Von Villingen aus in die weite Welt: Das 9-Euro-Ticket hat es möglich gemacht. Foto: Archiv/Schölzel

Von Villingen, nach München, zum Bodensee oder nach Sylt: Für viele Ausflügler war der diesjährige Sommer dank 9-Euro-Tickets ein Traum. Doch jetzt ist erstmal Schluss mit lustig – wir haben mit VSB-Geschäftsführer Stefan Preuss über sein Fazit zum Spar-Ticket gesprochen.

Villingen-Schwenningen - Schön war’s der Sommer: Das 9-Euro-Ticket sorgte bei vielen für Erleichterung im Geldbeutel und Inspiration bei Ausflügen. Egal ob an den Bodensee, nach München oder sogar nach Sylt – rund 52 Millionen mal wurde das Billig-Ticket verkauft. Was nun auf die beliebte Fahrkarte folgt ist erstmal unklar, Bund und Länder streiten sich um Anschlusslösungen und die mögliche Finanzierung. Klar ist: Die Tickets kosten erstmal wieder mehr.

Stefan Preuss als Geschäftsführer des Verkehrsbundes Schwarzwald-Baar war hautnah am Ticket dabei und versucht ein Resümee zu ziehen.

Wie haben Sie nun die Zeit des 9-Euro-Tickets erlebt?

"Es gibt keine belastbaren Datengrundlagen, da wesentliche Verkaufsanzahlen der 9-Euro-Tickets über die DB AG im sogenannten Deutschlandtarif stattgefunden haben und nicht regional heruntergebrochen statistisch angeboten werden. Daher ist eine präzise Beurteilung nicht möglich.

Der allgemeinen Beobachtung nach, wurden die Tickets, die über das Kunden-Center und Busse bezogen wurden, hauptsächlich für ohnehin geplante Fahrten als Ersatz für Einzel-,Tages-, Wochen-, oder Monatskarten nachgefragt. Zudem konnte ein gesteigertes Interesse von Fahrgästen im Freizeit- und Ausflugsverkehr festgestellt werden. Eine nachhaltige ökologische Verkehrswende war dagegen nicht erkennbar, was sich in den Folgemonaten dann vermutlich bestätigen wird."

Welche Probleme traten auf, was kam zum Vorschein?

"Diese Aktion der Bundesregierung war sehr kurzfristig anberaumt. Das Personal im Vertrieb und Fahrkartenverkauf, in den Abo-Centern und Geschäftsstellen – alle Abonnemente wurden auf 9-Euro umgestellt, die Fehleinnahmen mussten hochgerechnet und zum Ausgleich beziffert werden, sowie natürlich in den Bussen und Bahnen selbst – wurden auf das Äußerste belastet.

Das generelle Problem dabei war, dass ohnehin aufgrund von Corona und Energiekostensteigerungen Geld im System fehlt und dass das Fahrtenangebot in Deutschland nicht auf einen Massenansturm ausgelegt ist. Im Rheintal und auf typischen touristischen Bahnstrecken waren die Auslastungsgrenzen regelmäßig erkennbar überschritten: Das hat weder Pendlern, noch neugierigen Erstnutzern genutzt."

Wie lautet Ihr Fazit? Hoffen Sie und der VSB auf eine Fortsetzung?

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hat grundlegende Fragen zu klären, die über den Ticketpreis hinausgehen. Momentan brauchen die Verkehrsunternehmen aufgrund der hohen Energiepreise und des allgemeinen Personalmangels zügig politische, finanzielle Unterstützung, um das bisherige Fahrtenangebot überhaupt erhalten zu können.

Dann ist da der andauernde klassische Bund-Länder-Konflikt um die Verteilung von Geldern für den ÖPNV und darüber hinaus die verkehrspolitische Dauerdebatte, ob man besser in Infrastruktur und Angebot oder in preiswerte Tickets investiert. Seit heute ist ein gewissen Kompromiss zwischen Bund und Ländern für ein preiswertes Nachfolgeticket – welches dann aber vermutlich zum Jahreswechsel kommen wird – erkennbar.

Aber auch wenn keine Einigung erzielt wird: Für 2023 setzen die Landkreise Schwarzwald-Baar-Kreis, Rottweil und Tuttlingen einen fusionierten Tarifverbund mit leicht verständlichem Tarifzonenaufbau und preiswerten Tickets um.