geruchsimmissionen“.

So produziert der landwirtschaftliche Teil Emissionen durch Rindergülle und Festmistlager in verschiedenen Formen, die der Biogasanlage zugeführt werden. Die Biogasanlage produziert ebenso Emissionen. „Wir haben also auf dem Drei-Linden-Hof zwei Geruchsquellen, die beide immissionsschutzrechtlich bedeutsam und sowohl getrennt voneinander, als auch als Gesamtes zu betrachten und gutachterlich zu prüfen sind“. Für das Vorwärtskommen des Bauvorhabens sei die abschließende Zustimmung des Landwirtschaftsamtes Tuttlingen nötig, die wiederum abhängig sei vom Geruchsgutachten, das derzeit noch überarbeitet wird.

Dorfentwicklung im Blick

Mit Blick auf die bauliche Weiterentwicklung von Schura hat der Ortschaftsrat bereits in seiner Sitzung am 26. Juni 2023 mit einer Gegenstimme seine deutliche Zustimmung zur Erweiterung des landwirtschaftlichen Teils auf dem Drei-Linden Hof gegeben. Jetzt gelte es aber aufzupassen, „dass auch die andere Richtung, „und zwar die weitere Dorfentwicklung hierbei nicht unter die Räder kommt“, betonte Schoch. Die Weichen seien aber gestellt für den Bauantrag, der demnächst kommen werde und der dann öffentlich beraten und entschieden werden müsse.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels war die Rede von einem Neubau für 600 Tiere. Diese Zahl war nicht korrekt. Der Löschwasser-Erdtank umfasst zudem nur 100 statt 1000 Kubikmeter. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.