Foto: Feuerwehr

Ein Großbrand zerstörte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag das ehemalige Gasthaus Sonne in Rexingen. Die Ermittlungen dauern an.

Horb-Rexingen - Es war eine dramatische Nacht in Rexingen. Und die meisten in der Umgebung werden kaum geschlafen haben. Am nächsten Vormittag ist das Ausmaß des Brandes mitten im Ortskern zu sehen. Die "Sonne" ist eine Ruine. Ein Bagger rückt an, um Teile des Gebäudes, die einsturzgefährdet sind, abzureißen.

Die gute Nachricht: Sämtliche Bewohner des brennenden Gebäudes konnten laut Polizei unverletzt aus dem Gebäude evakuiert werden. Wohlauf soll auch der Eigentümer des Gebäudes sein, der in der Vergangenheit für viel Wirbel gesorgt hatte (siehe Info). "Die Brandursache ist bislang unklar und bedarf im Weiteren einer kriminaltechnischen Untersuchung des Brandortes", so die Polizei. Aktuell wird von einem Sachschaden von 700 000 Euro ausgegangen.

Aufmerksamer Bewohner setzt den Notruf ab

"Ein aufmerksamer Bewohner", wie die Polizei schreibt, hatte den Brand des Gebäudes im Ortskern um 2.05 Uhr über den Notruf gemeldet. Zunächst rückten die Freiwillige Feuerwehr Horb mit den Abteilungen Horb Stadt und Rexingen sowie die Führungsgruppe Horb-Empfingen-Eutingen zu einem gemeldeten Dachstuhlbrand in Rexingen aus.

Beim Eintreffen der Einsatzkräfte befand sich der Dachstuhl des ehemaligen Gasthauses Sonne bereits im Vollbrand. Durch eine zuvor eingetroffene Polizeistreife konnten die Bewohner des Gebäudes geweckt und ins Freie gerettet werden. Nach der ersten Lageerkundung wurden unverzüglich weitere Feuerwehren nachalarmiert. Zur Verstärkung im Bereich der Atemschutzgeräteträger und zur Sicherstellung der Wasserversorgung und weiteren Brandbekämpfung kamen die Feuerwehr Dornstetten mit einer Drehleiter und einem Tanklöschfahrzeug, die Feuerwehr Empfingen mit einem Löschfahrzeug und dem Gerätewagen Logistik sowie die Abteilungen Ahldorf, Dießener Tal, Dettingen und Mühlen der Feuerwehr Horb. Die Feuerwehrabteilung Bildechingen wurde mit ihrem Löschfahrzeug zur Sicherstellung des sogenannten Grundschutzes im Stadtgebiet in das Feuerwehrzentrum nach Horb alarmiert, um im Bedarfsfall weitere Einsätze übernehmen zu können. Die Einsatzkräfte führten zunächst einen Innenangriff durch, der jedoch im Laufe des Einsatzes abgebrochen werden musste, da aufgrund der Brandzehrung eine Einsturzgefahr bestand. Die weitere Brandbekämpfung erfolgte von außerhalb des Gebäudes über vier C-Rohre, zwei B-Rohre und zwei Drehleitern über Wenderohr. Im weiteren Verlauf des Einsatzes stürzte das Dachgeschoss in das Gebäude ein. Die angrenzenden Gebäude wurden mittels Riegelstellungen vor einer Brandausbreitung geschützt. Ein direkt angebautes Gebäude konnte dank eines Innenangriffes mit mehreren Trupps und der bereits durchgeführten Riegelstellung vor größerer Beschädigung gerettet werden.

Im Laufe des Einsatzes seien keine Personen zu Schaden gekommen, vermeldete der Pressesprecher der Feuerwehr, Jan Straub. Die geretteten Personen wurden in der Johanniterhalle von den Einsatzkräften des DRK betreut. Da nicht auszuschließen war, dass der Brand auf angrenzende Gebäude übergreift, mussten auch aus diesen Häusern die Bewohner evakuiert werden. Die Feuerwehr war mit insgesamt 130 Personen und 22 Fahrzeugen im Einsatz. Der Rettungsdienst Freudenstadt war mit zwei Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug, Organisatorischen Leiter Rettungsdienst und den zwei Ortsvereinen Rexingen und Altheim vor Ort. Die Polizei unterstützte mit insgesamt acht Einsatzkräften den Einsatz.

Alle Bewohner kommen anderweitig unter

Das DRK war mir fünf Helfern des Ortsvereins Bittelbronn/Rexingen und zwei Helfern aus Altheim (Betreuung) vor Ort. Pressesprecherin Alexandra Feinler schreibt: "Die Bewohner wurden in der Halle mit Getränken und Vesper versorgt. Durch die Ortsvorsteherin wurde noch am Vormittag die Ausstattung von Bekleidung über den Kleidershop für die Betroffenen organisiert." Die Ortsvorsteherin Birgit Seyer berichtet auf Anfrage unserer Redaktion: "Wir konnten alle Bewohner unterbringen. Eine Frau ist bei ihrer Mutter untergekommen, ein Ehepaar bei Bekannten und ein weiteres Ehepaar konnte der Eigentümer bei Verwandtschaft unterbringen." Bereits kurz nach Einsatzbeginn war die Stadtverwaltung Horb durch Oberbürgermeister Rosenberger, Bürgermeister Zimmermann und Ortsvorsteherin Sayer vor Ort vertreten.

Ebenfalls bereits zu Einsatzbeginn waren ein Wassermeister der Stadtwerke Horb und Kreisbrandmeister Jahraus zur Unterstützung der Feuerwehr an der Einsatzstelle. Im Laufe der Nacht wurden durch den Bauhof Straßensperrungen und das Ausschildern einer Umleitung durchgeführt, da die umliegenden Straßen und damit auch die Ortsdurchfahrt nicht passierbar sind.

Ortsdurchfahrt und Bergstraße sind bis Montagmorgen gesperrt Die Stadtverwaltung informiert, dass die Rexinger Ortsdurchfahrt, aber auch die Bergstraße noch bis voraussichtlich Montagmorgen um 6 Uhr voll gesperrt bleiben. Eine Durchfahrt durch Rexingen ist bis dahin nicht möglich. Am Wochenende werden auch keine Busse durch Rexingen fahren. Der Schülerbusverkehr soll am Montag aber wieder wie gewohnt möglich sein.

Info: Die Geschichte der "Sonne"

131 Jahre führte Familie Gekle das Gasthaus zur Sonne. Gastro-Pläne scheiterten. Zuletzt führten Wolfgang und Fine Gekle die Traditionsgaststätte, gingen aber 2015 in Ruhestand. Mangels Nachfolge in der Familie ging es mit der "Sonne" nicht weiter. Somit schloss die letzte Gaststätte im Ort. Der aktuelle Eigentümer versuchte 2017, zusammen mit einem Partner die Gaststätte wieder zu aktivieren. Doch die Pläne scheiterten. Beide hatten das vierstöckige Gebäude mit insgesamt über 1000 Quadratmetern Fläche erworben. Der Eigentümer des Traditionslokals und selbst ernannte "Meta-Physiker" nutzte danach das Gebäude für Wohnungen. Nachbarn beschwerten sich über "Kunstobjekte" auf der Straße. Mietangelegenheiten landeten vor Gericht.