Nostalgie pur für Menschen aller Generationen: Mit ihrer neuen Drehorgel wollen die Vinzentinischen Ersthelfer Albstadt nicht nur Spenden für ihre gemeinnützigen Projekte sammeln, sondern einfach viel Freude bereiten – praktisch im Handumdrehen.
Da kommt Achim Wicker, Dekanatsreferent vom katholischen Dekanat Balingen, richtig ins Schwitzen: „Das ist ganz schön anstrengend“ stöhnt er gespielt, als er die Kurbel der Drehorgel bedient und „Brüderlein, komm’ tanz’ mit mir“ erklingt. Rund 80 Lieder kann die originale Raffin-Drehorgel aus Überlingen spielen, die Diakon Michael Weimer, Gründer der Vinzentinischen Ersthelfer Albstadt, im Internet gefunden hat. Die Firma baue diese Drehorgeln nicht mehr, aber restaurierte gebe es noch. Das Schnauferl auf dem Wagen aus Holz und Metall ist nostalgisch bemalt – seitlich mit Motiven aus Überlingen.
So vieles hat die soziale Truppe schon ermöglicht
Die Bilder an der Stirnseite freilich ließen sich austauschen, erklärt der katholische Diakon, der mit seinem Team in den vergangenen Jahren so vieles auf die Beine gestellt hat – darunter die immer weiter ausgebaute Vinz-Pflegewerkstatt-Oase bei der Lautlinger Kirche St. Johannes Baptista, die seit der jüngsten 72-Stunden-Aktion auch eine Gesundheitsbibliothek und einen Kräutertisch hat. Die Hühner mit eigenem Häuschen und Areal legen Bio-Eier für den Tafelladen, die Kaninchen machen den Kindern Freude und die Vinzentinischen Ersthelfer selbst so oft den Senioren in den Pflegeheimen, wenn sie mit Kirchenmusikdirektor i.R. Rudolf Hendel kommen und musizieren.
Künftig wollen sie das auch im Freien tun: mit der Drehorgel, die jeder spielen kann, wie Weimer versichert und alle Teilnehmer bei der Präsentation spontan ausprobieren. Pfarrer Hans-Joachim Fogl aus Tailfingen hat spontan Spaß daran und will bei nächster Gelegenheit mit Weimer auf dem Tailfinger Wochenmarkt musizieren. Auf dem Ebinger sei dann Pfarrer Uwe Stier dran – so weit der Wink mit dem Zaunpfahl an seinen Kollegen, der ebenso wie Dekan Pater Augusty Kollamkunnel Spaß an dem originellen und nostalgischen Instrument hat. Uwe Stier vergisst übers Orgeln nicht das Reden und lobt die Vinzentinischen Ersthelfer über den grünen Klee für das, was sie an sozialen Projekten auf die Beine stellten, um Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und Menschen zu helfen. Das jüngste – Vinz-Reisen ohne Koffer – hatte erst Ende September zahlreichen Senioren drei kurzweilige Tage auf dem Stauffenberg-Areal beschert: Gemeinsame Essen, Kutschfahrten und Spiele inklusive. Doch das alles kostet Geld – um so mehr, als dass etwa die Gäste der Vinz-Reisen ohne Koffer nichts bezahlen mussten, um dabei zu sein. Deshalb hoffen Weimer und seine Mitstreiter darauf, dass die eine oder andere Spende im Hut landet, wenn sie mit der Drehorgel auf Albstadts Plätzen unterwegs sind.
Wie aus dem vorvergangenen Jahrhundert
Ein besonders schönes Exemplar – einen edlen Zylinder – hat Doris Schreyeck mitgebracht, und spontan werfen alle Erwachsenen etwas hinein, während die Vinz-Kinder sich als Drehorganisten profilieren. „Das spricht wirklich alle Generationen an“, sagt Achim Wicker und denkt dabei nicht nur an die Jüngsten, sondern auch an Senioren, speziell an jene, die an Demenz leiden. So eine Drehorgel wecke Erinnerungen an deren Jugend, als noch bei jeder Kirmes ein solches Instrument im Einsatz war.
Das der Vinzentinischen Ersthelfer Albstadt ist erst 25 Jahre alt, sieht aus wie aus dem vorvergangenen Jahrhundert und steht – schön restauriert – doch da wie neu. Künftig wird es in Albstadt Nostalgie wecken – und einer sozialen Truppe weiteres Helfen ermöglichen.