Foto: Pressefoto Baumann

Gemeinderat gibt Geld für Ausbau des wohl einzigen Waldparcours in einer deutschen Großstadt.

Stuttgart - 19 Jahre alt sei er und auf dem Weg zur Dornhalde. Mehr, vor allem seinen Namen, möchte er nicht von sich preis geben, „schließlich ist das, was wir machen, immer noch verboten“. Der junge Mann und seine zwei Begleiter tragen Sturzhelm und Schoner an Knien und Ellenbogen. Später werden sie – nachdem sie mit der Zahnradbahn nach Degerloch gefahren sind – auf ihren Spezialfahrrädern durch den Wald über Stock und Stein nach Heslach hinunterpreschen. Ihr Sport nennt sich Downhill, was so viel bedeutet wie talwärts.

Demnächst können der 19-Jährige und seine Freunde bedenkenlos ihre Namen nennen. Repressalien müssen sie nicht mehr befürchten. Illegal durchs Unterholz zu radeln gehört dann der Vergangenheit an, denn Stuttgart erhält einen offiziellen Downhill-Parcours. Mit dem Bau der Strecke soll demnächst begonnen werden, die Eröffnung laut Sportbürgermeister Susanne Eisenmann noch in diesem Jahr erfolgen. Endgültig möglich gemacht hat die künftige legale Downhill-Strecke der Gemeinderat, als er bei den Haushaltsberatungen im vergangenen Dezember 110 000 Euro bewilligt hatte. Teile des Stadtparlaments haben dabei eine Art Kehrtwende in ihrer Haltung vollzogen. Bei früheren Diskussionen vertraten etliche Stadträte noch die Ansicht, Downhill sei eine Modeerscheinung, die sich bald erledigen würde.

„Mit so einem Angebot steigern wir die Attraktivität der Sportstadt Stuttgart“, sagt Susanne Eisenmann. Derzeit befinde man sich in der Detailplanung. Auch Nutzungsregeln müssten noch erarbeitet und Haftungsfragen geklärt werden. Die Stadt, namentlich das Sportamt, werden die Strecke zwei Jahre lang betreiben. Danach soll Bilanz gezogen werden. „Die Sportverwaltung erachtet es für sinnvoll, etwas, das es ohnehin schon gibt, zu legalisieren.“

Szene umfasst 400 Fahrer

Tatsächlich existieren in den Stuttgarter Wäldern rund 15 illegale Abfahrten, vornehmlich im Bereich Dornhalde zwischen Degerlocher Albplatz und Südheimer Platz, unterhalb des Hohen Bopsers und entlang des Dürrbachs. Dort kam es auch zu folgenreichen Begegnungen mit Spaziergängern. Eine dieser Strecken, seit einigen Jahren als offizieller Parcours im Gespräch, wird nun ausgebaut. Den Bau zwischen Albplatz und Karl-Kloß-Straße übernimmt eine Spezialfirma, die ihren Ursprung in Reutlingen hat. Unter anderem soll die gut einen Kilometer lange Strecke über eine Holzbrücke führen, damit sich Spaziergänger und Downhill-Fahrer nicht mehr ins Gehege kommen. Entscheidend für das Votum des Gemeinderats war offenbar auch, dass die Downhill-Fahrer vom Ende der Strecke nicht übers Eiernest zur Zahnradbahn auf dem Marienplatz geleitet werden. Entlang der Karl-Kloß-Straße sollen die Sportler eine Art Pfad ­erhalten, damit die Verkehrssicherheit auf der vielbefahrenen Straße gewährleistet bleibt.

Gut 400 Fahrer umfasst die Downhill-Szene in Stuttgart. Einige von ihnen haben die Arbeitsgemeinschaft Downhill in Stuttgart gegründet. Bei einem Ortstermin war es ihnen gelungen, Stadträte von der Sinnhaftigkeit einer offiziellen Strecke zu überzeugen. Von der Arbeitsgemeinschaft hängt es nun ab, ob das Projekt ein Erfolg wird. Denn den Parcours gibt es nicht ohne Auflagen. Die wichtigste: Wildes Fahren auf den illegalen Strecken muss weitgehend aufhören.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: