Die Headliner von My’tallica ließen es richtig krachen. Foto: Oliver Pütz

Eine Fußball-Übertragung, Musik von smooth bis bretthart, dank gelegentlichem Regen beinahe authentische Festival-Atmosphäre – DoubleStage in der und rund um die Alte Seminarturnhalle ließ drei Tage lang keine Wünsch offen.

Passend zum smoothen Jazz der ersten Gruppe „Just4Jazz“ setzte genauso sanft der Regen ein. Und auch wie die Musik an diesem Samstag entwickelte er seine eigene Dynamik von smooth bis rough.

 

„Bei gutem Wetter kann jeder“ scherzte Wolfgang Schäfer, Vorstandsvorsitzender des Veranstalters „Förderverein alte Seminarturnhalle“. „Damit muss man rechnen,“ so Schäfer „das war auch in den vergangenen Jahren so“. Dies ist das achte DoubleStage-Festival, und fast immer war ein Tag dabei, an dem das Wetter nicht mitspielte. „Wann hat man hier schon mal drei Tage hintereinander Sonnenschein?“ Dafür war der Freitag mit mehr als 600 Personen gut besucht. Und obwohl viele Besucher nach dem Viertelfinal-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein wenig die Köpfe hängen ließen, gelang es den Musikern von Ambience schnell, wieder für gute Stimmung zu sorgen.

Mit dem DoubleStage-Festival wird kleinen, lokalen Musikern die Möglichkeit gegeben, sich auf einer Innenbühne und einer Außenbühne – daher DoubleStage, in professioneller Umgebung und mit professionellem Equipment zu präsentieren. Und mit professionell ist gemeint, dass alles aus Profihand kommt. Ob Finanzen, IT, Verträge, Werbung – in jedem Bereich bringt eines der Mitglieder vom „Gesamtkunstwerk Förderverein“ sein Spezialwissen ein.

Veranstaltung erfordert ausgeklügeltes Finanzierungskonzept

Dennoch ist die Veranstaltung nur durch ein ausgeklügeltes Finanzierungskonzept möglich. Die 70 benötigten Helfer für die drei Tage arbeiten ehrenamtlich, die eigenen Licht- und die Soundanlagen stehen dem Verein zur Verfügung und müssen nicht kostspielig angemietet werden. Auch fallen für den Veranstaltungsort „Alte Seminarturnhalle“ keine zusätzlichen Kosten an. Diese Posten fließen alle nicht in die Kalkulation ein, nur daher funktioniert das Konzept. Auch die bekannten Sponsoren stehen in der Regel hinter dem Event, die Stadt Nagold hat ihren Teil beigetragen, und in diesem Jahr konnte der staatliche Fördertopf „Neustart Amateurmusik“ in Anspruch genommen werden. Und die Getränke bringen auch noch etwas an Umsatz. Dennoch muss für die Headliner Eintritt genommen werden.

Diese „Zugpferde“ stehen meist schon eine ganze Weile vor dem Konzert fest, die lokalen Bands können sich für einen Auftritt bewerben. In der Musikszene ist die Veranstaltung bereits bekannt: So sind in diesem Jahr 45 Bewerbungen für 25 Auftritte eingegangen. Einige kennt man aus den Vorjahren. Aber insbesondere der Familiensonntag ist für die Musikschulen, Schulbands und die Nachwuchsbands eingerichtet.

Auftritte dieser Art gab es seinerzeit in Jugendhäusern, aber das wird immer weniger. So ist es ein Glück, dass es in der alten Seminarturnhalle neben der inzwischen längst etablierten „Rocknacht“ nun auch das Open-Air-Festival „DoubleStage“ gibt.

Immer wieder ein Erlebnis

Und für den Zuhörer ist es immer wieder ein Erlebnis. Begabte Amateurmusiker wärmen die Zuschauer für den Hauptact auf und liefern Auftritte der gehobenen Klasse ab: Neben den bereits erwähnten herrlich sauber und exakt gespielten Jazz-Standards klangen die „Blackwood Soulband“ und ihre charismatische Frontfrau Vivien Grammer mit Stücken wie „We’re up all Night to Get Lucky“, „I feel good“ oder „Smooth Operator“ von den Bühnen.

Oder die Band „From Ashes“, eine Re-Union von „Burning Soil“ mit explosivem Mix aus melodiösem Alternative Rock, Hardrock, Punk und einer Brise Pop. Auch „Black Leaf Draft“ war den anwesenden Metal-Fans sicher nicht zu hart, und wer auf Deutschrock steht, der wurde mit der gewaltigen Bühnenpräsenz von „Endeffekt“, einer sechsköpfigen Band aus dem Raum Karlsruhe belohnt. „Ruff Stuff“ sprang kurzerhand an die geplante Stelle von „The Steeman“, die krankheitsbedingt absagen mussten.

Bei der „Poolparty“ kam das Wasser schon wieder von oben. Aber weniger der Regen als der viel zu saubere Boden des Parkplatzes störte die Metal-Fans: „Wäre hier eine schlammige Wiese, wäre es viel authentischer!“, befand einer der Altrocker.

Und dann wurde die Bühne ganz in gelb gekleidet: Boxen, Drums und Leinwand strahlen in den Farben von Metallica. Und in dem Moment, als die Musiker der Tribute-Band auf die Bühne kamen, wurde man von der Energie mitgerissen. Nicht nur die Musik, die Geschwindigkeit der Drums und die „geilen Riffs“ der Gitarren und die Stimmen haben das Publikum überrollt. Sondern die stahlharte Gewaltigkeit der ganzen Band hat gezeigt, dass „MyTallica“ ihren Vorbildern in nichts nachstehen.