Paartherapeut Dr. Pop sammelt Fakten für einen selbstkomponierten Liebessong für Franzi und Jürgen im Publikum. Foto: Baumgartner

Kabarettist Markus Henrik alias Dr. Pop zeigte beim Auftritt, dass er als promovierter Musikwissenschaftler zu den „Pyrotechnikern“ in Sachen Musik plus Humor gehört.

Dr. Pop brachte ebenso viel Witz wie wissenschaftlich belegte Fakten auf die Szene 64-Bühne. Gleich eines Wirbelwinds sauste Markus Henrik alias Dr. Pop zwischen Sampler-Klangerzeuger, Klavier, Keyboard der legendären Marke „Roland D-50“ und Gitarre singend und rappend hin und her – das Mikro teils zwischen Kinn und Achsel eingeklemmt, weil für die Nutzung des Mikroständers offenbar keine Zeit blieb – und dozierte auf sehr unterhaltsame Weise zum Thema warum, was und wie „hitverdächtig“ – so der Name seiner Stand-Up-Comedy-Show – sein sollte.

 

Komponiertes Liebeslied

Ähnlich zu einer Vorlesung, waren auch die Studenten in der ersten Zuschauerreihe nicht sicher vor ihm: Gerne holte Dr. Pop Jürgen und Franzi zur Paartherapie in die „Hitverdächtig“-Sprechstunde und komponierte aus allen während der Show auf humorvolle Art gesammelten Fakten ein Liebeslied für beide. Mit dem musikalischen Skalpell in der Hand und rund 1700 in seinem Sampler gespeicherten Hits und Klängen, schälte der Doktor heraus, dass weltberühmte Künstler großartige Songs hervorbrachten, die Musikgeschichte schrieben und zugleich, dass dabei auch nur mit Wasser gekocht wurde.

Kombination von Musik

„Ich liebe es, wenn Musikwelten zusammenkommen“, verriet Dr. Pop mit großer Wertschätzung dafür und zeigte Entwicklungen in der Musik auf, die zwar aufeinander basieren und miteinander verflochten sind, aber dennoch etwas Neues bieten.

Richtig verliebt, war er in die 70er-, 80er- und 90er-Jahre der Musikgeschichte: „So sehen Sieger aus“, kündigte er beispielsweise Frank Farian an, der bei „Daddy Cool“ von „Boney M.“, das weltberühmte Intro „She‘s crazy like a fool“ aus dem Off einsang. Dr. Pop wusste die Fußabdrücke im Musikmetier beispielsweise von „Take That“, „Taylor Swift“ oder Elvis, Dolly Parton, Luciano Pavarotti und Ozzy Osbourne, „The Beatles“ oder Vater Abraham im Musikmetier humorvoll und wissensreich zu verbinden.

Henriks Welten sind alle Musikgenres – Pop, Rock, Schlager ebenso wie Klassik. Doch die Mischung macht’s bekanntlich, was Einzigartigkeit ausmacht. Mit Oktavsprüngen, „Terzen machen Schmerzen“-Ton- und Akkordfolgen oder Arrangements, Beats und Rhythmen, Textpassagen oder Übersetzungen und vielem mehr stehen und fallen Chartplatzierungen und der Coolness-Faktor. Musiktechnik trägt ihren Teil ebenso dazu bei, wie das Publikum am Mikrofon selbst ausprobieren durfte. Doch nicht nur Johann Sebastian Bachs‘ oder Dmitri Schostakowitsch Musik sind heute Basis für aktuelle Hits oder Alltagsklänge mit hoher Wiederkennung wie beispielsweise bei Klingeltönen oder Fußballclubs, sondern auch Fehler und Zufälle kreierten einzigartige Sounds. Dr. Pop wusste beste Beispiele mit „Hey Jude“, als Paul McCartney zu Beginn den richtigen Ton suchte, David Gilmore ein „lyrischer“ Huster vor „Wish you where here“ rausrutschte oder versehentlich ungleich abgemischte Tonspuren bei Phil Collins‘ „In the Air Tonight“ den Schlagzeug-Sound der 80er-Jahre kreierte.

Dass Andres Berg oder „Cindy und Bert „Black Sabbath“ kopierten oder die „Amigos“ fast alles zu Gold machen können oder die „Kastelruther Spatzen“ Spezialisten für komische Absurditäten zwischen Tonlage und Text produzieren, waren nur einige von den vielen Überraschungen, die Dr. Pop auf Lager hatte, die vom textsicheren Publikum mitgesungen oder erstaunt und amüsiert wahrgenommen wurden.