Impfen im Taxi: In Peru ist das möglich. Foto: Alianza

In Peru ist die Pandemiesituation deutlich dramatischer als in den Medien berichtet – dies ergab eine Umfrage unter Pfarrern und Schwestern in der Diözese Chachapoyas, die seit 1980 in einer Partnerschaft mit den Kirchengemeinden Dunningen, Seedorf und Lackendorf steht, der Alianza.

Dunningen - Die Infektionszahlen in Peru hängen laut Mitteilung der Alianza von den regionalen Bedingungen ab: In den warmen Reisanbaugebieten wie Bagua Grande liegen sie deutlich über 30 Prozent. In Höhenlagen haben sich zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung infiziert. Bei der Letalität ist es im gleichen Verhältnis aber unter zehn Prozent. Die Erzeugung von medizinischem Sauerstoff von staatlichen Stellen reiche nicht aus und die Preise auf dem Privatmarkt hätten stark angezogen.

Um den Angehörigen mit schwerem Krankheitsverlauf den notwendigen Sauerstoff und zusätzlich teure Medikamente zu ermöglichen, wird alles verkauft was sich zu Geld machen lässt. So verkauften Lehrer auch ihre Computer, andere haben sich verschuldet. Die Versorgung mit lebensnotwendigen Medikamenten ist längst nicht mehr überall gegeben und Schwerkranke aus den Dörfern werden in den Familien gepflegt, weil die staatlichen Krankenhäuser weder Betten noch genügend Personal haben. Während in der Stadt traditionell Beerdigungen mit großer Prozession inzwischen pandemiebedingt untersagt sind, will auf den Dörfern niemand mit der mehrtägigen Totenwache unter Anwesenheit und Versorgung aller Freunde brechen.

Im kirchlichen Altersheim in Chachapoyas werde händeringend nach zusätzlichem Pflegepersonal gesucht, da sich alle Mitbewohner und die Schwestern angesteckt haben und es inzwischen drei Todesfälle gab. Die Impfungen laufen sehr langsam an. Der peruanische Staat habe die Bevölkerung über die Impfungen nicht richtig aufgeklärt. "So verbreiten sich auch noch Verschwörungstheorien und sorgen für geringe Akzeptanz bei den aktuell Impfberechtigten über 60 Jahre", wird berichtet.

In dieser Not hilft die Partnerschaft Alianza und organisiert gerade die vierte Coronahilfe mit 2000 Lebensmittelpaketen. Über das kirchliche Netzwerk werden die ärmsten Familien unterstützt und so für drei bis vier Wochen mit Lebensmittel versorgt. n Weitere Informationen und Möglichkeiten zu Spenden unter www.alianza.de

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