Niki Madunovic schließt ihren Friseursalon „Haarkunst“ in der Bahnhofstraße zum 1. August. Die Nachricht hat viele überrascht.
Doch wer sich auch künftig von Niki Madunovic und ihrem Team frisieren lassen möchte, der kann das auch weiterhin tun. Ihr im März 2023 eröffneter „Haarkunst“ Beauty Concept Store in Nagold bleibt weiterhin bestehen.
Lediglich der 2013 am Standort in Freudenstadt eröffnete Salon wird aufgegeben. Die Kunden wurden bereits informiert. Viele erfuhren über Instagram von dieser Entscheidung und den Gründen dafür.
Demnach war es nicht etwa die fehlende Kundschaft, die zu diesem Schritt veranlasst hat, sondern eine insgesamt immer schwierigere Personalsituation. Die Entwicklung bis zur Schließung nahm bereits vor circa zwei Jahren ihren Anfang.
Damals war der Salon in Freudenstadt aufgrund der großen Nachfrage und des dafür erforderlichen Personalbestands im Grunde zu klein geworden. Eine Erweiterung am jetzigen Standort war nicht möglich. Madunovic hatte deshalb zunächst größere Räume in Freudenstadt gesucht – aber eben nicht gefunden. Fündig geworden ist sie schließlich in Nagold.
Situation zunächst gut
„Wir hatten schon immer auch viele Kunden von dort, deshalb habe ich meine Fühler schließlich auch dorthin ausgestreckt“, erklärt Madunovic. Trotz der generell bestehenden Personalproblematik in der Branche – „ es war schon immer schwierig, genügend gute und motivierte Leute zu finden“ – war die Personalsituation in ihren beiden Salons damals zunächst gut. Auch deshalb, weil sich die Personalsuche in Nagold aufgrund des größeren Einzugsbereichs schon damals und bis heute einfacher gestaltet als in Freudenstadt.
Madunovic hatte aber das Pech, dass drei ihrer Friseurinnen relativ kurz nach der Eröffnung des Zweitsalons fast gleichzeitig gekündigt haben. Dies, um sich selbstständig zu machen oder sich noch weiterzubilden. Das Problem kündigender Mitarbeiterinnen war nicht neu, in dem Fall aber schwerwiegender als sonst.
„Aufgrund meines eigenen Qualitätsanspruchs und der guten Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten ziehe ich häufig junge Menschen an, die besonders motiviert sind und weiter kommen wollen“, reflektiert Madunovic das Dilemma.
Der Salon mit seinen Möglichkeiten werde deshalb häufig als Chance und Sprungbrett für die eigene weitere Entwicklung und Selbstständigkeit genutzt. Bei einem Betrieb, der viel in die Ausbildung investiere, stelle sich gerade deshalb aber schon auch die Frage der Wirtschaftlichkeit.
Hinzu komme die Schwierigkeit, sagt sie, aufgrund der zurückgehenden Ausbildungszahlen in der Branche überhaupt geeignetes Personal zu finden – und das trotz intensiver Suche.
Hoher Personalbedarf
Aufgrund der Größe der beiden Salons sei der Personalbedarf auch deutlich höher als in einem kleineren Salon. „Wenn dann irgendwann im Raum steht, Personal sogar abzuwerben, dann passt das nicht zu meinen Werten und zu mir“, sagt Madunovic deutlich.
Sie habe deshalb beschlossen, die Kraft lieber vollends in das vorhandene Team zu stecken und sich jetzt auf Nagold zu konzentrieren. Die in Freudenstadt verbliebenen Mitarbeiterinnen kommen fast alle mit nach Nagold. Für die Auszubildende werde aktuell aufgrund der zu großen Entfernung nach Nagold ein neuer Ausbildungsplatz in Freudenstadt gesucht.
Abschließend betont Madunovic, dass sie sich in Nagold sehr wohl fühle, aufgrund der emotionalen Bindung an Freudenstadt, wo sie aufgewachsen und zur Unternehmerin geworden sei, aber auch gerne in Freudenstadt geblieben wäre. Eine spätere Rückkehr unter passenden Rahmenbedingungen schließt sie deshalb auch gar nicht aus. „Sag niemals nie“, sagt sie dazu.
Seit 2013 selbstständig
Zur Person
Niki Madunovic hat ihre Ausbildung beim Friseursalon Coco in Freudenstadt im Jahr 2011 als seinerzeit Innungsbeste abgeschlossen und dafür den Preis des Handwerks erhalten. 2012 hat sie sich zur Friseurmeisterin weitergebildet und 2013 mit ihrem „Haarkunst“-Salon selbstständig gemacht.
Haarkunst Nagold
Im „Haarkunst“ Concept Store in Nagold beschäftigt Madunovic 14 Mitarbeiterinnen, darunter auch drei Azubis.